Die Welt in einem Buch

Einst schuf ein Magier eine Brücke zwischen zwei verfeindeten Kontinenten. Nur alle zwölf Jahre erhebt sie sich aus den Fluten des Ozeans, der die Kontinente trennt. Doch die Menschen nutzten sie bisher nur für kriegerische Zwecke – und die zwölf Jahre sind bald wieder abgelaufen …

Zwei Kontinente  gibt es in der Welt Urte – Yuros und Antiopia. Eigentlich gab es hier niemals magische Kräfte – bis etwa 500 Jahre vor heute eine kleine Sekte in Yuros mit enormen Kräften ausgestattet wird. Doch warum & wieso? Das weiß niemand. Erst recht auch nicht, von wem.

Einer dieser Magier erschafft eine Brücke zwischen den Kontinenten – die Mondflutbrücke. Alle zwölf Jahre erhebt sie sich aus dem Ozean und verbindet sie. Doch anstatt diese kurzzeitige Möglichkeit für friedlichen Austausch und gemeinsamer Zeit zu nutzen, überfällt die eine Nation die andere mit voller kriegerischer Macht. Zweimal schon hat Yuros seine Armeen von Kriegern und Magiern über die Brücke geführt, um das Nachbarreich zu unterwerfen. Auch in der dritten Schlacht werden sich viele Schicksale dramatisch entwickeln. Unter ihnen Elena, eine Rebellin, Magierin und Spionin, die immer wieder die Seiten wechselt. Dazu ein einfaches Marktmädchen und ein Junge, der von seiner Magierschule geworfen wird – er war zu kritisch mit dem Regime in Yuros und kam einer gefährlichen Wahrheit zu nahe.

Die Kritik

„Kritik“ kann man es eigentlich gar nicht nennen. “Die Brücke der Gezeiten” verbindet die reale Welt mit einer überdimensionalen Portion Fantasy. Überall finden sich reale Elemente: Ilfrits sind Dämonen aus jüdischer Überlieferung, der Gott Ahm ist offensichtlich Allah. Es gibt Inder, Gotteskrieger und nicht zuletzt auch Politiker und deren typische Ränkespiele. Dazu kann man eine Völkergruppe als Italiener identifizieren und deren typische Mafiosi-Strukturen. Das ist das eine große Thema des Buchs. Das zweite ist vor allem die Magie, ihr Ursprung und ihre Eigenschaften. Vieles ist hier ungeklärt und scheint die zukünftige Handlung und Charaktere stark zu beeinflussen – ein weiterer unbekannter Faktor, der die Spannung auf Band 2 steigert!

Im Stile der Game-of-Thrones-Fantasy gibt es viele verschiedene Spieler, die anfänglich eine auf sich allein gestellte Geschichte erzählen. Erst nach und nach enthüllt sich, wie sie zueinander stehen und welche Verbindungen sie haben. Das erfordert ein bisschen Geduld, lohnt sich aber sehr. Es ist geradezu faszinierend, wie der Autor ein feines Spinnennetz zwischen seinen Charakteren flechtet. Genau wie Game of Thrones wurde der englische Originalband bei der deutschen Übersetzung in 2 Bücher geteilt. Damit fehlen dem ersten deutschen Band zwar dramatische Cliffhänger, aber das Erscheinen der Mondbrücke hängt der Handlung von Beginn an wie ein Damoklesschwert über dem Genick. Je weiter man liest, umso näher rückt man nicht nur diesem Zeitpunkt. Je weiter man liest, umso stärker erhöht sich die eigene innere Angespanntheit, denn eines ist klar: Es wird Krieg geben und das Schachbrett bunt durcheinander gewürfelt.

Allein Band eins ist schon ein absoluter Fantasy-Kracher, für den man sich rein aus Wertschätzung fürs Lesen wirklich Zeit nehmen sollte. Es ist vielleicht kein neues Game of Thrones – aber extrem nah dran! Hier zieht wahrlich ein Sturm auf und man kaum erwarten, dass Band 2 vor einem liegt.

Bettina Riedel (academicworld.net)

David Hair. Die Brücke der Gezeiten – ein Sturm zieht auf.
Penhaligon. 15,00 Euro.

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