Eine Welt voller Parallelwelten

Irene ist Bibliothekarin und ist immer auf der Jagd nach seltenen Büchern – in Parallelwelten der unsrigen Realität. Bei einem vermutlichen Routineeinsatz wird sie widerwillig in eine lokale Mordermittlung reingezogen – und daraufhin selbst zur Gejagten.

Wieder einmal (Nein, keine Serie) begibt sich Irene in eine der vielen Parallelwelten. Ihr Reisemittel ist die Bibliothek, für die sie tätig ist, denn sie gewährt den Zugang zu diesen anderen Welten. Ihre Vorgesetzte stellt ihr den jungen Kai an die Seite – ein wenig attraktiv ist er schon, vor allem aber geheimnisvoll. Er stammt aus einer anderen Welt und wurde für die Bilbiothek zwangsrekrutiert. Außerdem besitzt er Familie, was ein normaler Bibliothekar nicht von sich behaupten kann. Oder darf? Denn obwohl die Bibliothek scheinbar zu den Guten gehört, ist sie definitiv kein un beschriebenes Blatt, wenn es um Intrigen geht. Einst nämlich riss ein Bibliothekar aus und wurde zu einem Abtrünnigen, der Jagd auf seine ehemalige Kollegen macht. Ihre Rest schickt er per Organtransport in die Bibliothek zurück. Wie gut, dass er jetzt mitten in der Mordermittlung auftaucht: Der Besitzer des Buchs, das Irene erwerben oder stehlen wollte, wurde kurzerhand umgebracht. Stecken die Elfen dahinter, die das Chaos, also die schlechte Energie in jede Welt tragen wollen? Steckt der Abtrünnige, genannt Alberich, mit den Elfen unter einer Decke? Es gibt einen Anschlag auf Kai und Irene nach dem Anderen und das Buch ist immer noch nicht in Sicht …

Die Kritik

Es ist eine vollkommen neue Welt, in die die Autorin ihre Leser entführt. Das beginnt schon mal damit, dass sie ihrer Protagonistin einen vergleichsweise unüblichen, wenn nicht schon unattraktiven Namen gibt: Irene. Es gibt eine Bibliothek, die Zugänge zu Parallelwelten birgt. Diese entsprechen der unsrigen Welt, nur haben sie sich einfach anders entwickelt. Das bietet viel Potenzial für eine imaginäre Welt voller Facetten, die abwechslungsreich sind und unterhalten. Genau das nutzt die Autorin und hat damit ein Buch geschaffen, das es so einfach mal in der Welt der Fantasy bisher nicht gibt.

Ein wenig irritierend ist, dass der Name der Bibliothek, der auch Bibliothek lautet, immer in Fett gedruckt ist. Genauso wie die Befehle in „der Sprache“, die man getrost als die Sprache der Macht oder Magie bezeichnen kann – denn die Befehle wirken wie Zaubersprüche.  Als Wiedergutmachung gibt die Autorin ihren Lesern einen Drachen – der menschliche Form annehmen kann und mit der Protagonistin ein Liebesverhältnis beginnen möchte. Wenn das mal nicht faszinierend ist … 😉 Beim Ende darf der Leser ganz viel mitvermuten: Denn es geht plötzlich um ein besonderes Kind, hinter dem Alberich her ist. Keine Sorge, damit wurde nicht zu viel verraten. Ist Irene etwa dieses besondere Kind? Vielleicht lässt sich das in einem zweiten Band herausfinden.

Die Geschichte verfolgt, obschon ein Mord mit im Zentrum steht, eine relativ gewaltfreie Linie. Es ist also keine epische Fantasy, in der am Ende seitenlang über Kampfaufstellungen schwadroniert wird. Einen Höhepunkt gibt es wohl, genauso wie Liebe, Verrat und außerdem ist es mal wieder ein Buch, das um Bücher geht – die wahre Liebe vieler. Wichtig war mir außerdem, dass auch die Bibliothek, obschon als ultimativ gut dargestellt, das natürlich nicht erfüllen kann – und manchmal heftige Kritik einstecken muss. Warum beispielsweise Bücher aus anderen Parallelwelten gemoppst werden, wenn dieser Vorgang die Bibliothek an diese Welt kettet. Kommt irgendwann ein Masterplan, bei dem alle Parallelwelten über die Bibliothek erobert werden sollen?

Fazit: Ruhige Fantasy in einer neuen Welt mit feinem Humor und vielen Gedankenspielereien statt Hau-Drauf-Romantik. Muss man mögen und in meinem Fall war das so!

Bettina Riedel (academicworld.net)

Genevieve Cogman. Die unsichtbare Bibliothek.
Bastei Lübbe. 14,99 Euro.

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