Erfahrungsbericht aus dem Selfpublishing

Jeder kann ein Buch veröffentlichen? Technisch sicherlich, dafür sorgen Plattformen wie neobooks oder tolino media. Wir haben uns mit der Nachwuchsautorin E. T. Byrnes (Pseudonym) unterhalten und sie gefragt, warum sie diesen Weg für sich eingeschlagen hat.

Hi … wie sprechen wir dich am besten an?

Gerne mit Bettina, der Name E.T. Byrnes ist nur ein weiches Pseudonym. Idealerweise weibliche Pronomen, danke!

Na dann: Bettina, erst einmal herzlichen Glückwunsch zur ersten Veröffentlichung in 2015!
Vielen Dank – auch wenn es erst mal ‚nur‘ ein E-Book ist.

Ist das weniger wert?
Nein, auf keinen Fall. Aber viele der Arbeitsschritte liegen in meiner Hand und nicht extern bei einem Verlag, wie es bei klassischen Verlagspublikationen der Fall ist. Also war es einfach meine Entscheidung, dass das Buch nun so veröffentlicht wird und musste nicht die ganzen Prozesse eines professionellen Verlags durchlaufen.

Direkt gefragt: Hast du keinen gefunden?
Von den zehn, die ich vor vier Monaten angeschrieben habe, hat sich nur einer mit einer Absage gemeldet. Der Rest schweigt bisher, also nein. Da war die Frage: Länger warten oder selbst aktiv werden? Der Selbstzweifel kommt dann natürlich auch und man wundert sich, ob das Buch vielleicht einfach so schlecht ist. Andererseits gab es damals gefühlt sehr wenige deutsche Fantasyautor:innen, die in Verlagen veröffentlichen konnten. Irgendwann habe ich mich aber getraut und mich mit dem Thema Selfpublishing beschäftigt.

Selfie der Autor:in E.T. Byrnes

Was meinst du damit?
Schaut euch mal im Buchladen eurer Wahl um: Im Bereich Fantasy sind es oftmals Werke, die im Original im Ausland erschienen sind. Nichts gegen diese Autoren, ich lese sie selbst sehr gern! Es ist nur auffällig.

Zusatz aus dem Januar 2021: Das hat sich in den letzten Jahren enorm verbessert. Trotzdem bin ich weiterhin im Selfpublishing unterwegs und damit sehr zufrieden. Der Kuchenjob, wie es im Jargon so schön heißt, geht vor und damit sind meine zeitlichen Kapazitäten für neue Bücher immer sehr knapp bemessen. 

Ist der Markt denn mittlerweile groß genug, um darauf mit Selfpublishing Geld zu verdienen?
Ersteres weiß ich nicht, den Markt habe ich nicht im Detail analysiert und der Verdienst ist unter anderem vom Preis des Buchs abhängig. Je höher der ist, umso höher der Anteil für den Autor. Bei neobooks bleiben im Endeffekt bleiben nur rund 34 Prozent vom Verkaufspreis. Bei tolino media ist der ausgezahlte Anteil größer. Das liegt meines Erachtens daran, dass dahinter der Buchhandel selbst steckt, wohingegen es bei neobooks Verlage waren, die den Buchhandel als zusätzliche Instanz dazwischen geschaltet haben – und natürlich verdient jede zusätzliche Instanz an einem Verkauf mit. Von diesem Verdienst gehen nun allerdings noch Steuern und Co ab, das darf man nicht vergessen. Also ja, man kann mit Selfpublishing Geld verdienen, die Frage ist nur: Wie viel und reicht das fürs Leben?

Du hast dein erstes Buch also bei neobooks eingestellt und dann…?
… erstellten diese das E-Book und lieferten es an den Handel aus. Man braucht also vorher Cover und allerlei Infos, beispielsweise den Klappentext und ehrlich gesagt: Ein gutes Exposé, das hilft sehr. Anschließend musste ich mit meiner eigenen Marketingstrategie aktiv werden. Das Budget eines Verlags kann ich nicht in Anspruch nehmen, also lag und liegt der Fokus auf Online: Was lässt sich leicht und kostenfrei umsetzen und bietet immer einen direkten Link auf eine Bezugsquelle? Erst bei den folgenden Büchern habe ich etwas Geld dafür in die Hand genommen.

Das dritte Buch der Autorin dreht sich um eine irische Hexe, die Hals über Kopf in ein magisches Abenteuer stolpert.

Klingt nach viel Planung Arbeit neben der Arbeit. Lohnt es sich trotzdem?
Das werde ich sehen. Ich bin keine hauptberufliche Autorin, daher habe ich keinen großen Druck. Traumhaft wäre es natürlich schon!

