Homeland wird digital

Carrie lebt mittlerweile in Berlin und – so bizarr es scheint – möchte ihr Leben mit ihrer Tochter (von Brody) und dem neuen Freund irgendwie gebacken bekommen. Doch einmal im Netz der CIA gefangen scheint es kein Entkommen zu geben …

Alle Bilder: Copyright 20th Century Fox Home Entertainment

Berlin. Die blonde Amerikanerin mit den riesigen Augen und der bipolaren Störung versucht sich in ihrer Version eines Happy Ends: Zusammen mit Brodys Tochter und ihrem neuen Freund lebt Carrie Mathison in der deutschen Hauptstadt. Von der CIA hat sie sich getrennt und arbeitet nun als Sicherheitschefin in einer großen Stiftung. Dessen Chef ist Großindustrieller und hat seine eigenen, wirtschaftlichen Verstrickungen mit kriegsgebeutelten Ländern.

Es gibt viele, die nicht wirklich glauben, dass Carrie keine Agentin mehr ist. Auch ihr Karma hat damit wohl noch nicht so abgeschlossen und konfrontiert sie mit ihrer Vergangenheit: Zusammen mit ihrem Boss reist sie in den Lebanon, um dort eines der größten Flüchtlingscamps zu besichtigen. Dort geraten sie prompt in gleich zwei Anschläge – auf Carries Leben. Das friedliche Bild ihrer Zukunft löst sich damit quasi explosionsartig in Bombenfragmente auf. Geblendet von schockierendem Betrug und ohne die Unterstützung von Saul (Mandy Patinkin) und Quinn (Rupert Friend, er wird übrigens als Killer auf sie angesetzt), muss Carrie eine tödliche Verschwörung aufdecken, die tausende Leben in Gefahr bringt – erst recht ihr eigenes.

Die Kritik

Natürlich ist es total vorhersehbar, dass Carrie dem Spinnennetz aus Lügen und Intrigen nicht entfliehen kann – wo läge da auch der Sinn einer fünften Staffel. Es wäre auch wenig faszinierend, ihr dabei zuzusehen, wie sie plötzlich zwischenmenschliche Beziehungen auf die Reihe kriegt. In diesem Sinne: Carrie hat auch in Staffel 5 einen kleinen, persönlichen Vollschatten. Und sie wird in ein Land geschickt, dessen Fläche zu geschätzt 80 Prozent aus Wüste besteht und einige militante Anwohner aufweist. Und sowieso grundsätzlich vom Krieg zerrissen ist. Es gibt auch inhaltlich natürlich Weiterentwicklungen: Die Terroristen werden digitaler, es gibt Netzaktivisten – und damit wesentlich andere Bezugsgruppen in dem Terrorspiel, das wir bisher aus Homeland gewöhnt sind.

Insofern gibt es im Setting ein bisschen was Neues. Insbesondere die Frage, wer nun Carrie am Liebsten aus der Schusslinie haben möchte, könnte Spannungspotenzial bieten. Doof nur, dass das direkt verraten wird. Die daraus entstehende, nächste Frage wäre: Wieso gerade jetzt, wo sie sowieso schon aus der CIA raus ist und nur noch den Chef einer Stiftung vor alltäglichen Bürogefahren schützen möchte? Es dauert etwas, bis die Ansätze einer großen Verschwörung erkennbar werden. Bis dahin schaut es eher aus, als würden die Fäden der Geschichte sich bald in Wohlgefallen auflösen. In anderen Worten: Die Staffel braucht vier bis fünf Folgen Anlaufzeit, bevor sie interessant wird.

Bei dem Chef der Stiftung kommt so ein bisschen die Einfallslosigkeit der Homeland-Macher zu Tage: Er ist ein deutscher Großindustrieller, dessen Großvater Nazi war, das Familiengeschäft dreht sich um Stahl, der Familiennachname ist Düring, was besonders oft wie Döring klingt. Gegen diesen Mann muss Saul, der ehemalige “CIA-Pate” von Carrie und Jude, natürlich besonders persönliche Abneigung hegen … Das ist einfach etwas zu flach.

Auch wenn die Zuschauer eines über die bisherigen Staffeln immer wieder gesehen haben, gibt es dennoch eine Sache, die unbedingt positiv hervorzuheben ist: Wie gut Claire Danes ihre gestörte Seite spielen kann. Damit zieht sie die Zuschauer wieder zurück in die Serie, weil man gar nicht anders kann, als mitzufühlen. Ihr beim Ausflippen zuzusehen ist auch ganz und gar nicht nervig, sondern jedes Mal… neu. Anders. Bemitleidenswert. Mit einem Hauch Genialität. Vor allem, wenn sie damit konfrontiert wird, wie viele Menschen gestorben sind – wegen ihr und ihr allein.

Was der Serie auch entscheidend gut tut ist, dass die restliche Familie Brody aus dem Bild geschnitten wurde. Sonst würde sich dieser Erzählstrang viel zu lang hinziehen. Der Typ, der als nächstes von der Bildfläche verschwinden muss, ist Saul. Der gehört definitiv in die Vergangenheit von Homeland … 

Fazit: Keine müde Fortsetzung, kein elendes Herauszögern einer eigentlich abgeschlossenen Geschichte – sie macht also schon Spaß zu schauen, kommt an den Thrill von Staffel 1 und 2 aber nicht heran.


Bettina Riedel (academicworld.net)

Homeland, Staffel 5

Ab dem 14. Juli als BluRay und DVD im Vertrieb von 20th Century Fox im Handel erhältlich.

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