Sing dein Lied, Eisdrache!

Dass George R. R. Martin mehr kann, als “nur” epische Geschichten in der Welt aus Game of Thrones zu schreiben, hat er eigentlich schon bewiesen. Doch wie sieht es aus mit modernen Märchen?

Adaras Mutter stirbt bei ihrer Geburt während eines heftigen Schneesturms. Das Mädchen wächst zu einem kleinen sozialen Sonderling heran – selbst ihr Vater sagt, dass der Winter seinem Kind in die Knochen gekrochen ist. Alle anderen lieben den Sommer, nur Adara sehnt sich nach dem Winter. Und so, wie ihr Onkel für den König auf einem Sommerdrachen reitet, lernt auch Adara einen Drachen kennen: Aus Eis und Schnee. Eine unwahrscheinliche Freundschaft zwischen zwei ungewöhnlichen Persönlichkeiten beginnt …

Die Kritik

Ein bezauberndes kleines Märchen über ein Kind, das einfach anders ist. Missverstanden – und sich trotzdem nicht von seiner Familie abwendet. Auch wenn die Versuchung da ist, in eine Welt zu flüchten, in der sie sie selbst sein könnte. Stattdessen findet sie erst mal einen Drachen als ihren neuen besten Freund. Das klingt doch nach GoT? Natürlich sucht man nach Parallelen zu Game of Thrones. Ob die Geschichten inhaltlich miteinander in Verbindung stehen, da bin ich mir nicht sicher. Denn auch wenn das Buch unter “Das Lied des Eisdrachen” veröffentlicht wurde – das Original erschien unter “Adara und der Eisdrache”. Was es ist, ist auf jeden Fall eine zauberhafte Kurzgeschichte aus einer GoT-ähnlichen Welt.

Außerdem wäre mir nicht bekannt, dass außer den Targaryen jemals jemand Drachenreiter unter seinem Kommando gehabt hätte und im Märchen kämpfen Drachenreiter schließlich gegen andere Drachenreiter. Auch bei dieser kleinen Geschichte ist übrigens eines deutlich: Die Tendenz von GRRM, auch bei Märchen nicht davor zurückzuschrecken, einen Teil der Guten sterben zu lassen. Aber so sind Märchen halt – sonst gäbe es auch keine Moral von der Geschicht’.

Die Illustrationen sind sehr zahlreich, einfarbig und so detailverliebt, dass das Buch nicht nur was für Kinder ist – mit simplen Skizzen haben die nämlich gar nichts zu tun. Es gibt viel zu sehen und auch auf den zweiten Blick zu entdecken. Für GRRM-Fans super interessant und nicht GRRM-Fans vielleicht ein Anlass, sich mit seinen anderen Werken zu befassen. Es lohnt sich!

Bettina Riedel (academicworld.net)

George R.R. Martin. Das Lied des Eisdrachen.
cbj Verlag. 9,99 Euro.

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