Geister der Vergangenheit (1)

Er ist immer noch unterwegs auf den Straßen Amerikas: Jack Reacher. Nach allerlei Zwischenfällen hofft er, nun in D. C. die neue Kommandeurin seiner alten Einheit kennenzulernen. Doch bevor er auch nur einen Hauch ihres Perfums einatmen kann, wird er inhaftiert …

Jack Reacher hat nicht nur ein Problem: In einem vergangenen Fall hat er telefonisch die Kommandeurin seiner ehemaligen Einheit kennengelernt. Jetzt ist er unterwegs, um endlich die Person zur Stimme zu treffen. Als er am Standort des 110th eintrifft, wird er nicht zu Susan Turner vorgelassen. Stattdessen wird er wieder in den aktiven Dienst einberufen – und mit zwei Klagen aus seiner alten Dienstzeit konfrontiert: Einen vermeintlichen Totschlag sowie eine Vaterschaftsklage. Beides war theoretisch möglich und Reacher hat nichts zu seiner Verteidigung in der Hand.

Praktisch, dass er direkt auch inhaftiert wird … Doch er wäre nicht Jack Reacher, wenn er sich nicht auf den Weg machen würde, um seine Unschuld zu beweisen – und den Verbleib von Susan Turner aufzuklären! Schließlich ist er nicht umsonst über hunderte von Meilen mit einer zusammenklappbaren Zahnbürste in der Hosentasche getrampt, um die Frau hinter der rauchigen Stimme kennenzulernen. Blöd nur, dass die Verschwörung oder die Netzwerke hinter seinen Anklagen bis ins Pentagon reichen. Wer will Jack Reacher ausschalten?!

Die Kritik

Dieses Buch ist sowohl ein klassischer Reacher und doch so viel mehr: Denn es wird persönlich. Diesmal ist es kein Zufall, dass Reacher bei seiner Reise über sonderbare Vorfälle stolpert. Er wird aktiv damit konfrontiert und mit dem Rücken an die Wand gestellt. Damit ist nicht nur der Angriff sehr persönlicher Natur: So erfährt der Leser auf authentische Weise mehr über die sonst so zugeknöpfte und rätselhafte Hauptperson. Ein sehr kluger Kniff seitens des Autors, denn wie sonst hätte er dem Leser glaubwürdig innerhalb einer Geschichte diese Information zur Verfügung stellen sollen? Außerdem tut das treuen Reacher-Lesern geradezu richtig gut. Zwischenfazit also: Sehr cooler Handlungsansatz!

Ansonsten verhält sich das Buch wie ein klassischer Lee Child: Sehr rational, logisch aufgebaut, keine Sensationsgier. Damit beruft Child sich auf traditionelle Krimis, die wenig wert auf Forensik, shiny Technologie oder möglichst blutig zugerichtete Leichen legen. Er fokussiert sich auf die logische Lösung eines vorliegenden Problems. Diesen Lösungsschritten kann man sehr leicht folgen, was die Arbeit des Autors nur noch mehr auszeichnet.

Auch wie sonst gilt: Die Geschichte liest sich super flüssig. Wer also meint, abends „nur kurz ein Kapitelchen“ lesen zu wollen, wird die halbe Nacht damit zubringen wollen – versprochen!

Bettina Riedel (academicworld.net)

Lee Child. Die Gejagten (Jack Reacher).
blanvalet. 19,99 Euro.

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