Nach der Hochzeit

Was passiert, wenn sich eine der berühmtesten Krimiautorinnen der Gegenwart einem der berühmtesten Liebesromane der Welt annimmt? Nachzulesen in „Der Tod kommt nach Pemberley“.

Nach der Hochzeit
Die Ruhe im Herrenhaus ist passé. © Thomas Max Müller/pixelio.de

Die Nacht vor dem Ball

Sechs Jahre sind seit dem mehr als versöhnlichen Ende von “Stolz und Vorurteil” ins Land gezogen. Mrs. Bennet hat mit Kitty nur noch eine unverheiratete Tochter, Mary, Jane und vor allem Elizabeth sind sehr glücklich verheiratet. Die Erblinien sind gesichert. Nur die ungestüme Lydia macht immer noch Probleme. Kein Wunder also, dass weder sie, noch ihr Mann Wickham zum großen Herbstball auf Pemberley eingeladen sind. Also sie mitten in der Nacht vor dem Ball in rasanter Fahrt, kreischend und heulend trotzdem vor dem Haus von Schwester und Schwager vorfährt ist klar, dass Ärger droht. Man habe ihren Mann ermordet ist das einzige, was sie zusammenhängend herausbekommt. Elisabeth und die ebenfalls anwesende Jane können sie kaum beruhigen. Also brechen Darcy, sein Cousin und ein junger Verehrer von Georgiana auf, um im Wald um Pemberley nach Wickham zu suchen. Als sie ihn finden ist er zwar blutverschmiert, aber unverletzt. Im Gegensatz zu seinem Freund Captain Denny, vor dessen Leiche er kniet. Die Polizei und den zuständigen Friedensrichter zu informieren ist unumgänglich. Erst recht, als Wickham mehrmals wiederholt er sei schuld am Tod des Freundes.

Ein ganzer Berg an (Lebens-)Lügen, Halbwahrheiten und unglücklichen Fügungen führen immer weiter in Richtung Katastrophe.  Warum war Darcys Cousin in der stürmisch ungemütlichen Mordnacht reiten? Worüber haben Wickham und Denny sich gestritten? Und wer ist die schwarz gekleidete Frau, die zwei Dienstmädchen im Wald so erschreckt hat? Und vor allem: War es wirklich Darcys Sargnagel von einem Schwager, der den Captain ermordet hat?  Wird der Mann, der einst fast die Ehre von Darcys Schwester Georgiana in Gefahr brachte, beinahe Elisabeth verführt hätte und schließlich mit Lydia durchgebrannt ist am Galgen enden?

Fortsetzung mit Stil 

Gekonnt greift Austen-Fan P. D. James die Fäden der Geschichte auf und strickt sie in ihrem Sinne weiter – ohne dass der Leser das Gefühl hat, die Figuren würden dem eigenen Charakter zuwider handeln. Sprache und Stimmung ziehen den Leser schon nach wenigen Seiten in den Kosmos der berühmten Pfarrerstochter. Hier merkt man in jedem Satz die Liebe und den Respekt, den die Autorin für die “Vorgängerin” aufbringt. 

Nach der Hochzeit

Sehr nett übrigens auch, wie es der Autorin gelingt, auch noch andere Figuren aus dem Austen-Kosmos einfließen zu lassen. So erfährt man zumindest ansatzweise auch noch Neues von Anne Eliot und ihrer Familie sowie von Mr. und Mrs. Knightley. Nach reichlich Schund endlich mal eine Fortführung der (vor allem im englischsprachigen Raum) so wohlbekannten Geschichte, die sowohl den richtigen Ton trifft, als auch vor allzu schwülstig-zuckersüßem zurückschreckt. Für Austen-Fans ein echtes Muss, für alle anderen ein ruhiger, aber nicht unspannender Kriminalfall, der sich mehr um Schuld und Sühne, als um die blutigen Details kümmert.

Gisela Stummer (academicworld.net)

P. D. James. Der Tod kommt nach Pemberley
19,99 Euro, Droemer 
 

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