Liebe nur von 5 bis 7

Brian Bloom ist 24 und schreibt – oder zumindest versucht er gerade seine Schriftsteller-Karriere zu starten, denn bis jetzt hat er nur Absagen der verschiedensten Verlage bekommen. Bei einem Spaziergang durch die New Yorker Straßen trifft er auf Arielle: Eine neun Jahre ältere französische Frau. Die Affäre gleicht dem Wandeln auf einem Grat: Arielle hat nämlich nur werktags zwischen fünf und sieben Zeit…

Denn nur zu dieser Zeit wird die Affäre mit Brian von Arielles Mann Valerie voll und ganz akzeptiert. Auch er hat eine mit einer jüngeren, amerikanischen Frau. Solange sie nicht über diesen Zeitraum hinausgeht, sind beide damit einverstanden. Für Brian ist diese Beziehung erstmal etwas Bizarres. Als er dann von Arielles Mann Valerie zum Dinner eingeladen wird, ist er ganz überfordert mit der Situation. Dabei lernt er nicht nur die Kinder des Paares, sondern auch Valeries Geliebte kennen. Brian entscheidet sich aber die Beziehung weiterzuführen, denn er ist Hals über Kopf in Arielle verliebt. Für seine konservativen, jüdischen Eltern ist die Beziehung inakzeptabel, doch Brians Mutter steht auf seiner Seite, nachdem sie Arielle kennen lernt. Währenddessen erreicht Brian ein Erfolg in seiner schriftstellerischen Karriere und mit seinem Erfolg entscheidet er sich Arielle um ihre Hand zu bitten – und überschreitet damit eine Grenze.

Kritik 

Auf fast jeder New Yorker Parkbank findet man ein Spruch, der jemandem gewidmet ist. Diese beachtet man selten, aber der Film beginnt mit ein paar dieser Sprüchen – hauptsächlich zum Thema Liebe – und man merkt wie poetisch und inspirierend manche sein können. 
Brian ist der Ich-Erzähler und man bekommt seine Entwicklung im Film ganz nahe mit. Die Liebesgeschichte zwischen ihm und Arielle ist schon eine spannende Sache an sich, da die Affäre nicht im Geheimen passiert – wie es sonst bei Affären der Fall ist – sondern ganz offen von ihrem Mann akzeptiert wird. Absurd im ersten Augenblick, doch mit der Zeit lässt die Absurdität nach und diese Art der Beziehung scheint zu klappen. Ich fand es sogar bemerkenswert, wie ehrlich und direkt alles angesprochen wird, ohne etwas zu verstecken. Dennoch: Obwohl dies erstmal funktioniert, auf lange Sicht kann so eine Art der Beziehung zu Gefühlschaos führen. 

Der Film ist ruhig und hat etwas von „Before Sunrise“ von Richard Linklater, mit einem Fokus auf die Gespräche und die Gedanken und weniger auf die Handlungen. Die Kameraführung ist auch anders als sonst, manchmal ist der Zuschauer ganz nahe an den Schauspielern dran – man sieht deren Wimpern und man blickt tief in deren Augen – manchmal sieht man die Welt aus Brians Sicht, und hin und wieder ist man auch ganz ein Außenbetrachter und man kann die Gesichtsausdrücke der Schauspieler gar nicht sehen. Durch das Verfolgen von Brians Gedanken – ein nachdenklicher, romantischer junger Schriftsteller – bekommt der Zuschauer viel von seiner Gefühlswelt mit. Sein literarisches Können dringt hervor und bringt einem zum Nachdenken. „Von 5 Bis 7“ ist genau der richtige Film für Romantik-Liebhaber, aber auch für die, die auf der Suche nach einer außergewöhnlichen Liebesgeschichte sind.

Stephanie Meyersieck (academicworld.net) 


Von 5 Bis 7 

Regie: Victor Levin 
Darsteller: Anton Yelchin, Bérénice Marlohe, Olivia Thirlby 
Der Titel erscheint am 22.07. auf Blu-ray und DVD sowie als VoD im Vertrieb von capelight pictures.

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