Freunde der Fantasy aufgepasst!

Adoulla ist alt, verbraucht und missmutig. Tatenlos zuschauen kann er aber nicht, wenn Ghule seine Nachbarschaft bedrohen und ein dunkler Zauberer aus der bösartigen Vergangenheit ins Licht tritt – um sich noch mehr schwarze Magie einzuverleiben und unbesiegbar zu werden.

Es beginnt wie immer: Ein mit Blut verschmierter Mensch steht vor Adoulla und weiß nicht recht, wie ihm geschehen ist. Doch Adoulla weiß bereits Bescheid: Ghule waren am Werk und haben Menschen getötet und ihre Herzen herausgerissen, wie Ghule das eben tun. Doch was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Diesmal wird alles anders. Dieses Mal trifft er auf eine Gestaltenwandlerin, die die Gestalt eines Löwen annehmen kann. Er trifft auf eine Horde von Knochenghulen, was eigentlich völlig unmöglich ist: Sie leben niemals in Rudeln und können schon gar nicht in so großer Zahl von einem simplen Magier geschaffen werden. Das stinkt enorm nach einem Sandsturm voll schwarzer Magie in Anmarsch. Wie stark der dunkle Magier ist, das bekommen Adoulla und sein Partner bei der Ghul-Jagd, der Derwisch Rasid, leider fast ein wenig zu spät heraus. Bis dahin werden die Straßen in rotem Blut getränkt, sagen zumindest Adoullas Albträume voraus und ein monströses Schakalwesen raubt ihnen Schlaf und Leben … 

Die Kritik

Eine faszinierende Art der Fantasy, die so nicht weit verbreitet ist. Es geht um eine vollkommen andere übernatürliche Wesensart. Hauptdarsteller sind keine Jugendlichen, die plötzlich herausfinden, dass sie etwas Apezielles sind. Und es ist arabische Fantasy. Herausgekommen ist ein Werk, dessen Hauptcharakter eigentlich keinen Nerv hat für seinen Job. Der mit Gott hadert, weil er genau weiß, dass nur er die Katastrophe aufhalten kann. Und er weiß, welche Opfer er bringen muss. Also reagiert er ab und an recht ungehalten, was für den Leser sehr unterhaltsam ist. Ein bisschen kann man es schon mit Kevin Hearnes „Die Chronik des eisernen Druiden“ vergleichen, dessen Hauptcharakter prinzipiell auch gerne in Ruhe gelassen werden würde. Inhaltlich aber nicht vergleichbar.

Toll gelungen ist die Bedrohung. Die ist brutal, hammerhart und von Anfang an da. Nur entdecken die Leser erst mit den Helden zusammen, was und wer dahinter steckt und auch das Endziel offenbart sich erst kurz vor knapp. Exzellente Spannungskurve und nichts, was versierte Fantasy-Leser in letzter Zeit geschmökert haben dürften! Dazu kommen die wichtigen Details: Am Ende hängt alles an dem Geheimnis des Kobrathrons. In anderen Worten: Die Menschen wissen nicht, welche Macht in einem simplen Regierungssitz steckt – bis jemand diese Macht für sich missbrauchen möchte. Das ist eine sehr kluge Metapher, wie ich finde.

Nicht ganz unerheblich ist der Umgang des Autors mit Religion und Gotteskriegern. Nichts anderes ist der Derwisch als junger Partner von Adoulla nun mal. Er zeichnet sein Bild als Mensch auf der Suche nach Orientierung und einem guten Weg, durchs Leben zu gehen. Der aber keineswegs fanatisch ist, sondern seinen Glauben einfach zu einer Basisregel für Lebensentscheidungen gemacht hat – wie die Christen mit ihren 10 Geboten auch. Insofern neben der tollen Spannungskurve eine gelungene politische Gratwanderung.

Fazit? Extrem empfehlenswert!

Bettina Riedel (academicworld.net)

Saladin Ahmed. Das Schwert der Dämmerung.
Heyne. 12,99 Euro.

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