Eine Brücke als Damoklesschwert

Ein Kontinent in Aufruhr: Die Mondflut naht und damit der Beginn des dritten Kriegszugs. Drei Schicksale werden über diesen Ausgang entscheiden – doch deren Leben verläuft aktuell eher holprig.

Achtung, potenzieller Spoiler! Bei „Der Ende des Friedens“ handelt es sich um Band zwei von „Die Brücke der Gezeiten“.

Urte, die auf zwei Kontinente aufgeteilte Welt. Die Zeit bis zur Mondflut vergeht unerbittlich und die Schicksale drehen und wenden sich genauso unerbittlich: Ramita entwickelt eine gewisse Zuneigung zu Antonin Meiros, Erbauer der Brücke und nun ihr Ehemann. Sie soll von ihm so schnell wie möglich schwanger werden. Doch was ist mit Kazim, ihrer Liebe aus der Heimat? Der taucht plötzlich in der Stadt auf, schließt sich dem heiligen Krieg an und will Ramita retten – indem er Meiros tötet.

Ein Karusell!

Elena weiß nicht mehr wohin vor lauter Stress. Die Regierung rund um Cera verlangt ständig nach Aufmerksamkeit. Dabei verhält sich ihr einstiger Schützling immer befremdlicher – hat Gurvon seine Finger im Spiel? Elena weiß nur eines: Wenn Cera ihr entgleitet, ist das Tor zur Hölle weit geöffnet.

Alaron Merser tut sich immer noch schwer damit, keinen Abschluss vom Arkanum erhalten zu haben. Doch seine Freunde halten zu ihm und bald machen die drei eine Entdeckung von enormer Wichtigkeit: Sie wissen, wer die Skytale entwendet und versteckt hat. Außerdem: WO sie versteckt sein könnte. Der lokalen Politik fallen die drei Nachwuchsmagier auf. Das hat zur Folge, dass sie penibel beobachtet und verfolgt werden. Natürlich will Belonius Vult die Skytale für sich, denn nur mit ihr kann ein Magus in die Aszendenz erhoben werden.

Die Kritik

Am Anfang merkt man durchaus, dass der englische Originalband einfach auf zwei deutsche Bände verteilt wurde. Man steigt nicht in medias res ein, sondern wird hineinkatapultiert. Wer nicht direkt davor den ersten band gelesen hat, wird ein paar Seiten brauchen, um sich wieder hineinzufinden. Das geht dank flüssigem Schreibstil und eingestreuten Erinnerungen dann aber recht fix.

Der Leser hat das Gefühl, den Figuren dabei zusehen zu müssen, wie sie ins Verderben laufen. Am Ende tun das auch nicht wenige – und die Schlacht hat noch nicht einmal begonnen. David Hair erweist sich als ein erbarmungsloser Autor. Er ist zwar kein zweiter George R.R. Martin, aber zimperlich ist er nun wirklich nicht. Natürlich hängt die Mondflut über allem und jedem.

Dabei sollen die drei Hauptcharaktere entscheidende Rollen spielen. Am Anfang des Buchs ist noch nicht klar, wie das bei der gegenwärtigen Situation funktionieren soll. Mit jeder weiteren gelesenen Seite offenbart sich der Zusammenhang ein bisschen mehr. das bringt eine ganz eigene Spannung in die Zeilen, denn mittlerweile will der Leser unbedingt wissen, wohin die Reise gehen könnte.

Spannung bis zuletzt

Während des Endes fügt er aus dem Nichts glaubwürdige Wendungen ein, die der Erzählung eine ganz andere Richtung geben und außerdem auch eine neue Tiefe. Dazu muss man manchmal gar nicht bis ganz unten in die Trickkiste greifen: Wie sehr ein Verwandtschaftsverhältnis einfach alles ändern kann, lest ihr in „Die Brücke der Gezeiten, am Ende des Friedens“. Sehr gute Fortsetzung eines vorher schon gelungenen Auftakts!

Band 3 erscheint aller Voraussicht nach im Juni 2015.

Bettina Riedel (academicworld.net)

David Hair. Die Brücke der Gezeiten: Am Ende des Friedens.
penhaligon. 15,00 Euro.

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