Mit Sicherheit unbestimmt

Tris und Four wissen schon gar nicht mehr, wohin sie noch sollen. Erst waren sie Teil der Fraktionen und haben ihre Familien verlassen. Nach der Rebellion stehen sie erst recht zwischen allen Stühlen – und vor einer Entscheidung, die alles verändern könnte.

Achtung, Spoiler! Hier geht es um Band 3!

Am Ende von (Hör-)Buch und Film Nummer 2 hat Evelyn die bisherige Fraktionsanführerin Janine durch einen eiskalten Kopfschuss getötet. Damit bricht das Fraktionssystem letztendlich völlig zusammen und die Fraktionslosen übernehmen gewaltsam die Regierung. Tris muss sich erst mal davon erholen, dass sie eigentlich hätte hingerichtet werden sollen – und ihr Bruder sie verraten hat. Four steht mit seiner Mutter Evelyn vor der Frage, ob und wie ihre Beziehung zu retten ist. Doch eines wird durch die Botschaft von Edith Prior immer deutlicher: Sie leben nicht geschützt in ihrer Stadt, sondern werden durch ihren Zaun eingesperrt. Was also liegt hinter ihm? Schließlich entschließen Tris, Four und einige ihrer Freunde, aus der Stadt zu fliehen. Ein tödliches Vorhaben, wie sich herausstellen wird. Nicht nur auf der Flucht müssen sie Abschied nehmen, sondern auch in der vermeintlichen Freiheit warten nicht nur offene Arme auf sie. Stolpern sie von der einen Rebellion in die Vernichtungsmaschinerie der anderen Seite? Es schaut alles danach aus …

Die Kritik

Das erste Viertel der Geschichte läuft auf dem Niveau der beiden Vorläufer: Es wirkt alles so, als bestünde die Gesellschaft in Chicago ausschließlich aus Teenagern. Wo sind die Eltern dieser Kids? Alle können nicht gestorben sein. In Sachen Regierung et cetera spielen sie abgesehen von Fours Eltern aber alle keine Rolle. Die Liebesgeschichte von Tris und Four bleibt stecken. Die beiden sind hormongetriebene Teenager, die in dem jeweils anderen die Liebe ihres Lebens vermuten. Mehr als harmloses Geplänkel wie Kussszenen kommt aber niemals auf. Ob Veronica Roth wohl eher zu den Altruan gehören würde? 😉 In diesem ersten Viertel kommen auch andere Punkte auf, für die es Abzug gibt: Die Autorin spielt mit Klischees. Kurze Haare (bei Tris natürlich) sind die Frisur einer Kriegerin, die langen Haare gehören zu ihrem Altruan-Leben. Langhaarige Frauen sind demnach nicht kampffähig. Solche Klischees dürfen nicht in einem Buch auftauchen, das von überwiegend jungen Frauen gelesen und als Vorbild genommen wird!

Doch danach nimmt die Geschichte Fahrt auf! Dicke Bonuspunkte gibt es dafür, dass Die Bestimmung nicht aufhört, als die Rebellion erfolgreich war. Die Antwort auf viele Fragen zu finden, kann nicht leicht gewesen sein. Das muss ein ordentliches Stück Arbeit gewesen sein und verdient Respekt. Veronica Roth gibt dabei nicht einfach nur 30 Seiten nach dem „eigentlichen“ Ende dazu, sondern schreibt ein ganzes Buch, spinnt alle Gedanken weiter und löst ihre Geschichte vollkommen auf. Genau darum drücken sich viele Autoren und belassen es bei einem relativ offenen Ende. Roth bringt DIE BESTIMMUNG zu einem Abschluss, der zeigt, wie sehr sie als Autorin auch beim Schreibprozess gereift ist. Dabei schreckt sie nicht vor Konsequenzen zurück, die man ihr anfangs gar nicht zutrauen würde.

Für die Umsetzung ist es schade, dass die Kapitel nicht ansagen, aus wessen Perspektive es aktuell erzählt wird. Der häufige Wechsel zwischen Tris und Four macht es nicht ganz einfach, der ich-Erzählung zu folgen.

Abgesehen vom ersten Viertel eine insgesamt eine würdige Fortsetzung, die den Leser / Zuhörer in Spannung versetzt, was ihr nächstes Werk sein wird. Vom Niveau her könnte das dann mit den Tributen von Panem vergleichbar sein, dessen kleine Schwester ihre bisherige Geschichte war.


Bettina Riedel (academicworld.net)

Die Bestimmung – Die letzte Entscheidung. Veronica Roth.
Der Hörverlag. 9,99 Euro.

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