Identitätsangebote aus Hollywood

Die Gesellschaft spiegelt sich im Film wieder, Filme finden Wiederhall in der Gesellschaft – so weit so gut. Warum aber kommen gerade die großen Hollywood-Blockbuster rund um den Globus so gut an? Welche Identitätsangebot finden sich dort?

Im Hollywood-Blockbuster wird manches Feuerwerk gezündet. © Lutz Stallknecht/pixelio.de
Im Hollywood-Blockbuster wird manches Feuerwerk gezündet. © Lutz Stallknecht/pixelio.de

Doctor goes Hollywood

“Identität und Spektakel” nennt Anja Peltzer die Buchversion ihrer Doktorarbeit. Natürlich merkt man dem Buch die Doktorarbeit an, allein der Aufbau orientiert sich doch stark am wissenschaftlichen Maßstab. Der Name ist auf jeden Fall Programm: Es geht um die Identitätsangebote in den bildgewaltigen Blockbustern. Dem Untersuchungszeitraum geschuldet ist die Auswahl der jeweils drei finanziell erfolgreichsten Filme aus den Jahren 2005 und 2006. Der aktuelle Trend zur Serie schlägt sich hierbei deutlich nieder:

 

– Pirates of the Caribbean: Dead Man’s Chest

– The Da Vinci Code

– Ice Age: The Meltdown

– Harry Potter and the Order of the Phoenix

– Pirates of the Caribbean: At World’s End

– Spider-Man 3

 

Mittels einer Triangulation aus Inhalts- und Filmsequenzanalysa hat die Autorin in all diesen Filmen so genannte Identity Points ausgemacht, Punkte im Geschehen, an denen die Identität des Hauptcharakters besonders deutlich zu tage tritt, sich auffällig weiterentwickelt oder verschiebt. So versucht die Autorin mittels ihrer Filmanalyse eine Analyse gesellschaftlicher Veränderungen.

Kino als Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen?

Verschiedene wiederkehrende Momente treten bei dieser Analyse zu Tage. So dient in fast allen untersuchten Filmen der Feind als Identitätsreflektor, in ihm spiegeln sich Wesenszüge und Merkmale des Helden wieder. Auch sind meist die Strukturen des sozialen Umfelds sehr prägend. Auffällig ist dabei ein deutlich defizitäres Familienmodell. In allen vorgeführten “Familien” krankt es, sie sind unvollständig und glänzen völlig durch Abwesenheit – ein Verweis auf gesellschaftliche Tendenzen unserer Zeit.

Peltzer zeigt, dass Hollywood-Blockbuster nicht nur einen  spektakel- und special-effects-geladenen Abend bieten, sondern durchaus auch thematisieren wer wir sind beziehungsweise sein wollen. Dabei zeigt sich, dass die Identitätsangebote des weltweit operierenden und rezipierten Films nicht mehr notwendig kulturell verankert oder gar national spezifisch sind, sondern global funktionieren.

Kollektives Engagement und expressive Individualität sind keine Gegensätze – so das Postulat der Stadt des schönen Scheins. Im Vergleich etwa zu den 80ern sieht die Autorin durchaus mehr Spielraum für mögliche Facetten der Identität, zeigt aber auch auf, dass es ohne den kleinsten gemeinsamen Nenner sozialer Anpassungsfähigkeit leider nichts wird mit der weltweit klingenden Münze. Der Blockbuster funktioniert also deshalb weltweit, weil es ihm gelingt politische Beliebigkeit und kulturelle Universaltiät zu vereinen.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Anja Peltzer. Identität und Spektakel: Der Hollywood-Blockbuster als global erfolgreicher Identitätsanbieter
29 Euro. Uvk

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