Leide still, aber sing drüber

Zerbrochene Träume, unerwiderte Liebe, Verrat, Leidenschaft, Aufopferung und Vergeltung – all das findet sich im Musical „Les Misérables“. Regisseur Tom Hopper hat das Ganze mit ordentlich Starpower und Bildgewalt gewürzt und auf die Kinoleinwand gebracht. Seit kurzem geht es auch eine Nummer kleiner auf dem heimatlichen Bildschirm.

Leide still, aber sing drüber
Hier findet sein Leben einen neuen Sinn: Valjean verspricht Fantine, sich um ihre Tochter zu kümmern. © Universal Pictures

Das Recht auf eine 2. Chance

Das gestohlene Brot für den hungernden Neffen wurde Jean Valjean (Hugh Jackman) einst zum Verhängnis. Für den Diebstahl und einen Fluchtversuch hat er 19 Jahre als Sträfling gebüßt. Doch auch nach der Entlassung lässt ihn die Vergangenheit nicht los. Der fanatische Polizeibeamte Javert (Russel Crowe) ist von einem kriminellen Rückfall überzeugt und wartet nur auf den kleinsten Verstoß gegen die Bewährungsauflagen. Diese Dauerüberwachung erträgt Valjean nicht länger und taucht ab. Unter falschem Namen bringt er es bis zum angesehenen Fabrikbesitzer in Montreuil. Die verzweifelte Arbeiterin Fantinge (Anne Hathaway) wird von seinem Vorarbeiter entlassen. Um ihr Kind Cosette zu unterstützen verkauft sie Haar, Zähne und schließlich auch ihren Körper, doch es ist nie genug. Als Valjean sie dem Tode nah findet, verspricht er ihr, sich um Cosette zu kümmern. Doch genau jetzt ist ihm Javert wieder auf die Spur gekommen. Zusammen mit dem Kind flieht er.

Jahre später führen Cosette (Amanda Seyfried) und Valjean ein zurückgezogenes Leben in Paris. Nur nicht auffallen ist die Devise. Doch die Stadt ist ein Pulverfass. Kurz vor dem erneuten Ausbruch einer offenen Revolte verliebt Cosette sich in den charmanten Revolutionär Marius (Eddie Redmayne). Doch Javert ist nicht weit. Eigentlich müsste Valjean erneut fliehen, aber die Barrikaden sind schon errichtet …

Viel Licht, aber auch Schatten 

Schauspielerisch und vor allem auch gesanglich muss man vor dem Großteil des Ensembles wirklich den Hut ziehen. Regisseur Hopper hatte sich dafür entschieden den Gesang gleich während des Filmens mitaufzuzeichnen und nicht – wie meist – nachträglich im Studio hinzuzufügen. Das bedeut zwar, dass nicht jeder Ton immer zu 100 Prozent perfekt ist, hat aber den (unverkennbaren) Vorteil, dass die Schauspieler aus der Interaktion heraus, direkt in der Rolle mit vollem Gefühl ihre Passagen einsingen. Und wenn, wie hier, der Film fast komplett aus Gesang besteht, macht das durchaus Sinn. Obgleich die stimmlichen Leistungen nicht alle gleich gut sind, muss sich niemand aus der Darsteller-Riege schämen. Wobei tatsächlich die Oscar-prämierte Leistung von Anne Hathaway bei “I Dreamed a Dream” besonders hervorzuheben ist. 

Leide still, aber sing drüber

Der Film zum Musical (wohlgemerkt nicht zum Roman von Victor Hugo) weiß also durchaus zu gefallen. Allerdings meint er es manchmal ein wenig zu bombastisch – etwa in der Anfangsszene. Außerdem kommt die Inszenierung dann doch insgesamt ein wenig brav und konventionell daher. Das hat man von Hopper, etwa in “The King’s Speech” schon deutlich besser gesehen. Ansonsten irritiert – vielleicht auch nur für Nicht-so-gut-Kenner des Musicals – manch zackige Wendung der Handlung. Dabei ist der Film mit zweieinhalb Stunden Laufzeit ja alles andere als kurz. Der erbitterte Hass Javerts etwa oder die Liebe zwischen Marius und Cosette werden so reichlich schnell als gegebenen Größen genommen. Elend anzusehen sind sie aber deshalb noch lange nicht, “Die Elenden”.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Les Misérables

Regie: Tom Hooper
Darsteller: Hugh Jackman, Russell Crowe, Anne Hathaway, Amanda Seyfried, Sacha Baron Cohen, Helena Bonham Carter, Eddie Redmayne

Im Verleih von Universal Home Entertainment seit 27. Juni 2013 auf Blu-ray und DVD

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