Durchhänger der Leibwächterin-Trilogie

Hinter dem nebulösen Titel verbirgt sich der zweite Band der geplanten Trilogie um die finnische Leibwächterin Hilja, die in dem Mittelstück der Trilogie bilateral unterwegs ist. Zwischen Italien und Finnland macht sie sich auf die Suche nach ihrem Geliebten und ihrer eigenen Vergangenheit.

Durchhänger der Leibwächterin-Trilogie

Von Italien nach Finnland

Hilja ist mit David Stahl liiert. Bei diesem handelt es sich um einen Europol-Agenten, der sich hinter zahlreichen falschen Identitäten verschanzen muss, da ihm mächtige Gegner nach dem Leben trachten. Nachdem er im Vorgängerroman an der Sprengung einer Yacht in der Nordsee beteiligt war, muss er nun in Italien, genauer gesagt in Montemassi inmitten der Toskana, unterkommen. Dort besucht ihn Hilja ehe David nach einer Nacht ohne Spuren verschwunden ist. Stattdessen liegt ein Toter in der Wohnung und David scheint nicht der zu sein, der er zu sein vorgibt. Hilja ist in der Folge gezwungen, die Geheimnisse des Verschwundenen zu ergründen und lernt sich dabei auch immer besser kennen.

Spannende Idee, lahme Umsetzung

Der Plot von “Der Löwe der Gerechtigkeit” ist zugegeben nicht schlecht. Seit dem Film “The Bodyguard” mit Kevin Costner umweht den Beruf des Personenschützers immer eine Aura der Gefährlichkeit und Verlockung. Wer allerdings auf packende Beschreibung des Lebens eines Bodyguards hofft, der wird in diesem Buch durchweg enttäuscht werden. Abgesehen von der Tatsache, dass eine in New York geschulte Personenschützerin wahrscheinlich niemals so dilettantisch agieren würde, wie es Hilja in diesem Buch tut, ist ihre Aktivität in “Der Löwe der Gerechtigkeit” geradezu lächerlich. Statt den Spuren Davids nachzugehen ist sie meist damit beschäftigt, im Restaurant einer befreundeten Sterneköchin deren “Personenschutz” zu organisieren – meist nimmt sie aber Bestellungen auf und ist Springer zwischen Küche und Restaurant. Dies ist wahrlich nicht das, was ich von einem Thriller (so die vollmundige Ankündigung auf dem Cover) erwarte.

Verschenktes Potential

Es ist kein Geheimnis, dass die Mittelteile von Trilogien zumeist die schwächsten Parts sind – “Der Löwe der Gerechtigkeit” ist da keine Ausnahme. Sind die ersten 60 Seiten – sie sind der Auftakt in Italien – noch dicht und spannend geraten, nimmt das Tempo und die Spannungskurve in der Folge kontinuierlich ab. Dies ist sehr schade, da Leena Lehtolainen so viel Potential verschenkt. Was ein spannender und vielversprechender Roman über Identitäten und die Flucht vor ihnen hätte werden können, ist im Endeffekt ein Schmalspur-Krimi mit einer Heldin geworden, die nicht unbedingt die Sympathien oder das Mitgefühl des Lesers wecken kann.

So bleibt nur die Hoffnung, dass der Abschluss der Leibwächterin-Trilogie wieder den Durchhänger von “Der Löwe der Gerechtigkeit” wett machen kann und etwas bietet, das dieses Buch vermissen lässt – nämlich Spannung.

Marius Müller (academicworld.net-User)

Leena Lehtolainens. Der Löwe der Gerechtigkeit
19,95 Euro. Kindler

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