Endpunkte

Manchmal kann es schon ziemlich nervig sein, wenn man am Ende eines tollen Buches feststellt, dass man sich mal wieder in eine Trilogie (oder schlimmeres) hineingelesen hat. Und der nächste Band ist vielleicht noch Jahre entfernt. Alternativ kann man das Pferd natürlich immer auch von hinten aufzäumen. Die beiden Bücher „Das Buch der Nacht“ und „Extradunkel“ setzten den Schluss hinter eine jeweils sehr spannende und individuelle Trilogie. Der perfekte Zeitpunkt also für Ungeduldige, um sich festzulesen.

Endpunkte

Hexen, Vampire und andere Schicksalsschläge

Deborah Harkness hat mit dem Buch der Nacht ihre „All Souls Trilogie“ zu einem würdigen Ende gebracht. Nachdem Wissenschaftlerin und Hexe Diana Bishop im modernen Oxford die Liebe ihres Lebens, den Vampir Matthew Clairmont kennengelernt hatte war ihr ruhiges Leben mehr und mehr aus den Fugen geraten. Ungeahnte Mächte entfalten sich in ihr, Vampire, Hexen und Dämonen versuchen die Liaison der beiden zu unterbinden, die doch seit Jahrhunderten vorbestimmt zu sein scheint. In Band drei müssen sich die beiden nach einem Abstecher ins elisabethanische England wieder den Gefahren der Gegenwart stellen und das Geheimnis des verschollenen Manuskripts Ashmole 782 lösen – am besten bevor Diana ihre Kinder zur Welt bringt. Und der ein oder andere Familienzwist lässt sich in einer riesigen und wild verzweigten Jahrhundertealten Vampirsippschaft ohnehin nicht vermeiden.

Freude und Leid, Macht und Machtlosigkeit, Leben und Tod – zum Abschluss der Trilogie werden noch einem die ganz schweren Geschütze aufgefahren. Der Fluss der Geschichte nimmt noch einmal rasant an Fahrt zu. Für alle, die sich schon immer gefragt haben, wie stetig wachsende Vampirfamilien es schaffen sich nicht an den Kragen zu gehen – oder zumindest nicht immer – liefert Harkness hier eine epische übernatürliche Familiensaga. Nur die Liebesgeschichte könnte manchmal ein bisschen weniger überdimensioniert sein. Dafür gibt es unendlich viele faszinierende Nebenfiguren und viel Ortskenntnis und historische Akkuratesse.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Deborah Harkness. Das Buch der Nacht.
19,99 Euro. Blanvalet.

Endpunkte

Schokolade für alle 

Im New York von 2083 sind Dinge wie Wasser und Papier knapp, Kaffee und Schokolade illegal – die Gesundheitslobby hat das vor Jahren durchgesetzt. Was natürlich nicht heißt, dass man die begehrten Güter nicht bekommen könnte – die Prohibition lässt grüßen. Regelrechte Mafiaclans haben sich um die Schokoladendistribution gebildet und sie leben gefährlich. Davon weiß Anya Balanchine ein Lied zu singen. Beide Eltern sind dem illegalen Familiengeschäft zum Opfer gefallen und als auch noch die Großmutter im Sterben liegt muss Anya mit 16 Jahren die Verantwortung für sich und ihre Geschwister übernehmen. Doch der „Familien“-krieg und ihre Beziehung zu Win, dem Sohn des stellvertretenden Oberstaatsanwalts werfen ihr immer wieder Knüppel zwischen die Beine. Im Laufe der Schokoladen-Trilogie müssen sowohl Anya, als auch ihr Bruder Leo zwischenzeitlich ins Ausland fliehen, Anya muss mehrfach Zeit in der Jugendstrafanstalt verbringen – ungerechtfertigterweise und doch kommt sie nie ganz los vom Geschäft mit der Schokolade. Im abschließenden Band versucht sich die mittlerweile immerhin volljährige Anya als Nachtclubbesitzerin. In der „Dunkelkammer“ wird Kakao auf Rezept als Heilgetränk angeboten – eine rechtliche Grauzone, die Anya zusammen mit Wins Vater, ihrem ehemaligen Erzfeind auslotet. Doch der Erfolg lockt neue und alte Feinde an und außerdem musste Anya Wins Liebe dafür opfern.

Eine spannende Mischung aus Mafia-Krimi, Liebesgeschichte, Dystopie und Coming of Age-Story – ausgerichtet zwar auf ein jugendliches Publikum, aber mit soviel Detailreichtum und Charaktertiefe erzählt, dass auch ein älteres Publikum seinen Spaß daran haben kann. Allerdings ist der dritte Band leider mit Abstand der schwächste und scheint vor allem in der zweiten Hälfte vor allem seine Handlungsfäden auserzählen zu wollen, statt noch einmal eine wirklich runde Geschichte zu liefern.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Gabrielle Zevin. Extradunkel.
16,99 Euro. FJB Fischer Jugendbuch.

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