Wer reitet beim Sturm durch Nacht und Wind?

Wyoming, etwa Ende der 1860er: Mitten in der Pampa und so richtig mitten im Schneesturm treffen an einer einsamen Hütte acht Unbekannte aufeinander, die nichts anderes lieber machen würden, als gesuchte Sträflinge zur Strecke zu bringen – und das Kopfgeld einzusacken. Bis es diese Kopfgeldjäger sind, die sterben wie die Fliegen …

Eine Verbrecherin, die hängen soll. Ein Kopfgeldjäger, der sich die Mühe macht, sie lebendig zu transportieren, um sie hängen zu sehen. Andere Kopfgeldjäger, die in dem gleichen Schneesturm gefangen werden und zusammen mit dem ungleichen Paar in einer Hütte landen. Jeder der dort versammelten Gruppe ist seltsam wie tödlich – und voller Geheimnisse. Die beginnen sich zu lüften, als der erste Mensch tot umfällt. Der zweite Streich, der folgt sogleich! Und spätestens ab jetzt sind die Gewehre geladen und bereit – irgendjemand möchte wohl die Gefangene befreien und muss nun mit den Kopfgeldjägern zurechtkommen… besser gesagt: Sie einen nach dem anderen erledigen, bevor sie die Lunte riechen… 

Die Kritik

Tarantino positioniert seine Charaktere in den Wirren der Sezession im neuen Amerika und  nutzt dabei direkt aus, dass man sich automatisch auf die Seite des Nordens schlägt. Gemordet und getötet haben aber beide Seiten … 

Er nimmt sich Zeit, seine Geschichte zu erzählen – der Film läuft knapp 3 Stunden. Im Vergleich zu seinen vorherigen Filmen ist der hier auch sehr blutig und butal, aber nicht mehr rein darauf aus und längst nicht so grausam. Er ist vielschichtiger geworden. Sehr reduzierter Film, denn auch wenn es acht Hauptcharaktere gibt, so gibt es fast nur diese. Und sie spielen in der Kutsche oder rund um das Haus inmitten der Wildnis.

Für den Rahmen seiner Geschichte nutzt er ganz klassische Elemente: Ein simpler Beat, episch lange Landschaftsbilder, die durch den Beat etwas Bedrohliches bekommen, ein Hauptdrehort und acht Charaktere – viel mehr braucht es nicht. Pro-Tipp: Wer auf Filmsoundtracks steht, sollte genau hinhören – denn niemand anderes als Ennio Morricone hat hier Hand angelegt …

Bringt euch Zeit mit, wenn ihr The Hateful 8 in den Player werft – der Film dauert fast drei Stunden und ist damit ein echtes Brett. Ein wahrer Hammer ist auch die Riege der Hauptdarsteller: Michael Madsen, Samuel L. Jackson, Kurt Russell… Allesamt gehören sie der Spitzenriege an und übernehmen Rollen, die sie so bisher noch nicht innehatten. Insbesondere Jackson darf in The Hateful 8 sein inneres Arschlochkind herauslassen – und bekommt direkt die Rechnung dafür serviert. Den meisten Spaß dürfte vermutlich Channing Tatum gehabt haben, selbst wenn er sehr kurz auftaucht – und brutal wieder von der Spielfläche verschwindet.

Und was am Ende der ganzen Gewalt rauskommt? Viele unnötige Tote, Wohlstand für die Überlebenden, die aber damit nicht mehr viel anfangen können – und innerlich vielleicht mehr verloren haben, als sie äußerlich gewonnen.

Fazit: Der beste Quarantino. Nach wie vor brutal, aber mit wesentlich mehr Tiefgang und Kritik am krass fokussierten Erfolgsstreben unserer Gesellschaft – was noch Konsequenzen nach sich ziehen wird.

Bettina Riedel (academicworld.net)

The Hateful 8.

Regie: Quentin Tarantino
Darsteller: Samuel L. Jackson, Kurt Russell, Jennifer Jason Leigh, Walton Goggins, Demian Bichir, Tim Roth, Michael Madsen

Ab dem 30. Mai im Vertrieb von Universum Film als DVD, BluRay und Steelbook erhältlich.

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