Weit ist Himmel…

… und frisch ist die Luft dort oben. Nur, dass die Menschen dort in ihren Türmen nicht ganz freiwillig leben: Der Nebel, der die Welt umspannt, macht die Erdoberfläche zur Heimstatt gefährlicher Ungeheuer. Umso heikler die Situation, als Turm Aurora den Turm Albion angreift …

Die Menschen leben nicht mehr auf der Erdoberfläche, sondern auf Bergspitzen – genauer gesagt, in Türmen. Diese unterteilen sich in verschiedene Etagen, genannt Habbel. Das Regierungssystem ist die Aristokratie, zu deren noblen Häusern auch die junge Gwendolyn Lancaster gehört. Während ihres Pflichtjahrs bei der Wache des Herrschers trifft sie auf Bridget, die aus einem verarmten aristokratischen Haus stammt. Die sozialen Unterschiede verschwinden im Nu, als ihr Heimatturm Albion von einem Luftschiff der Auroren angegriffen wird. Die erste Angriffswelle wird abgeschmettert, doch steht zu befürchten, dass mehrere hundert feindliche Krieger in einem der unteren Habbel versteckt sind. Mangels Vertrauter schickt der Herrscher – der Archon – ein kleines, unübliches Team dorthin, um für Aufklärung zu sorgen. Das besteht aus Gwen, Bridget und ein Ätheriker, dessen Lehrling – und Kapitän Grimm mit seinem Luftschiff Raubtier. Aus der einfachen Aufklärungsmission wird schnell ein Himmelfahrtskommando und ein unvorhergesehenes Abenteuer nimmt seinen Lauf …

Die Kritik

Eine Zusammenfassung zu schreiben ist gar nicht so einfach. Vielleicht klingt sie in dieser Fassung auch etwas zu trocken, doch die Welt, die Jim Butcher geschaffen hat, ist einfach zu umfassend. Abgesehen von der Nebel-geprägten Existenz der Menschen gibt es eine starke scifi-Komponente: Es gibt sogenannte Äther-Ströme, die von manchen Menschen angezapft werden können. Der Äther wirkt wie eine Art Magie, die alle Dinge miteinander zu einem Bewusstsein verknüpft. Nur: Wer den Äther fühlt, wird dadurch sonderbar oder gleich ganz verrückt. Entsprechend bunt und schillernd sind die Charaktere bei “Windjäger” – einzigartig auf jeden Fall.

Das Buch ist keine Dystopie, wie sie aktuell geläufig ist. Dafür beschäftigt sie sich zu wenig mit dem Ende der Welt und der neuen Weltordnung. Vielmehr geht es um das Präsens und den Konflikt der Türme dieser neuen Zeit. Insgesamt ist es eine Mischung aus SciFi und Fantasy. Gerade am Anfang geht es stark um technische Zusammenhänge, was für manche Leser abtörnend wirken wird. Hier gilt die deutliche Empfehlung: Haltet durch! Das Technische reduziert sich im Anschluss auf ein Minimum, der Fokus liegt dann auf den Charakteren. Zu denen im Übrigen eine Katze gehört. Das wirkt anfangs auch ordentlich befremdlich. Eine Katze? Menschen, die Katzisch sprechen? Na wenn das mal nicht an Warrior Cats und andere Buch-Verfehlungen erinnert. FEHLINTERPRETIERT! Diese Katze wird einer eurer Lieblingscharaktere, versprochen. Das ist eine der absoluten Leistungen dieses Buchs: Eine Kriegerkatze als Charakter auftreten zu lassen, ohne sich lächerlich zu machen. Stattdessen sprüht das kleine arrogante super liebe und absolut zynisch-tödliche Tierchen vor Charme. Und kommt eher als die Menschen zur Einsicht, dass es manchmal etwas Gewalt braucht, um gegen einen gewalttätigen Feind anzukommen.

Es bleibt offen, wer der wahre Endfeind ist – und besiegt oder überhaupt bekämpft wird er daher auch nicht. Ist die Geschichte am Ende nur eine kleine Schlacht in einem viel größeren Krieg? Das erfährt man leider nicht in dem Buch. Wenn keine Fortsetzung kommen würde, würde das Buch trotz seiner knapp 700 Seiten etwas zu kurz greifen. Eine kleine Suche auf der Autorenwebsite hilft weiter: “The Aeronaut’s Windlass” ist Band 1 einer Reihe “Cinder Spires”, die wohl eigentlich zum SteamPunk zählen soll. Dem kann ich nach der Lektüre nicht ganz zustimmen. Dem Buch eine andere Kategorie zuzuordnen, ist aber – wie oben angesprochen – nicht ganz einfach.

Kleiner Funfact – genau wie bei den Shannara-Chroniken enthält der Klappentext einen Fehler: Denn das Schiff von Kapitän Grimm heißt nicht Jäger, sondern Raubtier.

Fazit: Die ersten hundert Seiten muss man durchhalten, wenn man kein Fan technischer Beschreibungen ist. Es dauert dadurch lang, um in die Geschichte reinzukommen. Hat man sich diese Welt aber einmal erschlossen, taucht man so schnell nicht wieder auf.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Jim Butcher. Windjäger.
blanvalet. 9,99 Euro.

Share.