Worum geht es denn eigentlich bei deinem ersten Buch?
Annabelle ist ein 20-something mit einem bewegten Leben hinter sich: In einer alten Familie geboren, Scheidungskind, eine ausgiebige Drogenphase als Teenager und jede Menge psychische Anfälle. Als ihr Vater neu heiratet, holt dessen neue Frau, Paige, seine Tochter zurück auf den Landsitz. Dort versucht Annabelle, sich zu arrangieren. Aber ihre dunklen und blutigen Visionen hören einfach nicht auf. Dann taucht ein geheimnisvoller Mann auf, der in Paige eine Gleichgesinnte findet: Die beiden wissen, dass so viel mehr hinter Annabelles Anfällen steckt! … und mehr verrate ich nicht.

Warum hast du mit dem Schreiben angefangen?
Angefangen hat es mit Bildern im Kopf. Träumen, so könnte man es auch sagen. Als Kind habe ich mir abends immer eine kleine Geschichte ausgedacht, direkt vor dem Schlafen gehen – damit ich im Schlaf ein Abenteuer ganz nach meinem Geschmack erleben konnte. Lacht nicht, das hat wirklich funktioniert! Nach dem Master hatten die Gedanken endlich wieder die Möglichkeit, total bunt und unternehmungslustig durch mein Kopfgewölbe zu springen. Trotzdem hat es noch drei Jahre und wahnsinnig intensive Korrekturläufe gebraucht, bis das ebook bei neobooks erschienen ist. Mittlerweile ist dieses Buch nicht mehr verfügbar, aber ich habe ja neue geschrieben. (lacht)

Du hast selbst schon Bücher rezensiert und kritisiert. Jetzt, Stand 2015, wechselst du die Seiten – was glaubst du, erwartet dich?
An sich kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass Feuerseele genau so geworden ist, wie ich es mir vorgestellt habe. Ob die Leser:innen das genauso sehen? Ich weiß es wirklich nicht. Deswegen bin ich auf Rezensionen sehr gespannt. Es gibt unendlich viele Arten, wie man einen geschriebenen Satz auffassen kann – ich erzähle also zwar eine Geschichte, aber es kommt für jede:n Leser:in etwas anderes an. Kritiken und Urteile sind also sehr persönlich. Wenn jemandem jetzt aber natürlich ein großer inhaltlicher Fehler auffällt, würde ich das definitiv aufmerksam durcharbeiten und für das nächste Buch berücksichtigen.

Dein kreativer Prozess hat drei Jahre gedauert. Wie hast du deine Motivation auf einem hohen Level gehalten?
Sehr geholfen hat mir mein Redaktions-Volontariat. Es ist tatsächlich etwas ganz anderes, wenn man verschiedene Schreibarten aktiv erlernt und täglich anwendet. Dazu die absolute Hauptregel von Robert McKee, die Anna Mocikat (Autorin von MUC) mir in einem Interview mal verraten hat: Nothing Moves Forward Without Conflict. Deswegen gibt es mehr als nur eine Wand, gegen die meine Annabelle bei ihrem Überlebenskampf rennt. Mit Volldampf, selbstverständlich. Nur die Harten … Ähnlich geht es in den weiteren Büchern. das neueste ist übrigens der Zauber einer alten Welt – die Protektorin. Es ist ein Band 1 und dreht sich um eine irische Hexe, die mit Mitte 20 auf die magische Welt aufmerksam wird, weil ihre Tante entführt wurde. Ihre eigene Magie war bisher blockiert, also stolpert sie in das Abenteuer ihres Lebens!

Das nächste Buch? (Antwort Stand 2017)
Klar, mein Weg ist noch nicht zu Ende, hoffe ich zumindest! (lacht). Feuerseele ist eine in sich geschlossene Geschichte, aber die nächste Idee liegt schon vor. Die wird eher dystopisch… Keine Sorge, wie bei Feuerseele auch versuche ich, einen vollkommen anderen Hintergrund und eine anderen Plot einzuarbeiten als die gängigen Dystopien. Copy Cat sein ist nicht mein Ziel.

Das Gespräch führte Alena Hegedüs. Stand: Winter 2020, 2 mal editiert.


E. T. Byrnes, Das Wissen der Welt
Im Juli 2017 erschien das zweite Buch der Münchner Autorin: „Das Wissen der Welt“ ist als eBook und Print-on-Demand in allen gängigen Buchhandlungen erhältlich/ bestellbar.
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