Die Welt am Abgrund (1)

Coole Stunts, heiße Action und irrsinnige Technik-Gadgets sind Dinge die man von einem Mission Impossible Film fast schon erwarten kann. Regisseur Brad Bird löst diese Versprechen spielend ein und liefert unterhaltsames Popcorn-Kino vom Feinsten. Ab 14. Mai auch für’s Heimkino.

Kein Ziel zu hoch für Ethan Hunt. Alle Bilder © 2011 by Paramount Pictures. All rights reserved
Kein Ziel zu hoch für Ethan Hunt. Alle Bilder © 2011 by Paramount Pictures. All rights reserved

Making things possible

Das Unmögliche möglich machen ist eigentlich stets der Auftrag von Ethan Hunt (Tom Cruise). Diesmal sehen wir den Helden der “Impossible Missions Force” (IMF) zunächst in eine fast passive Rolle gedrängt. Andere Agenten sind es, die in Budapest versuchen die Übergabe der Abschusscodes für russische Nuklearwaffen zu verhindern. Und zunächst scheint die Aktion auch blendend zu laufen. Doch Agent Hanaway (Josh Holloway) hat sich zu früh gefreut – eine geheimnisvolle Frau (Léa Seydoux) schießt ihn nieder und zieht mit den Codes von dannen.

Um weiteres Übel zu verhindern gilt es für den Rest des Teams Jane Carter (Paula Patton) und Technikguru Benji Dunn (Simon Pegg), den in einem Moskauer Gefängnis einsitzenden Ethan Hunt (Tom Cruise) zu befreien. Keiner weiß warum er dort gefangen gehalten wird. Anschließend dann mal eben in den Kreml einbrechen – kein Problem. Der modernen Technik sei dank können Dunn und Hunt unerkannt bis ins Geheimarchiv vordringen. Dass ihre Mission trotzdem scheitert liegt am Auftauchen von “Cobalt”, dessen Identität wollten sie eigentlich mit den Informationen aus dem Kreml aufdecken, stattdessen werden sie enttarnt und der Kreml großflächig gesprengt. Dass Hunt ausgerechnet die clevere Wendejacke (eine Seite russische Uniform, eine Seite Lederjacke) zum Verhängnis wird ist auf jeden Fall ein nettes Extra.

Kalter Krieg reloaded

Fortan wird dem IMF sowohl der Diebstahl der Codes als auch die Explosion mitten in Moskau zu lasten gelegt. Der Präsident aktiviert das “Phantom Protokoll” und künftig wird die Existenz der Organisation geleugnet. Die Nachschubwege sind abgeschnitten, man ist auf sich allein gestellt – und hat auch noch die Russen an der Backe. Durch unglückliche Umstände wird das Team noch um den Analysten William Brandt (Jeremy Renner) erweitert, der im Verlauf des Films zeigt, dass weit mehr als ein steifer Anzugträger in ihm steckt. Um sich zu rehabilitieren muss die bunte Truppe den schwedischen Soziopathen Kurt Hendricks (Michael Nyqvist) stellen. Dieser ist der Meinung, dass die Erde mal wieder eine Runderneuerung vertragen könnte. Nach einem atomaren Rundumschlag, so seine Meinung, würden nur die Stärksten überleben – für ihn absolut wünschenswert.

Ab da geht es in einer wilden Hatz durch Dubai und Mumbai, wo unter anderem eine Ein-Hand-Kletterpartie auf dem Burj Khalifa, eine Verfolgungsjagd im Sandsturm wie man sie so noch nicht gesehen hat und eine Art Parkhausmikado in Mumbai auf dem Programm stehen.

Der Star ist das Team

Mehr noch als bei der Blu-ray zeigt das DVD-Cover eigentlich ganz deutlich: nicht mehr Cruise als Alleinunterhalter steht im Mittelpunkt, sondern das ganze Team agiert souverän und teilweise durchaus gleichberechtigt. Die einzige Frau im Team ist durchaus schlagkräftig. Auch wenn sie einmal die Verführerin herauskehren muss: Schmückendes Beiwerk ist eher ihr Nebenjob, hauptamtlich ist sie eine toughe Agentin, die weiß was sie tut. Vom Schreibtischtäter zum Außendienstagent hat es Simon Peggs Agent Dunn gebracht. Der zeigt zwar noch nicht immer volle Souveränität, hat aber die Lacher auf seiner Seite.

Ganz schön viel “Coole-Jungs-Action” muss Cruise diesmal aber vor allem an Jeremy Renner abtreten. Der hat sogar einmal im Kampf Mann gegen Mann die Hosen an und macht “Ethan Hunt” richtig platt. Zudem hat seine Figur die deutlich spannender Entwicklung und um einiges mehr Profil und Charaktertiefe. Zwischendurch war der wohl gar – falls Cruise nicht mehr will – als Hauptcharakter gedacht. Hätte er mit Sicherheit nicht schlecht gemacht.

Richtig gute Action

Optisch ist der 4. Teil der Reihe auf jeden Fall opulent und beeindruckend. Die Schauplätze von Budapest über Moskau, Dubai und Mumbai bis Seattle zeigen sich von ihrer besten Seite. Auch die Technik bietet einige Highlights, auch wenn sie diesmal erstaunlich oft den Dienst versagt. Die Klebehandschuhe zum Klettern wollen plötzlich nicht mehr haften bleiben, die Maschine zur Herstellung der Gesichtsmasken gibt den Geist auf und auch der fahrbare Magnet mit dem sich Agent Brandt im Gebläseschacht bewegt scheint noch nicht ganz ausgereift. So ist es diesmal letztlich nicht die hochtechnisierte sondern die handfeste Leistung, die über Sieg und Niederlage, über atomaren Erstschlag oder Frieden entscheidet. Das macht den Film, obwohl er sich in Punkto Rasanz und Schnittgeschwindigkeit nicht vor den Bournefilmen oder den letzten Einsätzen von James Bond zu verstecken braucht (auch der Vorspann mit dem “roten Faden” erinnert an 007) ist Mission:Impossible 4 ganz in der Tradition des klassischen Actionkinos. So ein bisschen Kalter Krieg Atmosphäre.

Da stört dann auch die etwas krude Handlungsmotivation des Bösewichts und die – gerade für einen Mission:Impossible Film – recht strikte schwarz-weiß Zeichnung der Charaktere nicht allzu sehr. Wenig dezent, wenngleich meist durchaus stilsicher, ist auf jeden Fall das Produktplacement von Apple und Dell bis BMW. Manchmal wäre hier weniger vielleicht doch mehr. Aber das Konzeptfahrzeug von BMW kann sich halt auch sehen lassen.

Rezension: Mission: Impossible - Ghost Protocol

Der Fan des gepflegten Action-Kinos wird sich auf jeden Fall gut aufgehoben fühlen in diesem Film und seien wir ehrlich: wer geistig Anspruchsvolles sehen will wird hierfür kein Geld in DVD- oder Blu-ray-Kauf investieren

Gisela Stummer (academicworld.net)

Mission:Impossible – Phantom 
Protokoll

Regie: Brad Bird
Darsteller: Tom Cruise, Jeremy Renner, Simon Pegg, Paula Patton, Michael Nyqvist

Im Verleih von Paramount Pictures Germany

 

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