Ich sage dir, wie du heißt…

… und du begibst dich auf eine Reise, um herauszufinden, wer du bist. So läuft das auch wirklich in der Welt von Tirasan Passario, der am Tag seiner Namensgebung vor der gesamten Schule in die absolute Vollkatastrophe reinläuft – denn niemand kennt diesen Namen!

Nummer 1, Nummer 2, Nummer 3,… Nummer 17 ist ein Junge, schmächtig, mit ausgeprägtem Sinn für Gerechtigkeit. Er ist ein beliebtes Opfer für ihre verbalen Attacken und freut sich unbändig auf den großen Tag der Namensgebung! Denn dann schaut ein Magier in seine Seele, liest den Namen der Seele vor und legt damit fest, wer er ist – mehr als nur eine Nummer! Natürlich möchte er zu einem großen Krieger werden und dank der Namensmagie wäre das sogar möglich. Denn der Name legt fest, wer und was man ist in dieser verzauberten Welt. Am Tag der Namensgebung verwandeln sich die Kinder in ihre Erwachsenen-Versionen, dank der Namensmagie. Doch als Er seinen namen erhält, passiert gar nichts. N.I.C.H.T.S. Der Schick sitzt ihm tief in den Knochen, doch ihm bleibt keine Wahl: Auch er muss die Reise nach Himmelstor antreten, um dort im großen Namensverzeichnis anerkannt zu werden. Überraschenderweise heftet sich sein ehemaliger Feind und dessen ehemals bester Kumpel, sein ERZ-Feind, sich an seine Sohlen. Die ungleiche Gruppe hat einige Abenteuer zu bestehen, um endlich nach Himmelstor zu gelangen. Dort allerdings wartet das noch viel größere Abenteuer ihres Lebens!

Die Kritik

Das Konzept ist nicht neu: Wer den wahren Namen einer Person kennt, der hat Macht über ihn. Zuletzt wurde das beispielsweise in der Buchreihe Skulduggery Pleasant thematisiert. Die Autorin spinnt den Gedanken ins Extrem weiter: Sie erbaut eine Gesellschaft, in der der Name alles bedeutet. Mit ihm fällt oder steht die gesamte Person, ganz unabhängig vom materiellen Reichtum oder Charaktereigenschaften – oder Aussehen. Die gesamte Gesellschaft ihres Buchs rotiert um die Macht der Namen – Kinder sind Nummern, obwohl auch diese Zahlen ja eigentlich Rufnamen sind. Am Tag der Namensgebung entscheidet sich innerhalb von Sekunden ihr Schicksal – welche Seele mit welchem Namen wurde wiedergeboren?

Diese Abstraktion , denn eigentlich gibt es Namen ja nur, um Personen einwandfrei zu unterscheiden – der Til aus dem Clan Müller, beispielsweise. Die Bedeutung des Buchs, vielmehr eine der Bedeutungen, findet man, wenn man das Konzept auf die Realität überträgt: So egal es ist, welchen Namen man hat, so egal sollte es doch sein, woher man kommt – sei es bezüglich der Gesellschaftsschicht oder des Landes. Ob dick oder dünn, um groß oder klein. Das alles ist nicht geeignet, um den Wert einer Person einzuschätzen. Gerade in diesen Zeiten mit einer Flüchtlingskrise nach der anderen ist das eine extrem wertvolle Botschaft – die so überspitzt genau den richtigen Ton für den Vorwurf findet.

Den Heldenaspekt bedient Nicole Gozdek mit ihrer eigenen Variante, die mich einerseits sehr erfreut hat, denn nicht viele trauen sich diesen Weg zu gehen. Aus Spoiler-Gründen kann ich diese Variante leider nicht ausführen. Aber die singende Blondine wird der kämpferische Held sicherlich nicht heiraten 😉 Andererseits verschwindet diese Variante wieder ein bisschen in der Versenkung, wenn die Geschichte aufgelöst wird.

Fazit: Auch wenn die Geschichte durch einen kindlichen Protagonist eröffnet wird, ist sie wirklich für alle Altersklassen geeignet und empfehlenswert. Das Hörbuch ist sehr gut umgesetzt und mit 520 Minuten überanstrengt sie den Zuhörer nicht und ist eigentlich viel zu schnell vorbei. Eine sehr zauberhafte Geschichte, die es fast mit den großen von Michael Ende oder Walter Moers aufnehmen könnte. Ich bin sehr gespannt!

Bettina Riedel (academicworld.net)

Nicole Gozdek. Die Magie der Namen.
HörbuchHamburg. 19,99 Euro.

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