Die Suche nach dem Höchsten

Siddhartha ist der Sohn eines Brahmanen – und wächst daher schon früh mit umfangreichen Kontemplationen über das Leben und Götter heran. Schnell erkennt er, dass ihn das trotzdem nicht zu sich selbst führen wird und beginnt eine ausdauernde Reise zu sich selbst.

Er ist ein Fürstensohn, der in allerlei Fertigkeiten geschult wird, um eines Tages ein guter Herrscher zu sein: Siddhartha. Doch schon in jungen Jahren ist er auf der Suche nach sich selbst, nach dem göttlichen Funken in jedem menschlichen Wesen. Dass dieser existiert, davon ist er genauso überzeugt wie all die Lehren rund um Götter, die es auf der Welt gibt. Sogar den lebenden Buddha trifft er und versucht sich an dessen Lehren. Das bringt ihn allerdings genauso wenig weiter wie die vollkommene Askese – und so reist er, bis er zum zweiten Male auf einen Fährmann trifft. So simpel dessen Leben ist, so simpel scheint die Wahrheit zu sein, nach der Siddhartha sein ganzes Leben lang gesucht hat …

Die Kritik

Nun ist das Werk natürlich kein neues (1922 erschienen), sondern bereits weltbekannt. Es ist ein hoch philosophisches Buch, dem man dennoch überraschend gut folgen kann. Was unter anderem daran liegen dürfte, dass Hesse seinen Protagonisten nicht einfach nur in Gedankenwelten eintauchen lässt. Vielmehr reist dieser ja von Station zu Station in seinem Leben, sodass sich durchaus praktische Ansätze ergeben, die bei der Veranschaulichung der philosophischen Gedanken helfen.

Dass Hermann Hesse mit Siddhartha viele Antworten auf Fragen gibt, bezweifle ich allerdings. Denn nicht jeder Mensch möchte die Reise zum Ich antreten, für manchen ist auch der Weg bereits das Ziel. Für einige wird eine reine Lehre nichts bedeuten, für andere ist sie genau der Weg aus oder durch eine herausfordernden Lebensphase. Was sich daraus ableiten lässt, ist die Meinung von Hesse (sofern ich ihn richtig verstanden habe): Am Ende findet sich Siddhartha nämlich, weil er eben so viel gereist ist, viel ausprobiert hat und immer auf der Suche und offen für Neues war. Lässt sich das auf jeden Mensch übertragen? Da ich nur für mich sprechen kann, neige ich hier zu einer vorsichtigen Einschätzung. Als Appell lässt es sich aber wohl generalisieren: Geht mit offenen Augen durch die Welt, so lernt ihr Dinge, die euch keine religiöse Lehre der Welt beibringen kann.

Die Umsetzung als Hörspiel ist grandios gut gelungen. Hier passen Stimmen, Musik und HIntergrundgeräusche zu einem richtig runden Gesamtbild. Oft genug hört man bei anderen Hörspielen eine abstruse Musikansammlung, gerne mit Tusch, danach wird gesprochen. Diese Fassung gibt einem das Gefühl, live dabei zu sein wenn gelesen wird und nebenher läuft Siddhartha mit uns durch sein Leben. Anspruchsvolle Literatur, sehr stark akkustisch umgesetzt!

Bettina Riedel (academicworld.net)

Hermann Hesse. Siddhartha.
Der Hörverlag. 24,99 Euro.

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