Ein besonderes Abenteuer

Band 1 – Die Insel der Besonderen Kinder – von Ransom Riggs wurde bereits verfilmt. Nun folgen Band 2 und 3 in Buchform, die die Trilogie komplettieren. Können die das Qualitätsversprechen aus Band 1 halten? Denn mittlerweile sind Jacob und seine Freunde unterwegs nach London und die Geschichte wird immer verzwickter …

Band 2: Die Stadt der besonderen Kinder

Achtung, bei dieser Rezension geht es bereits um Band 2 und 3 der Trilogie rund um die besonderen Kinder von Ransom Riggs.Am Ende von Band 1, die Insel der besonderen Kinder, schafften diese es unter der Führung von Jacob und Emma gerade noch, die Insel mit einigen wenigen Habseligkeiten zu verlassen. Ihre Ymbryne haben sie in Gestalt eines Vogels noch vor den Wights retten können – doch sie kann sich nicht mehr zurück verwandeln! Wenn es ihr innerhalb der nächsten drei Tage nicht gelingt, bleibt sie für immer ein Tier.

Deswegen machen Jacob und die übrigen besonderen Kinder sich auf den Weg nach London, wo sie sich von einer anderen Ymbryne Hilfe erwarten. Auf dieser Reise stoßen sie nicht nur auf weitere Wights, sondern auch Zigeuner, andere Besondere und eine Menagerie sprechender Tiere. Deren Ymbryne vermuten diese ebenfalls in London – was ihrer Reise umso wichtiger macht. Dort angekommen erwartet sie der Krieg, denn sie halkten sich immer noch im Jahre 1940 auf. Aus ihrer kleinen Reise wird ein enormes Abenteuer, bei dem es am Ende um Leben und Tod geht …

Band 3: Die Bibliothek der besonderen Kinder

Hier beginnt nun die Inhaltsangabe für Band 3! Ich bemühe mich um Spoilerfreiheit, aber irgendwas muss ich euch ja erzählen 😉

London war ein hartes Pflaster für die besonderen Kinder – vor allem, weil Jacob und Emma jetzt ganz auf sich allein gestellt sind. Alle Spuren, denen sie folgen, führen zu einem teuflischen Ort: Devil’s Acre, das Teufelsacker bei London. Es ist eine Zeitschleife, die als Gefängnis entstanden ist. Darin ist das Elend riesig, denn bei der Entstehung wurden auch Zivilisten gefangen! Es gibt niemandem, dem sie vertrauen können, denn selbst die, die ihnen helfen, sind ja nicht ohne Grund dort gelandet … Bald stellen sie fest, dass die Wights den großteil der besonderen Kinder gar nicht sofort den Hollows überlassen haben – sondern sie hierher entführt haben. Ihre Festung ist gut bewacht und Jacob und Emma müssen viele Risiken eingehen, um einen Rettungsversuch zu starten. Doch damit nicht genug: Was ist dieses Abaton? Angeblich soll es eine Seelenbibliothek sein, um die viele Geschichten, Gerüchte und Sagen kreisen. Einer der Wights möchte sie unbedingt finden, denn mit ihr möchte er sich zum Weltenbeherrscher aufschwingen – und dazu braucht er außerdem Jacob …

Die Kritik

Band 2 und 3 setzen die Geschichte jeweils absolut nahtlos fort. Wer sich zwischen den Büchern also etwas Zeit gelassen hat, darf ruhig noch einmal kurz die Nase in den Vorgänger stecken. Dann allerdings seit ihr im Folgeband sofort wieder mitten drin in der Geschichte und müsst euch nicht erst einfinden – ein absolutes Qualitätsmerkmal der gesamten Trilogie!

Allmählich schimmert durch, dass vielleicht auch die heißgeliebten Vogel-Damen nicht die weißesten aller Unschuldswesten tragen. Das bringt der Geschichte mehr Tiefe und Bedeutung und macht sie um Längen interessanter. Denn offenbar haben die „Guten“ bereitwillig in Kauf genommen, dass unschuldige Menschen mit in den Gefängnisschleifen festhängen. Nicht zu vergessen der Umstand, dass die besonderen Kinder für immer Kinder sein werden und nie die Freuden des Erwachsenenlebens kennenlernen werden – eine Art Freiheitsberaubung, die es nicht mal bei Peter Pan gab. Bei „Die besonderen KLinder“ handelt es sich also nicht nur um leichte Belletristik, denn wer mag, kann sich hier auch größeren Fragen des Lebens widmen.

Was mir auch gefällt: Dass Riggs seinen Charakteren einen realistischen Zug verleiht. Denn wir Menschen neigen einfach dazu, andere auszugrenzen. Anstatt dass Letztere sich aber hüten, den gleichen Fehler zu begehen, verfallen sie oftmals in ähnliche Verhaltensmuster. Soll heißen: Die besonderen Kinder sind Ausgestoßene, doch selbst sie sind nicht so gut, dass sie das Gleiche nicht mit anderen Kindern / Menschen machen würden. Außerdem verhalten sich die Kinder im Buch auch tatsächlich wie Kinder – manchmal sehr hart, unfair, nicht rational. So, wie Kinder eben sind. Das sorgt für ein gewisses Quäntchen Disharmonie unter den Charaktern – eine echte Wohltat für Leser, weil eben nicht alles super shiny gut ist auf der Seite der „Guten“. Es gibt keine moralapostelischen Helden.

Auch wie bei Band 1 gibt es ein großes Plus dafür, dass sämtliche Bilder im Buch echt sind – auch wenn sie nicht mehr alle nur Besondere zeigen, so passen sie doch alle perfekt an die Stelle, wo sie platziert wurden. Dass Band 2 und 3 ebenfalls über bunte Elemente im Buch verfügen, fällt auch positiv auf. Das Äußerliche der Trilogie wurde also sehr detailverliebt gestaltet.

Das Fazit: Band 2 ist eine spannende Erzählungskurve auf dem Weg zu einem fulminanten dritten Teil! Die gesamte Reihe ist für mich ein Anwärter auf meine persönliche Top-Story 2016.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Ransom Riggs. Droemer-Knaur.

Die Stadt der besonderen Kinder. Fest gebunden: 16,99 Euro.
Die Bibliothek der besonderen Kinder. Taschenbuch: 14,99 Euro.

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