Justice Is Brutal

Für die Fans der härteren Genres gibt es frische Kost, die euch in den DVD-Serienabend-Himmel der politisch sowas von nicht korrekten Gewalttaten entführen wird: COPPER.

Nanu, was macht denn der nordische Corcy da mit den Rebellen des Südens?
Nanu, was macht denn der nordische Corcy da mit den Rebellen des Südens?
Corcy und sein bester Kumpel - der neue beste, denn der alte hat sichs echt versaut ...
Corcy und sein bester Kumpel – der neue beste, denn der alte hat sichs echt versaut …

Eigentlich ist das Leben in Five Points einfach. Wenn du jemanden tötest, wirst du gehängt. Wenn du dich als armer Einwanderer in Notwehr gegen einen Geschäftsmann durchsetzt, wirst du gehängt. Wenn du Essen klaust, wirst du vielleicht nicht gehängt. Aber wenn du schwarz bist, wirst du wahrscheinlich am nächsten Laternenmast gelyncht – inklusive Feuer. Wenn du ein Geschäftsmann bist, der einem anderem im Weg stehst, wirst du im Schlaf ermordet. Wenn du den Süden unterstützt, verschwindest du einfach und niemand wird nach dir fragen.

Aber ansonsten ist das Leben dort echt in Butter. Wahrscheinlich kennst du Detective Corcoran, der rennt ja ständig in der Gegend herum. Entweder, er trinkt sich besinnungslos, prügelt sich oder prügelt sich, weil seine Frau verschwunden ist und seine Tochter ermordert – und er absolut im Dunklen tappt. Zusammen mit seinen irischen Landmännern und -frauen lebt er in Five Points, einem wilden Immigrantenviertel. Die zeit ist 1864 und der Amerikanische Bürgerkrieg tobt zwischen Nord und Süd. Verräter lauern überall, selbst in der reichen Oberschicht. Aus dieser stammt einer der Kumpels von “Corcy”, drogenabhängig und trinksüchtig. Trotzdem sehr liberal. Worum es final geht? Corcy will den Mörder seiner Tochter finden, seine Frau hätte er gern zurück, zwischendrin benehmen sich die Leute vollkommen daneben und bringen sich um. Lasst sie hängen, alle!

Die Kritik

Sensibel darf man wahrlich nicht sein – die Serie hat nicht umsonst das Siegel FSK 18 bekommen. Hier wird geprügelt, gemordet und gefoltert, dass einem teilweise Höen und Sehen vergeht. Gerade heutzutage, wo wir auf eine “offizielle” Art der Polizeiarbeit dressiert wurden. Nur mal die Beweiskette als Beispiel oder eben, dass Folter kein adäquates Mittel ist, um die Schuldigen zu finden… Politische Korrektheit sucht man auch vergebens, klar – denn damals wars halt auch noch nicht so. Es ist trotzdem ziemlich hart mit anzusehen, wie brutal die Welt damals gewesen sein muss. Dank der exzellenten schauspielerischen Leistung des Casts und den BBC-typischen perfekten Kulissen fühlt sich die Serie extrem authentisch an. Außerdem stellt sie die Polizeigewalt nicht verherrlichend dar und kritisiert die rassistischen Einstellungen. Die dennoch so realistisch dargestellt wird, dass man sich bei einem sicher sein kann: Bei Coppers geht es nicht um das Happy End. Justice Is Brutal ist der Slogan zur Serie. Das Leben im News York des Jahres 1864 ist aber noch viel krasser.

Wer nicht zurückscheut, wenn Tiere ausgeweidet und Menschen hardcore verprügelt werden (oder entsprechend sich kurz unter der Decke verstecken mag), der könnte sich in diese goldige Serie richtiggehend verlieben! Ich jedenfalls hab es getan.

Pro-Tipp: Schaut die Serie auf Englisch. In der deutschen Fassung bekommen die Darsteller teils echt nervige Stimmen ab – da seufzen die Damen ganz hauchzart, während sie im original eine vergleichsweise tiefe und ruhige Stimme haben, selbst wenn sie im vollkommenen Drogenrausch absinken.

Bettina Riedel (academicworld.net)

COPPER, Staffel 1 und 2

Seit dem 27. November 2015 im Vertrieb der polyband GmbH als DVD und BluRay im Handel erhältlich.

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