König der Meere

Es gibt neue Fantasy! Das Gute dabei: Ohne Werwölfe, ohne Aliens, keine Vampire – aber Wikinger. Und Elfen. Und Yetis. Auf ihren Drachen(booten) segeln sie wegen einer grandiosen Abenteuerwette rund um die ihnen bekannte Welt – es geht um nichts Geringeres als den Titel “König der Meere”!

Tylstyr wächst als Sonderling in dem kleinen Dorf Steinakr heran – denn im Gegensatz zu seinen Altersgenossen wird er kein Krieger, sondern ist mit der Gabe der Magie gesegnet. Oder verflucht, denn seine Andersartigkeit zwingt ihn dazu, das Dorf zu verlassen und an einer Akademie mehr über Zauberei zu lernen. Als ein großer Fehler seiner Jugend zurückkehrt, trifft er dabei zufällig auf den Kapitän Phileasson. Auf das Geheiß einer Göttin muss dieser sich gerade mit dem Gedanken anfreunden, mitten im Winter eine Abenteuerreise anzutreten – gegen den zweiten Kapitän, der sich aktuell in Steinakr befindet. Es geht um nichts Geringeres als den Titel „König des Meeres“. Die Reise wird sie durch die gefährlichsten Gegenden führen, sie an ihre Grenzen bringen und zu Entdeckungen, die kein Mensch zuvor gemacht hat …

Die Kritik

Wer eine Art historischen Roman erwartet, täuscht sich – nicht nur gibt es Magier, scheinbar auch Götter, Yetis und Elfen. Diese Kreaturen fügen sich sehr gut in die historische Kulisse ein. Die Wikinger-bezogenen Fakten sind gut recherchiert, wobei der Autor manchmal eher ins Dozieren kommt. Das ist ganz typisch, wenn Autoren das erworbene Wissen mit einbringen wollen und dabei für zwei oder drei Absätze die eigentliche Geschichte in den Hintergrund drängen. Es ist fast beneidenswert, mit welcher Toleranz sie einander begegnen – wenn wir das in unserer Realität nur auch hinbekommen würden… Eine Klippe, die der Autor auch sehr gut umschifft (pun intended) ist, dass es keine halbgare Piratenstory wird. Es hätte nahe liegen können: Raubeinige Wikinger auf See, Planken aus Holz unter den Füßen, der Mast knarrt, die Flagge gehisst… Aber Hennen konzentriert sich tatsächlich lieber auf die Personen und die Geschichte rundherum und das gelingt ihm richtig gut, denn als Leser fühlt man sich, als würde man daneben stehen und mitreisen.

Die Spannung auf Band 2 ist nicht zuletzt deswegen so groß, weil es neben der Abenteuerreise noch einen vollständig unabhängigen Handlungsbogen gibt: Mit ihm fängt das Buch auf rund 85 Seiten direkt an (der Jugendfehler). Am Ende gibt es noch mal eine Andeutung zu diesem Anfang, die wirklich neugierig macht, was hier noch auf Tylstyr zukommen mag.

Eine sehr kurzweilige Lektüre, die die Seiten zügig umblättern lässt. Durch die beiden Handlungsstränge, die die meiste Zeit nebeneinander her laufen, ist es auch nicht zu kompliziert, den Helden und Anti-Helden auf der Reise zu folgen. Da die Reihe die Phileasson-Saga heißt und sein Gegner Beorn denkbar unsympathisch darsgestellt wird, gehe ich allerdings schon mal davon aus, dass der Sieger am Ende mit P anfängt und mit hileasson aufhört … Fragt sich nur, ob Tylstyr am Ende auch von Krabben gefressen wird. Da müssen wir wohl auf Band 2 warten …


Bettina Riedel (academicworld.net)

Bernhard Hennen. Nordwärts – Die Phileasson-Saga 1.
Heyne. 14,99€.

Share.