Keine Gnade für Politiker

Bücher und ihre Verfilmungen haben ein angespanntes Verhältnis. Getreu dem Motto „Irgendwer schreibt immer“ werden sie oft und häufig kritisiert. Ein Beispiel, bei dem jeder Buchliebhaber diesmal achtungsvoll schweigen wird, ist „Erbarmen“, basierend auf dem gleichnamigen Werk von Jussi Adler-Olsen.

Nach einem misslungenen Polizeieinsatz bleibt Carl nicht nur äußerlich verwundet zurück. © Warner Bros.
Nach einem misslungenen Polizeieinsatz bleibt Carl nicht nur äußerlich verwundet zurück. © Warner Bros.

Carl Morck ist Ermittler bei der dänischen Polizei. Zusammen mit seinen beiden Partnern betritt er ein Haus, in dem sich mögliche Geiseln befinden. Einige Minuten später: einer tot, zwei schwer verletzt. Einige Monate später ist Carl als einziger wieder auf dem Weg in sein altes Leben. Doch bei der Polizei ist er zur Persona non grata geworden. Kurzerhand wird er in das neu geschaffene Sonderdezernat Q versetzt. Alte Fälle sollen hier noch einmal durchgeblättert und dann final zu den Akten gelegt werden.

Eine dieser Akten ist die von Merete Lynggaard. Die Politikerin verschwand einst spurlos von einer Fähre. Damals stempelten die Ermittler den falls als Selbstmord ab. Doch Carl irritiert der Umstand, dass sie ihren behinderten Bruder mit auf der Fähre hat. Wer nimmt seinen geistig zurückgebliebenen Bruder mit, wenn er sich über Bord werfen will?

Die fast schon wahnhafte Suche nach der Wahrheit führt Carl und Assad bis nach Schweden - was sie natürlich nicht machen dürften ... © Warner Bros.
Die fast schon wahnhafte Suche nach der Wahrheit führt Carl und Assad bis nach Schweden – was sie natürlich nicht machen dürften … © Warner Bros.

Ein neuer Kollege wird ihm an die Seite gestellt: Assad. Für ihn ist der Job ein Aufstieg und bereits hier knallen zwei Welten aufeinander. Er ist motiviert und möchte seine Arbeit professionell angehen, während Carl eher damit beschäftigt ist, sich allabendlich einen hinter die Binde zu kippen. Die beiden ergeben ein interessantes Ermittlerpärchen.

Parallel zu dieser Handlung begleitet man Meret in der Zeit kurz vor ihrem vermeintlichen Selbstmord. Diese „Flashbacks“ werden zwischen die Szenen von Assad und Carl gestreut und langsam schält sich die Wahrheit um das Verschwinden von Merete heraus … Man glaubt zwar, aus der Ermittlung herauslesen zu können, dass sie keinen Suizid begangen hat – aber wissen kann man es bis zum Ende wirklich nicht. Was geschah wirklich mit Meret? Warum wurde sie zum Opfer des offenbar psychopathischen Täters? Und wieso hat damals niemand von den wirklichen Geschehnissen erfahren?

Ein Bild aus glücklicheren Zeiten: Meret und ihr geistig behinderter Bruder. Der gibt bei ihrer Entführung einen reichlich stummen Zeugen ab. © Warner Bros.
Ein Bild aus glücklicheren Zeiten: Meret und ihr geistig behinderter Bruder. Der gibt bei ihrer Entführung einen reichlich stummen Zeugen ab. © Warner Bros.

„Erbarmen“ ist nicht ganz so brutal, wie man es von dem ein oder anderen skandinavischen Thriller bereits gewohnt ist. Dafür baut er permanent Spannung auf. Das Gefühl, das er hinterlässt, ist ein mulmiger Knoten im Magen. Der Film ist eine Mischung aus klassischem Krimi und Psycho-Thriller, die den Zuschauer abwechselnd unter Strom setzt und mitfiebern lässt. Simple Zutaten, fesselndes Ergebnis!

Bettina Riedel (academicworld-net)

Erbarmen
(Jussi Adler-Olsen Verfilmung)

Regie: Mikkel Norgaard

Darsteller: Nikolaj Lie Kaas, Fares Fares, Sonja Richter, Mikkel Boe Folsgaard

Im Vertrieb der Warner Bros. über BFP marketing & distribution seit dem 25. September als DVD, BluRay oder VoD im Handel erhältlich

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