Im Goldrausch

Oder vielleicht doch im Rausch der Mordgelüste? Irgendwer muss ja einen Mann umgebracht und einen anderen verschwinden haben lassen. Dann wäre da doch die von Opium betäubte Hure. Eine Detektivgeschichte in der Zeit des Goldgräberrauschs!

Ein Hotelzimmer, 13 Männer, ein Geheimnis – was heutzutage durch Nachfragen bei der NSA ganz leicht gelöst werden könnte, ist in der damaligen Zeit des Goldrausches die Grundlage für ein famoses Abenteuer. 1866 in Hokitika, Neuseeland. Ein Fremder kommt in die Stadt – doch anstatt des Wahnsinns fette Beute zu werden, lässt er sich im Hotel am Hafen nieder – und stößt dort auf zwölf vermeintlich zufällig anwesende Männer. Er lässt sich in ein Verhör, pardon, Gespräch verwickeln und kommt bald auf den Punkt des abendlichen Stelldicheins: Eine Hure wurde mit einer Überdosis Opium bewusstlos auf der Straße gefunden, ein Mann wurde ermordet und ein weiterer ist verschwunden. Doch wie hängt nun alles zusammen? Und was haben die auf den ersten Blick so grundverschiedenen Männer mit den Ereignissen zu tun?

Die Kritik

Eine Zeitfrage ist das Hörbuch schon. Kein Wunder, denn Eleanor Catton, die für DIE GESTIRNE 2013 mit dem renommierten Man Booker Prize ausgezeichnet wurde, hat damit ein Werk von über 1.000 Seiten in der Druckversion geschaffen. Auf das Hörbuch übertragen ergeben sich rund 31 Stunden Laufzeit. Wer also nur eine bis zwei Stunden pro Woche für ein Hörbuch erübrigen kann, sollte sich die Anschaffung überlegen. Natürlich ist es in Kapitel unterteilt, doch bisweilen vergisst man ja, was man vor einer Woche gehört hat. Mit vielen Unterbrechungen bietet DIE GESTIRNE also nicht das beste Hörvergnügen.

Inhaltlich macht das Buch einfach Spaß. Die Ausgangsituation ist simpel und leicht zu erfassen. Der Hauptcharakter ist intelligent und damit nicht der typische Fremde, der sich von den lokalen Persönlichkeiten erst mal ordentlich über den Tisch ziehen lässt. Mit jedem Rückschluss, den er aus den anwesenden Personen im Hotel zieht, erfährt man selbst ein Stück mehr zur Geschichte hinter der Geschichte. Live Action Rätselraten quasi – das ist bei Krimis selten geworden. Die meisten dominieren mit mega psychopathischen Killern, alles ach so blutig und grausam. DIE GESTIRNE fesselt auf die intelligente Art.

Die Hörbuchumsetzung bekommt „nur“ vier von fünf imaginären Sternchen. Den fünften verdunkelt einfach die Lauflänge. Denn auch wenn es gut gelesen ist – auf Dauer erscheint es einem ein wenig monoton und die Aufmerksamkeit droht abhanden zu geraten. Was dazu beitragen mag, ist, dass keiner der Charaktere „fasziniert“. Es handelt sich mehr um eine logische Analyse von Handlungen, die eine Person mit einer anderen in Verbindung bringen. Ein „fascinator“, bei dem man mitleiden, sich mit freuen oder grundsätzlich eine Emotion mitbringen kann, so etwas gibt es leider nicht.

Fazit: Interessant, intelligent, wenig emotional und sehr lang. Wer sich für DIE GESTIRNE entscheidet, sollte das ganz bewusst tun, denn es ist kein Hörbuch für Nebenher.

 

Bettina Riedel (academicworld.net)

Eleanor Catton. Die Gestirne.
Der Hörverlag. 24,99 Euro.

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