Lass mal Brücken schlagen!

Seit dem tragischen Ende aus der ersten Staffel von The Bridge (of the Americas) hat sich der mexikanische Ermittler Marco Ruiz zurückgezogen. Doch seine Geister der Vergangenheit lassen ihm keine Ruhe – und Kartellkiller haben selten Urlaub. Auf in eine geniale zweite Staffel!

Sonya Cross, höchst funktionale, aber manchmal wenig menschliche Ermittlerin. © Byron Cohen/FX Network
Sonya Cross, höchst funktionale, aber manchmal wenig menschliche Ermittlerin. © Byron Cohen/FX Network

In der ersten Staffel (hier unsere Kritik) wurde eine halbierte Frauenleiche auf der Brücke der Amerikas abgeladen. Der Auftakt zu einer hochspannenden Ermittlung, bei der die US-amerikanische Ermittlerin Sonya Cross und der mexikanischer Kommissar Marco Ruiz zusammen arbeiten müssen. Ein hochbrisantes Politikum, kultureller Clash in jeder Hinsicht und Wettrennen um Leben und Tod beginnt. Nach dem tragischen Ende, bei dem der Sohn des mexikanischen Ermittlers Marco Ruiz (Demián Bichir) stirbt, ist der Mörder gefasst. Außerdem liegt seine Ehe in Trümmern und die Kollegin Sonya Cross (Diane Kruger) will er gar nicht mehr sehen. Soweit zum aktuellen Status Quo.

Wertvolle Lieferung gesucht!

Nach einer Weile wird ein hochrangiger Vertreter eines Kartells ermordet aufgefunden. Was die Ermittler zuerst nicht wissen: Er war nicht allein unterwegs. Nun vermisst Fausto Galvan, der Drogenboss, ein wichtiges ‚Paket‘. Ruiz, der sich gegen seinen Willen immer tiefer im Sumpf der Korruption wiederfindet, wird von seinem korrupten Boss entsandt. Er soll Sonya ‚zur Hand‘ gehen. Also ermitteln, sie auf falsche Fährten locken und gleichzeitig das wichtige Paket finden, das dem Kartell abhandengekommen ist. 

Das Team muss sich erst wieder finden und auch dann ist noch lange nicht alles cool zwischen Sonya und Marco. © Byron Cohen/FX Network
Das Team muss sich erst wieder finden und auch dann ist noch lange nicht alles cool zwischen Sonya und Marco. © Byron Cohen/FX Network

Dass dieses Paket eine Frau ist (Franka Potente!), sorgt für einige Irritationen, denn Kartelle kümmern sich in der Regel wenig um Frauenquoten. Wer ist sie? Was ist ihre Aufgabe und wie hängt die Raeburn National Bank zusammen? Dort ist der Journalist Frye mit seiner Kollegin, nun besten Freundin auch schon wieder unterwegs und schnüffelt allen möglichen verdächtigen Spuren hinterher …

In THE BRIDGE erhalten die Handlung und die Charaktere genügend Zeit, um sich glaubwürdig zu entwickeln. Klar ist – irgendwie müssen Sonya und Marco wieder zu einem Ermittlerteam werden. Das passiert aber nicht in der ersten Folge und auch nicht in der zweiten. Es wird also nichts überstürzt und das gibt der Handlung den Raum zu atmen, den sie braucht. Das soll nicht heißen, dass nichts passiert. Im Gegenteil: Zusammen ergeben die Handlungsstränge ein explosives Muster und man weiß nie, wer als nächstes unters Messer kommt – George R.R. Martin das Vorbild? Vielleicht nicht so ganz, denn unsere Hauptdarsteller bleiben uns immerhin erhalten!

Sonyas Chef hat auch ein dunkles Geheimnis, das unweigerlich dem Licht entgegen strebt ... © Byron Cohen/FX Network
Sonyas Chef hat auch ein dunkles Geheimnis, das unweigerlich dem Licht entgegen strebt … © Byron Cohen/FX Network

The Bridge ist mehr als nur eine normale Krimiserie: Zum einen geht es nicht in jeder Folge um einen neuen Mord. Die Handlung entwickelt sich kontinuierlich weiter. Mittendrin ein- oder aussteigen ist daher nicht zu empfehlen. Außerdem: In der Serie gibt es kein striktes Gut oder Böse. Mexiko und seine Probleme mit den Kartellen und dem Drogenhandel sind nur ein Symptom ganz anderer Probleme. Natürlich könnte man die Serie einfach auf Klischees basieren lassen, doch dem ist in THE BRIDGE nicht so. Es ist eine komplexe Situation und ein Urteil über die Menschen und ihre Entscheidungen in Mexiko darf nicht leicht fallen. Dem tragen die Macher der Serie Rechnung, oder wie Ruiz es sagt „There are no sides.“ 

Um die Serie aus der ersten Staffel weiterzuentwickeln, werden neue Player eingeführt. Franka Potente als Kartellangestellte sorgt für einen gehörigen Gruseleffekt. Und für Freude, denn wie oft hat man erfolgreiche deutsche Schauspieler in US-Serien? 😉

Wer also erwartet hat, dass eine zweite Staffel eine blanko Wiederholung des bisher geschehenen ist, darf sich als ordentlich getäuscht betrachten. Diane Kruger brilliert in ihrer Rolle der emotional abgeschotteten, leicht autistisch wirkenden Polizistin. Immer schön mit dem Headset im Ohr marschiert sie rein funktional durch ihre Welt und ist damit auf Marco Ruiz in mehr als einer brenzligen Situation angewiesen.

Zusammen bilden sie das Team für eine der wirklich besten Serien, die aktuell für das Heimkino verfügbar sind!

Bettina Riedel (academicworld.net)

The Bridge, Staffel 2

Produktion: Patrick Markey
Darsteller: Diane Kruger, Demián Bichir, Annabeth Gish, Thomas M. Wright, Ted Levine, Matthew Lillard

Ab dem 22. Januar im Vertrieb der 20th Century Fox Home Entertainment als DVD, BluRay oder VoD im Handel erhältlich.

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