Ihr wollt ein Start-up managen?

Klingt launig, spaßig, nach mindestens einem Kicker in der Lounge? Aufgepasst, denn eines darf nicht vergessen werden: Start-ups sind dennoch Unternehmen und Arbeitgeber – und stellen ihre ganz eigenen Regeln an das Spielfeld „geschäftlicher Alltag“. Ben Horowitz hat seine Erfahrungen aus dem Silicon Valley nun in einem Ratgeber zusammengefasst.

Das Buch heißt „Wenn es hart auf hart kommt. Schwierige Management-Situationen und wie man sie meistert“, es spiegelt den Erfahrungsschatz von Horowitz als CEO bei Loudcloud/ Opsware für wider. Gespickt mit Stories aus dem eigenen Geschäftsleben mit all seinen Aufs und Abs sowie mit Tipps zum richtigen Verhalten in schwierigen Situationen präsentiert sich der Ratgeber als DER Helfer, wenn man als führender Kopf einer wachsenden Firma feststeckt. Auch zeigt Horowitz des Öfteren auf, wie man Situationen anders und möglicherweise besser lösen könnte, als er selbst es hat – denn er hat oft genug den direkten Weg durch die Wand ausprobiert.

Dass es auch andere Wege als diesen gibt, ist klar. Dennoch braucht es eine gewisse Energie, wie Horowitz sie offenbar hat, um als Person in der Geschäftswelt zu bestehen. Denn es ist eine brutale, von harten Kämpfen geprägte Welt, in der nicht immer der Stärkere überlebt, wohl aber der Mutigere. Sie ist ein Haifischbecken, in dem allzu oft allein der richtige Augenblick die rare Beute der Raubtiere ist – und ein Wimpernschlag des Zögerns einen schnell selbst zur Beute macht. Ein packender Bericht eines Insiders, der die ersten Kapitel des Buchs zu wahren Pageturnern macht.

„Irgendwann muss doch endlich einmal etwas ohne Zwischenfälle klappen“, denkt man sich als mitfiebernder Leser. Doch genauso fragt man sich mit der Zeit: „Wo bleibt nun dabei der Nutzen für mich? Ist es nicht trotzdem ein Ratgeber, den ich in Händen halte?“. Erst nach etwa einem Drittel des Buches geht Horowitz dazu über, dem Leser brauchbaren Input in Form von umsetzbaren Tipps und Anleitungen zu geben.

Diese Ratgeber-Kapitel sind jeweils in sich stimmig arrangiert: Zunächst schildert Horowitz meist eine schwierige Situation, die er mit selbst erlebten Praxisbeispielen untermauert. Davon leitet er Verhaltensregeln ab sowie in vergleichbaren Situationen zu beachtende Punkte. So weit, so brauchbar. Betrachtet man den Aufbau als großes Ganzes, ist es allerdings schon schwerer, eine logische Struktur zu erkennen – denn weder gibt es ein „von Klein zu Groß“, ergo von einfacher zu lösenden hin zu den kniffligeren Problemen des CEO-Alltags, noch ist ein rein chronologischer Aufbau zu erkennen. Hintergrundstories im Text scheinen sich zu wiederholen, da oft auf ähnliche oder zeitlich überlappende Situationen zurück gegriffen wird. Zwar nimmt der Autor themenspezifisch einen immer anderen Blickwinkel auf die Dinge ein, doch denkt man als Leser immer öfter „ah, das hatten wir ja schon“.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Wer ein Fan von Strukturen und sofortiger Umsetzbarkeit eines Ratgebers ist, der sollte sich zumindest nach Alternativen umsehen. Wen es allerdings juckt, die schlimmsten Zeiten mit Ben Horowitz zusammen noch einmal durchzuleben und bestenfalls aus dessen Fehlern zu lernen, dem sei sein Buch wärmstens empfohlen. Sich eine Scheibe Stehauf-Männchen anzueignen hat schließlich noch keinem geschadet. Diese Fähigkeit kann man der CEO-Legende auch schlicht und einfach nicht absprechen – da sei etwas viel Impulsivität beim Verfassen eines Ratgebers verziehen. Einen hohen Unterhaltungswert, Spannung und gnadenlos offene Karten bietet das Buch schließlich allemal.

Verena Brozio (academicworld.net-userin)

Ben Horowitz: Wenn es hart auf hart kommt. Schwierige Management-Situationen und wie man sie meistert.
Plassen Buchverlage. 24,99 Euro.

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