Frühlingsromanzen

Wenn die Tage wärmer werden und die Blumen erblühen ist genau die richtige Zeit für Frühlingsgefühle. Wenn schon nicht aus erster Hand, dann zumindest zum Nachlesen. Doch was können die neuen Romanzen für dieses Frühjahr?

Frühlingsromanzen

Frau sucht Bauer

Angelika Schwarzhuber kehrt in ihrer zweiten Heimatromanze das erfolgreiche TV-Konzept kurzerhand einfach um. Will sagen: Frau sucht Bauer. Nach dem Tod der Oma sieht sich Hanna mit einer knallharten Klausel im Testament konfrontiert. Nur wenn sie innerhalb der nächsten drei Monate einen Mann mit landwirtschaftlicher Erfahrung ehelicht erbt sie Hof und Vermögen der Großmutter. Zumindest letzteres könnte sie gut gebrauchen, denn ihr Münchner Unternehmen, das Männern hilft das perfekte Geschenk für Frau, Geliebte oder Mutter zu finden, ist in finanzielle Schieflage geraten. Da würde Omas Erspartes natürlich helfen … aber wenn sich binnen der kurzen Frist kein geeigneter Kandidat findet, erbt Cousin Max und dem gönnt sie das schon mal gar nicht. Als Hanna denn kurzerhand nach dem ein oder anderen Glas Rumtopf zu viel eine Zeitungsannonce schaltet geht das Chaos erst richtig los.

Leider ist der regionale Charme des Erstlings “Liebesschmarrn und Erdbeerblues” diesmal ein wenig auf der Strecke geblieben. Die Ideen sind verrückt, die Charaktere charmant, aber die Geschichte kommt nicht über die ganze Länge in Schwung, auch wenn sie sich flott und flüssig durchliest.

Angelika Schwarzhuber. Hochzeitsstrudel und Zwetschgenglück
9,99 Euro. Blanvalet
 

Frühlingsromanzen

Frau sucht eine gute Partie

Kim Izzo hat versucht ein wenig den Frauenroman zur Krise zu verfassen. Fast allen Charakteren sitzen die Pleite und der soziale Abstieg im Nacken. Auch Hauptfigur Kate hat zu leiden. Nachdem ohnehin schon kein guter Kerl in Sicht ist geht auch noch der Job bei einer Frauenzeitschrift flöten, die geliebte Oma stirbt (scheint aktuell sehr beliebt zu sein …) und der 40. Geburtstag naht und die Ersparnisse sind dank der Bankenkrise mal eben halbiert worden. Als dann die ehemalige Chefin einen Auftrag als frei Mitarbeiterin anbietet: “Ich möchte, dass du einen großen, knackigen Artikel darüber schreibst, wie man im heutigen sozialen und wirtschaftlichen Klima reich heiratet”, sieht sie nur noch einen Ausweg. Der Artikel muss gelebt und nicht nur geschrieben werden. Zwischen Palm Beach, St. Moritz und London versucht sie dann dem anvisierten Ziel näherzukommen, nur um schließlich vor der Frage “Geld oder Liebe?” zu stehen.

Die titelgebende Jane Austen-Anspielung greift etwas hoch. Was wir hier haben ist eine locker leichte, leider reichlich vorhersehbare Strandlektüre.

Kim Izzo. Mr. Darcy bleibt zum Frühstück
8,99 Euro. Goldmann Verlag
 

Frühlingsromanzen

Frau sucht einen Ausweg

Liebesroman? Ja, schon, aber … “Ein ganzes halbes Jahr” ist eigentlich nicht unbedingt das, was sich die typische Leserin der Kategorie Frauenroman so vorstellt. Dazu sind die Probleme, die sich den Liebenden in den Weg stellen, dann einfach doch zu gravierend. Schließlich ist die Phrase es ginge um Leben oder Tod sonst oft eher eine metaphorische. Louisa Clark, genannt Lou, tritt seit Jahren auf der Stelle. Sie lebt in der Abstellkammer ihrer Eltern, arbeitet in einem Café und hat einen Freund, Patrick, der ihr eigentlich nicht wirklich wichtig ist – sie ihm aber auch nicht. Eigentlich tobt sie sich nur bei ihrem ausgefallenen Modegeschmack so richtig aus. Als sie ihren Job verliert, gerät das Gleichgewicht ihres Lebens ins Wanken. Da findet sie einen ungewöhnlichen neuen Arbeitsplatz. Sie soll sich für sechs Monate um Will kümmern. Der ist seit einem schweren Unfall gelähmt, kann nur den Kopf und ein ganz klein bisschen eine Hand bewegen. Das macht den vorher so aktiven Mann wahnsinnig. Er sehnt sich nach dem Tod und will bei Dignitas in der Schweiz die aktive Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Als Lou das herausfindet, will sie den gutaussehenden und sarkastischen Will nur noch irgendwie vom Weiterleben überzeugen. Bei ihren Versuchen verändert sich aber Lou fast stärker als Will. Die Geschichte der Annäherung dieser beiden so unterschiedlicher Charaktere ist bewegend und tiefgründig, dabei aber durchaus unterhaltsam geschrieben.

Jojo Moyes. Ein ganzes halbes Jahr
14,99 Euro. Rowohlt
 

Frühlingsromanzen

Mann sucht auch

Zu viel Frauenperspektive? Zu nichtssagend oder seicht? Kein Problem. Auch das klassisch orientierte Publikum kann bedient werden, etwa mit den wunderbar skurrilen, melancholischen Kurzgeschichten Tschechows zum Thema Liebe. Hier kommen nämlich auch die liebenden Männer nicht zu kurz. Dabei unter anderem “Die Dame mit dem Hündchen” – von Zeitgenossen wie Nachwelt hoch gelobte Erzählung einer wahrhaftigen Liebe im Geheimen. Überhaupt sind es in den Geschichten meist die geheimen und unmöglichen Beziehungen, die den wirklichen Menschen hervorbringen. Nur wenn die Sehnsucht groß genug ist, ist es auch die Liebe – zumindest bei Tschechow. Oder anders gesagt: Wenn wir endlich das haben, was wir uns lange gewünscht haben, möchten wir meist schon längst wieder etwas anderes. Auch davon erzählen diese Geschichten und  noch die kürzeste von ihnen ist vollgepackt mit amüsanten Momenten, Zerrissenheit und viel Gefühl. Also keine Angst vor den russischen Autoren. Es müssen nicht immer gleich Tolstoische Seitenausmaße sein.

Anton Tschechow. Die schönsten Liebesgeschichten
7,99 Euro. insel Taschenbuch
 

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