Die wahre Schuldfrage

Achtung Spoiler, denn hier geht es um Staffel 2! Am Ende der ersten Staffel Broadchurch wurde der Mann von DS Ellie Miller eigentlich des Mordes an einem Jungen überführt. Jetzt bekennt er sich erst einmal unschuldig und tritt damit einen Strafprozess mit allerlei Überraschungen los …

Bild: Kudos/ITV

Die Familie des ermordeten Jungen aus Staffel 1 befindet sich noch immer in einer misslichen Situation. Bilder in diesem Artikel: Kudos/ITV

Nachdem in Staffel 2 ein Mordfall ein kleines Küstenstädtchen erschütterte, mussten DI Alec Hardy und DS Ellie Miller sich zusammenraufen und den Mörder fassen. Jetzt sitzt Millers Ehemann in Untersuchungshaft. Die Familie des Opfers Danny Latimer sehen sich der Herausforderung ausgesetzt, irgendwie ein normales Familienleben auf die Reihe zu kriegen – insbesondere wegen der Schwangerschaft. Dann erklärt Miller vor Gericht, dass er nicht schuldig sei und erzwingt dadurch einen langwierigen Strafprozess. Die Latimers müssen zusehen, wie ihr Junge exhumiert wird und der Fall erneut alle Beteiligten samt Presse und Öffentlichkeit beschäftigt. DI Hardy hat nicht nur damit zu kämpfen, sondern auch mit einem alten Fall: Eine Jugendliche wurde ermordet, der Täter nicht gefasst – der Tatverdächtige taucht jetzt in Broadchurch auf und behauptet, DI Hardy hätte ihm das Leben versaut …

So richtig rund läuft es bei Alec Hardy ja nicht… Bild: Kudos/ITV

Die Kritik

Es gibt im Wesentlichen zwei Handlungstränge, die verfolgt werden: Einmal der Verdacht, dass es nicht der Miller war, der den besten Freund seines eigenen Sohnes umgebracht hat. Was nun lang und breit vor einem Gericht verhandelt wird. Wie es auch nicht anders sein könnte, kommen einige Ungereimtheiten ans Tageslicht, die berechtigten Zweifel säen. Analog wie der Hauptcharakter Alec Hardy springt die Serie zwischendrin zu einem seiner alten Fälle hinüber: In einem anderen Ort wurde eine Jugendliche ermordet, der Haupttatverdächtige ging straffrei aus. Dessen Frau, die gegen ihn ausgesagt hat, wird seither von Hardy versteckt. Oder vielleicht eher observiert? Und schon springt die Serie zurück zur Verhandlung! Das sorgt insgesamt leider für einen unterbewusst stressiges Hin und Her, bei dem der Zuschauer weder entspannen kann noch ein richtiger Spannungsbogen aufgebaut wird.

Am Ende des Tages wirkt es schon ein wenig so, als wäre die zweite Staffel nur gedreht worden, weil die erste so erfolgreich war. Die Enthüllungen im Gerichtssaal sind wenig spektakulär und genauso wenig mitreißend. Der zweite Fall ist fast interessanter, wobei lange nicht klar ist, warum der DI Hardy so hinterher ist, die Zeugin zu schützen. Deren “Beziehung” zueinander mutet sehr eigentümlich an und man beginnt sich zu fragen, ob der werte DI nicht vielleicht doch seinen ganz eigenen Schuss weg hat.

Was man der Serie zu Gute halten muss, sind die für britische Serien typischen authentischen Charaktere. Hollywood-Glamour hat hier nichts zu suchen – die Schauspieler spiegeln alle optischen Eigenheiten normaler Menschen von der Straße wieder. Ein kleiner Gehimtipp ist sicherlich der Soundtrack der Serie, der von niemand anderem als Olafur Arnarlds komponiert wurde.


Bettina Riedel (academicworld.net)

Broadchurch, Staffel 2
3 Discs

Darsteller: David Tennent, Olivia Colman, Jodie Whittacker

Ab dem 28. April auf DVD, BD und VoD im Vertrieb von Studiocanal im Handel erhältlich!


Stand April 2016

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