Olga Flor – Die Königin ist tot oder: Lady MacBeth der Neuzeit

Ein Klassiker in moderner Gestalt – Olga Flors neuer Roman ist vor allem empfehlenswert!

Fast schon zielgerichtet hat sich die Protagonistin, die sich selbst Lilly nennt, an den Medientycoon (Basil) Duncan herangemacht. Und nicht nur das, es gelingt ihr, dass dieser sie sogar ehelicht und in seine High Society-Welt einführt. Sie bekommt zwei Kinder von ihm. Leidenschaft ist es nicht, was die beiden verbindet, aber Lilly ist auch mehr ein dekoratives Accessoire, als ein Liebespartner für Duncan. Und es kommt wie es kommen muss: Er wird ihrer überdrüssig, ersetzt sie durch die noch jüngere Fernsehjournalistin Ann. Lilly wird an den Stellvertreter Alexander großzügig „abgegeben“. Womit Duncan allerdings nicht rechnet ist, dass die beiden einen Komplott gegen ihn schmieden, ihn, ebenso wie Macbeth in Shakespeares Stück den König, eliminieren wollen. Doch wie wird das alles enden? Man darf gespannt sein!

Wie eine Eis-Königin

Olga Flors Roman weist augenscheinlich sehr viele Parallelen zu dem klassischen Stück auf. Doch auch ohne dessen Kenntnis lässt er sich auch gut lesen. Von der Sprache her hat man den Eindruck, das gesamte Buch sei eine Art innerer Monolog der Hauptfigur Lilly, deren wahren Namen man nie erfährt. Ferner scheint sie keinerlei  echten Gefühle fähig, Gefühle, oder zumindest das Vorgaukeln selbiger scheint für sie nur Mittel zum Zweck zu sein, um ihre Ziele und ihre Vorstellungen durchzusetzen, rein manipulativ, versteht sich. Und die Männer springen auf diesen Zug auf. Wie ein eiskaltes Biest, ohne jedes Gefühl, wie eine Eis-„Königin“ zieht sie Fäden. Glücklich scheint sie dadurch nicht zu werden, aber das ist ja auch nicht ihr Begehr. Macht, immer mehr Macht und Ansehen, Autorität und Einfluss, das ist es was sie will. Wird sie dem Druck standhalten oder auch wie Lady Macbeth am Ende nur durchdrehen?

Fazit: „Die Königin ist tot“ ist eine moderne, nicht ganz leicht zu lesende Adaption an Shakespeares klassisches Stück, die unterhaltsam, sprachlich mit einem wahnsinnig hohen Niveau und einem guten Unterhaltungswert daher kommt. Prädikat: Empfehlenswert!

Verena Spangler, academicworld-userin

 

Olga Flor. Die Königin ist tot.
18,90 Euro. Paul Zsolnay Verlag.

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