Fluten der Vergangenheit

Nein, ein normales Mädchen ist Eureka nicht. Als Kind verbot ihre Mutter, jemals auch nur eine Träne zu weinen. Dann tötet eine unerklärliche Monsterwelle ihre Mutter. Eureka gerät selbst ins Strudeln und die erste Hand, die ihr helfen will, ist ein fremder Typ, der zu viel weiß.

Das Leben ist unfair. Diese Feststellung macht Eureka, als sich ihre Eltern trennen und der Vater zu seiner neuen Freundin zieht – die auch noch mit Zwillingen schwanger ist. Kurz darauf tötet eine mega Monsterwelle ihre Mutter, indem sie sie aus dem Auto auf der Brücke spült und mit sich ins Meer nimmt. Eureka ist am Boden zerstört und will sogar Selbstmord begehen. Zum Glück gelingt er ihr nicht. Das eine, das sie bei all der Tragik nicht macht – ist weinen. Das hat ihre Mutter ihr als Kind verboten.

What up, B*tch?

Tief traumatisiert begegnet sie Ander. Der Typ taucht plötzlich überall auf, weiß zu viel und tut doch so, als wäre er unbeteiligt. Dass die beiden sich gegenseitig ziemlich anziehen, hilft der Sache jetzt auch nicht unbedingt weiter. Vor allem Brooks, Eurekas bester Kumpel, dreht so langsam völlig am Rad. Nicht vor Eifersucht, irgendwie scheint sich seine Persönlichkeit zu ändern – ins Böse. Was ist hier nur los? Dann tauchen auch noch mehrere Fremde auf, die Ander zu kennen scheinen, ihn aber nicht mögen. Dafür wollen sie Eureka ans Leder, die mittlerweile einigermaßen fassungslos im Chaos steht. 

Eine Flut wird kommen!

In all diesen Wirrungen ist es Eureka und ihrer besten Freundin Cat überlassen, das rätselhafte Erbe ihrer Mutter zu entschlüsseln. Ein Medaillon, das sich nicht öffnen lässt und ein Buch, dessen Schrift so alt ist, dass niemand sie kennt. Bis auf eine Wahrsagerin, die kurz darauf bestialisch ermordet wird. Ein unglaublich fantastisches Wettrennen beginnt und erst am Ende realisiert Eureka, worum es wirklich geht. 

Die Kritik

(Achtung, mini-Spoileralert – aber es muss einfach sein.) Das Grundkonzept ist ein äußerst interessantes und vor allem eines, das vollkommen frei von Vampiren, Engeln oder Werwölfen ist. Neu ist es nicht, schließlich beruft es sich auf eine der wohl ältesten Legenden, die die Menschen bis heute bewegen: Atlantis. Aber das Setting ist neu interpretiert und das Ende der Legende etwas umgeschrieben – gute gemachte Angelegenheit! Die Autorin etabliert außerdem nicht nur diesen Hintergrund, sondern spielt mit den Details: Die Ähnlichkeit der Namen von anno dazumal und der Gegenwart, oder auch, dass die weibliche Heldin nun mal „Eureka“ heißt. Daraus leitet sich eine große Frage ab: Wird sie auch ein Eureka herbeiführen? 

Es gibt also nicht nur eine abwechslungsreiche Erzählung rund um eine Heldin, die erst mal noch gar keine ist, sondern ziemlich sauer auf die Welt – es gibt auch einen mythischen Hintergrund und eine größere Bedeutung, die sich wie eine Luftblase rund um die Handlung legen. Ein ziemlich attraktives Gesamtpaket!

Das Minimanko liegt in der Umsetzung vom Buch in der Vorstellung – wie schwimmt man in einer Luftblase? Das ist dann doch etwas weit her geholt. Das Ende kommt etwas schnell und fällt der Heldin ein klitzekleines bisschen zu leicht. Trotzdem hat man nicht das Gefühl, hier über’s Ohr gehauen zu werden, denn der Gesamteindruck bleibt: eine interessante und abgerundete Erzählung mit einem großen „Quo Vadis“ nach der letzten Seite.

 

Bettin Riedel (academicworld.net)

Tear Drop. Lauren Kate. Fest gebunden.
cbt Verlag. 17,99 Euro.

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