Kinder, Kunst und Liebessehnsucht

Ihr werdet nie allein sein, weil ihr immer einander habt. Soweit die Mutter von Karl und Lorenz Brauer vor ihrem Selbstmord. Da ahnte sie freilich noch nichts von Elsa und der internationalen Kunstszene. Astrid Rosenfelds zweites Buch “Elsa ungeheuer”.

Kinder, Kunst und Liebessehnsucht
Kunst oder Kleckserei? © Henrik Gerold Vogel/pixelio.de

Die Ewigkeit festhalten

Lorenz Brauer gilt als “der” neue Star am internationalen Kunsthimmel. Einem einzigen Bild hat er sein Leben verschrieben: Er will die Ewigkeit malen – in 86 Einzelbildern übereinander. Am Ende eine schwarze Leinwand mit Rissen. Dabei ist es, auch wenn Lorenz sich das nicht eingestehen will oder kann, gar nicht das finale Bild, das sein Leben ausmacht, sondern das, das allem zugrunde liegt. Das Bild, das niemand außer ihm selbst zu sehen bekam, die Nummer 1. Das alles und noch viel mehr, nämlich die ganze Geschichte der Kindheit zweier Brüder erfahren wir aus der Erzählung seines Bruders Karl.

Ein Sommer hat ihr Leben verändert. Es war der Sommer, in dem zuerst ihre Mutter Hannah Selbstmord beging und dann die starrköpfige Elsa ins Dorf zog. Die Kindheit der Brüder, ohnehin von jeher eher abenteuerlich, gerät komplett aus den Fugen. So sehr, dass die Erlebnisse um diese beiden Frauen das Leben von Karl und Lorenz für immer bestimmen. Dazwischen gibt es noch die wenig jugendfreien Gutenachtgeschichten von Herrn Murmelstein, den Krieg Esel gegen Ponys, einige Wegenden und zwei verbitterte und verbiesterte Frauen, die der Kunstszene eine Lehre erteilen wollen. Oder wollen sie doch nur Rache?

Kinder, Kunst und Liebessehnsucht

Wie schon im Erstlingswerk “Adams Erbe” gelingt es Astrid Rosenfeld wieder die schweren Themen ganz nebenbei zu erzählen, sich auf die Absurditäten des Alltags zu stürzen und es dem Leser größtenteils selbst zu überlassen, ob er den wahren Sprengstoff dahinter findet. (Vielleicht) Anders als im geschilderten Hype der Kunstwelt ist hier jedes Lob gerechtfertigt.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Astrid Rosenfeld. Elsa ungeheuer
21,90 Euro. Diogenes 

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