“In Wirklichkeit war alles viel schlimmer!”

Tino Hanekamp, geboren 1979 in Wippra/Sachsen-Anhalt, arbeitete jahrelang als Musikjournalist, lebte mal hier und mal dort, reiste durch die Welt und landete vor ein paar Jahren in Hamburg, wo er mit einem Freund aus Versehen einen Musikclub namens “Weltbühne” gründete, der dann aber abgerissen wurde. Heute ist er Mitbegründer, Miteigentümer und Programmdirektor des Uebel & Gefährlich, das mehrfach zum besten Musikclub Deutschlands gewählt wurde. Mit “Sowas von da” (erschienen bei Kiepenheuer & Witsch) hat er nun seinen ersten Roman vorgelegt.

Tino Hanekamp schreibt über St. Pauli, Clubs, Räusche und das schnelle Geld

Dein Buch “Sowas von da” erinnert sehr an deine eigene Vergangenheit im Clubgeschäft. Ist dies nun ein biografischer Roman?

Nö. Das ist ein Expertenroman, die Innenansicht einer geheimen Welt, geschrieben von einem, der sich brutal gut auskennt. Aber biografisch ist das nicht, autobiografisch schon gar nicht. In Wirklichkeit war nämlich alles viel schlimmer!

Von Albert Camus ist der Satz überliefert »Alles, was ich über Moral und Verpflichtung weiß, verdanke ich dem Fußball.«. Gilt das auch für die Gastronomie?


Hoffentlich nicht! In der Gastronomie wird ja gelogen und betrogen, ausgebeutet und abgefüllt, dass Unmoral noch die harmloseste aller Vokabeln ist. Getreu nach Camus würde ich sagen: Alles, was ich über Moral weiß, verdanke ich der Menschenliebe.

Kaum ein normaler Student kommt ohne Gastronomieerfahrung durchs Studium. Hast du einen Tipp für einen Neuling?

Klar: Fangt gar nicht erst an zu studieren, eröffnet eine Bar und beutet Studenten aus! Wer aus welchen Gründen auch immer nicht dazu in der Lage ist, diesen weisen Ratschlag zu befolgen, wer sich also löblicherweise einem Studium widmet um das Wissen der Welt zu mehren, und wer dann, um nicht Hungers zu sterben, in irgendeiner Spelunke anschaffen gehen muss, der sollte darauf achten, dass er wenigstens einigermaßen fair bezahlt wird. Ein Stundenlohn von unter zehn Euro ist eine Unverschämtheit, alles unter sieben Euro ist Sklaverei. Das gilt auch für alle anderen Nebenjobs.

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