Wenn ein Löffelchen voll Zucker bittere Medizin versüßt …

Mary Poppins zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Märchenfiguren der Welt. Kaum einer kennt nicht die erfolgreiche Disney-Verfilmung der Erzählung des zauberhaften Kindermädchens. Nun kommt die Geschichte zur Geschichte in die Kinos …

Noch ist sie skeptisch: Walt Disney kämpft um das Vertrauen von P. L. Travers.

Keiner weiß, woher sie kommt, keiner weiß, wohin sie geht, aber alle, die sie kennen, lieben sie – die Rede ist von Mary Poppins.  Wer lässt sich nicht gerne verzaubern von der wunderschönen Walt Disney Verfilmung, in der hunderte Kaminkehrer über Häuserdächer tanzen, Karussellpferde über eine Rennbahn galoppieren und Pinguine zum Steppen anfangen?

Zumindest einer Person gefiel die Verfilmung des Märchens zunächst überhaupt nicht. Und das war ausgerechnet die Schöpferin der Feenfigur: P. L. Travers. Über zwanzig Jahre hat es angeblich gedauert, bis sich die Kinderbuchautorin von Walt Disney überzeugen ließ und ihre Erzählung zur Verfilmung freigab.

Über diesen Entstehungsprozess kommt nun ein Film ins Kino, der den Titel „Saving Mr. Banks“ trägt. Darin spielt Emma Thompson die kauzige, biedere Autorin P.L. Travers, die Walt Disney und seinen Cartoons gegenüber eine regelrechte Abscheu hegt. Von Geldsorgen geplagt, hat sie allerdings keine andere Wahl als der Verfilmung letztendlich doch zuzustimmen.

Keine leichte Kindheit: Travers ist geprägt von ihrem phantasievollen aber kranken Vater.

Sie begibt sich nach Florida, um die Drehbucharbeiten zu überwachen. Dort wird sie von einem zuvorkommenden, begeisterten Walt Disney, gespielt von Tom Hanks, empfangen, der alles daran setzt, die Autorin für sich und den Film einzunehmen. Diese zeigt sich jedoch entsetzt von den musikalischen und cartoonartigen Einlagen, die die Autoren planen und würde am liebsten sofort wieder abreisen.

Nach und nach erfährt der Zuschauer, warum sich die Schriftstellerin so ablehnend verhält. In Rückblenden wird die Kindheit von Travers erzählt. Diese ist geprägt von phantasievollen Geschichten, die sich ihr sensibler Vater – gespielt von Collin Farrell – für sie ausdenkt. Hilflos muss die kleine Travers mit ansehen, wie er jedoch als Bankangestellter beruflich immer stärker unter Druck gerät, seine Familie ernähren zu können, dem Alkohol verfällt und schließlich an der Verantwortung zerbricht.

Es zeigt sich, dass Travers diesen Verlust nie verkraften konnte. Über die Jahre wurden die in ihrem Märchen vorkommenden Figuren zu einer Art Ersatzfamilie für die Autorin, die es um jeden Preis zu verteidigen gilt. Vor allem die Figur des Mr. Banks liegt ihr besonders am Herzen: Sie ist die Verkörperung ihres Vaters und die heimliche Hauptfigur der Geschichte, die Mary Poppins retten muss.

Auch wenn es den Anschein macht, so thematisiert der Film weniger die Entstehungsgeschichte des Films „Mary Poppins“ direkt – der Zuschauer erfährt nichts über die Dreharbeiten und auch die Darsteller werden nicht gezeigt. Vielmehr wird die Kindheit und das Leben der Autorin thematisiert und damit die Hintergründe des Märchens. Emma Thompson geht in ihrer Rolle als biedere und menschenscheue Autorin völlig auf, sodass sie dem Zuschauer regelrecht ans Herz wächst. Und auch Tom Hanks brilliert in seiner Rolle als Walt Disney, der am Ende die wahren Gründe für Travers Verhalten erkennt.

Auch wenn der Film an einigen Stellen übertreibt und die Rückblenden mit Collin Farrell teilweise etwas zu rührselig scheinen, ist er durchaus sehr gelungen. Mary Poppins Fans werden ihn lieben.

Saving Mr. Banks

Kinostart: 6. März 2014
Darsteller: Thompson, Tom Hanks, Colin Farrell, Paul Giamatti, Jason Schwartzman, Bradley Whitford, Ruth Wilson, B.J. Novak, Rachel Griffiths, Kathy Baker

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