Die umsatzstärkste Branche der Welt

Prostitution mag das erste Business der Welt gewesen sein, aber der Drogenhandel ist das wohl umsatzstärkste – erst Recht, nachdem Pablo Escobar in den 80ern Jahren in Kolumbien im großen Stile einsteigt. Narcos, Staffel 1, jetzt fürs Heimkino erhältlich!

Keine Scheu vor Zollfahndern – lieber mal mit einer ganzen Karawane Schmuggelware vorfahren. Leben am Limit mit Pablo Escobar.

Kolumbien, Anfang der 80er Jahre: Pablo Escobar ist einer von wenigen Schmugglern, die im großen Stil Polizisten schmieren und ihre Schmuggelware schon gar nicht mehr verstecken – so dreist agieren sie in ihrem Netzwerk aus Gewalt und Geld. Wer nicht mitzieht, bekommt die Wahl: Silber oder Blei. Dann entwickelt sich das Schmuggelgeschäft rasant weiter – ein kleiner Drogenkoch taucht bei Pablo auf und gewinnt ihn sozusagen als Logistikpartner. Er kocht, Pablo schmuggelt und verkauft. Zusammen machen sie ganz Miami innerhalb weniger Wochen abhängig und weiten das Geschäft zu einem Imperium aus, das zu Spitzenzeiten über hundert Millionen Dollar PRO TAG erwirtschaftet. Zusammen mit anderen Schmugglerfamilien gründen sie das Medellin-Kartell. Doch mit dem Geld kommt die Gewalt. Zu Recht wird Pablo von vielen für seine Skrupellosigkeit und Brutalität gefürchtet. Doch dem Volk gegenüber präsentiert er sich als Robin Hood – denn das Geld, das er nicht verstecken kann (weil zu viel) verschenkt er. Nicht ganz umsonst, denn in der Zwischenzeit hat er sein Auge auf das Amt des Präsidenten geworfen … Es ist ein verdammt verzwicktes Treiben in Kolumbien, dem auch die beiden US-Drogenfahnder Steve Murphy und Javier Peña vor epochale Herausforderungen setzt – sie wollen Pablo Escobar endlich zur Strecke bringen.

Die Kritik

Zunächst sollte der geneigte Zuschauer wissen, dass es sich bei pablo Escobar um eine reale Person handelt. Das merkt man spätestens dann, wenn originales (!!!) Filmmaterial eingebaut wird – da fällt der Unterschied wzwischen Schauspieler und echter Person auf. Wer genau hinschaut, merkt sogar den Unterschied beim allerersten Trailer. Man könnte also sagen es ist eine Serie mit geschichtlichem Bildungscharakter – wenngleich nicht jedes Details historisch akkurat ist, wohlgemerkt.

Das Bild, das die Serie von  Pablo Escobar zeichnet, ist sehr vielfältig. Einerseits ist er ein liebender Familienvater, der kein Staubkorn auf dem Heiligenschein seiner Ehefrau duldet. Mit ehelicher Treue hat er es aber nicht so. Mordaufträge vergibt er wie Bonbons an kleine Kinder. Er möchte sogar als „ehrlicher“ Politiker Karriere machen und sein Land aufrichtig aus dem Elend führen – den Schaden richtet sein Produkt ja schließlich auch nur in den USA an. In Kolumbien versorgt es die Familien mit Geld (so sieht er das zumindest, natürlich ist die Haltung sehr zweifelhaft). Dabei ist er ehrlich überrascht, dass „die anderen Kinder im Abgeordnetenhaus nicht mit ihm spielen möchten“. Stattdessen stellen sie ihn bloß und machen politische Jagd auf ihn – was er mit Auftragsmorden retourniert. Insofern ähnelt seine Psyche oder eher sein Ego schon ein wenig dem eines 3-jährigen Kindes. Insofern also ein sehr abwechslungsreicher Charakter, der offensichtlich auf eine Vollkatastrophe zuschippert. Das sorgt seinerseits für einen auf seine Person ausgelegten Spannungsbogen und führt zu einem kleinen Kritikpunkt:

Es geht ausschließlich um Escobar. Jede andere Person wird nur minimal individuell gezeigt, jeder Fokus, jede Sekunde der Serie liegt ausschließlich auf Escobar. Für das vielpraktizierte Bingewatchen eignet sich die Serie meines Erachtens damit nicht, auch täglich eine Folge ist manchmal zu viel. Außerdem irritierte mich die Sprache: Manchmal reden die Charaktere Spanisch und werden Deutsch untertitelt, dann wieder sprechen sie aus mir unerfindlichen Gründen selbst Deutsch ohne Untertitel. Kennt jemand einen dezidierten Grund dafür? Jedenfalls wirkt es willkürlich und daher störend. Inhaltlich gibt es ab und an kleinere Diskrepanzen – so scheint es mir zumindest. Bei der Geburt seines Kindes kommt ein Pfleger auf den Gang und redet von einer Tochter. Im weiteren Serienverlauf kommt aber immer ein Junge vor.

Fazit: Trotz der Kritikpunkte eine durch Grausamkeit, Neid, Missgunst und leichte Freude gegenüber von der Regierung unabhängigen Individuen faszinierende Serie, die ein gerüttelt Maß Zynik und dunklen Humor erfordert.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Narcos, Staffel 1
10 Episoden

Ab dem 1. September als DVD und BD im Vertrieb der polyband Medien GmbH fürs Heimkino im Handel erhältlich!

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