Großbritanniens größter Gauner

Howard Marks´ neues Buch erzählt, wie aus Mr. Nice der sogenannte Mr. Smiley wurde – und er nach seiner Haftentlassung aus einem der härtesten Knäste Amerikas vom Pot zu den Pillen kam. Der kürzlich verstorbene Bad Boy war nicht nur Englands Staatsfeind Nr. 1, sondern vor allem auch Held einer ganzen Generation – ein Mann mit Kultstatus, hohem Unterhaltungswert und großem Sympathiefaktor.

Nach Howard Marks erstem Buch „Mr. Nice“ – seine Biographie, die weltweit zum Bestseller wurde – erzählt er in „Mr. Smiley“ von den Machenschaften und Abenteuern, die er nach seiner unerwarteten Haftentlassung 1995 in den Hochzeiten von Ecstasy und Rave-Musik erlebte.

Trotz der anfänglichen Freude über seine verfrühte Haftentlassung und der damit einhergehenden guten Vorsätze, dauert es nicht lange, bis Howard Marks in seine alten kriminellen Muster zurückfällt. Die bereits etablierte Clubkultur mit ihrer Elektromusik und den beliebten Ecstasy-Pillen verspricht hohe Gewinne für Schmuggler und Dealer. Von Geldsorgen und Langeweile getrieben („Ich hatte keine Ahnung, was ich mit mir anfangen sollte.“ S. 169), lässt er sich an Silvester des Jahres 1996 auf einen erneuten Drogenschmuggel ein. Der Coup gelingt und Marks ist ganz berauscht von dem Erfolg. Voller Enthusiasmus und Freude darüber, dass er sich endlich wieder „ganz“ fühlt, stürzt er sich in weitere Projekte, welche jedoch nicht so glatt laufen wie gedacht. Durch die Nachforschungen über einen toten englischen Schmuggler-Kollegen bringt er sich in große Schwierigkeiten und kann es dennoch nicht sein lassen. Und ein Projekt mit Freunden läuft dermaßen aus dem Ruder, dass Marks für einige Monate an der andalusischen Costa del Sol untertaucht… Es folgen kuriose Ereignisse, beängstigende Drohungen, abenteuerliche Deals und dramatische Verfolgungsjagden. Menschen verschwinden spurlos und auch Marks selbst muss auf einmal ernstlich um sein Leben fürchten…

Die Kritik

Eine sehr packend erzählte Story, die ihre Leser mit auf eine Reise in die 80er und 90er Jahre nimmt und sie teilhaben lässt an der Musik, den Raves, den Drogen und den Menschen dieser Zeit. Howard Marks entspricht so gar nicht dem typischen Bild, das man sich oft von einem Kriminellen macht. Im Gegenteil: Er ist sehr intelligent und bedacht und wirkt so herrlich normal, dass man ihn sogar sympathisch findet und sich wohl mehr als einmal während des Lesens dabei erwischt, wie man auf seiner Seite steht und beispielsweise mit ihm mit fiebert und bangt, er möge doch bitte nicht erwischt werden!

Obwohl „Mr. Smiley“ bereits der zweite Teil von Howard Marks Biographie ist, lässt er sich ohne Probleme auch ohne die Vorkenntnisse des ersten Buches lesen. Marks bezieht sich zwar des Öfteren auf frühere Ereignisse oder macht einen Schwenk in die Vergangenheit, doch führt er dies stets so genau aus, dass die Zusammenhänge für die Leser deutlich werden.

Mein einziger Kritikpunkt besteht darin, dass Marks in seinem Buch sehr viele Namen von diversen Bekannten, Freunden, Schmuggler-Kollegen und anderen Gaunern einführt, wodurch die Geschichte eine etwas verwirrende Struktur erhält. Vor allem anfangs ist es dadurch schwierig, die einzelnen, oft auch nur kurz erwähnten Personen auseinanderzuhalten und sich deren Namen zu merken.                                                                                                                  
Fazit: Alles in allem jedoch ein geniales Buch mit viel Action, Spannung und Humor sowie zusätzlich einigem Wissenswerten über die damalige Club- und Drogenkultur in Spanien und Großbritannien und die Strukturen der Schmuggler- und Dealerkreise.

Tabea Hornung (academicworld.net)     

Howard Marks. Mr Smiley – Die Fortsetzung des Weltbestsellers „Mr Nice”.
Heyne Hardcore. 16,99 Euro.

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