Die SHANNARA Chroniken – Buch versus Serie

Der Urvater der modernen Dystopien wird aus dem Regal geholt und abgestaubt: Mit DIE SHANNARA CHRONIKEN sind in einer vor tausenden Jahren zerstörten Welt jetzt die Elfen die herrschende Macht …

Der Heiler-Azubi Wil Ohmsford fällt aus allen Wolken, als ein dunkler Fremder in Storlock erscheint. Der will ihn davon überzeugen, auf ein Abenteuer der besonderen Art zu gehen. Flick, Wils Onkel, kennt den Fremden und rät ganz deutlich ab: Vor vielen Jahren begaben sie sich nämlich auf die Suche nach dem legendären Schwert von Shannara, um den Hexenmeister zu besiegen. Der wurde damals zwar geschlagen, doch lauert natürlich das nächste Böse schon an den Grenzen der Wahrnehmung: Der Dagda Mor, ein ehemaliger Druide, der auf die dunkle Seite wechselte. Er ist dafür verantwortlich, dass der Ellcrys stirbt – also der heilige Baum der Elfen, der die Dämonen dieser Welt in Schach hält. Ist er erst einmal tot, gibt es keinen Grund, warum die Dämonen nicht mit ihrer schier unfassbar großen Armee alles angreifen sollten, das unter der Sonne lebt. Verhindern kann das nur Amberle, Tochter des Elfenkönigs. Ohne Will und seine Macht über die Elfensteine ist sie allerdings ziemlich aufgeschmissen, denn an ihr nagen ordentlich Selbstzweifel – und die Reise könnte jedermanns Leben kosten.

Die Kritik

Bringen wir die unangenehmen Kleinigkeiten hinter uns: Wie auch beim Vorgängerband gibt es Fehler in der Umsetzung. Auf dem Klappentext steht „Elcrys“, im Buch aber durchgängig „Ellcrys“. Der Name des Hauptdarstellers wurde auch wieder (!) falsch geschrieben: Auf der Buchrückseite „Will“, im Fließtext „Wil“. Vorsicht ist angesagt für alle, die die Shannara-Chroniken gegoogelt haben und denken, hier gibt es noch zahlreiche andere Bücher. In den neuen Ausgaben werden aber Band 1-3 gebündelt und dieses Mal 4-6.

Das erste Buch (also 1-3) hat noch stark an den Herrn der Ringe erinnert – dem ist bei diesen Bänden (4-6) definitiv nicht mehr. Sonst würde jede Geschichte, in der eine gute gegen eine böse Armee kämpft sozusagen abgekupfert. Interessanterweise hat der Baum Ellcrys eine silberne Rinde und rote Blätter – das Motiv wiederholt sich in Game of Thrones, das auch bei Erstveröffentlichung einige Jahre nach SHANNARA erschien. Ob da wohl jemand was stibitzt hat?

Viel wichtiger ist doch aber die Frage: Wie viel vom Buch steckt in der Serie? Die überraschende Antwort: FAST NICHTS. Klar, die zugrunde liegenden Fakten stimmen überein: Viertelelfe, Vollelfe, Zigeunerin, sterbender Baum, Allanon, Dagda Mor, ein paar schmucke Elfen rundherum drapiert. Ansonsten unterscheidet sich einfach ALLES in der Handlung – sogar ein halbwegs anderes Ende gibt es in der Buchvorlage. In der Serie wurden mehr Charaktere aufgenommen, die einen eigenen Handlungsstrang weiterverfolgen werden und vielleicht die Grundlage einer zweiten Season. Dafür fallen leider einige Charaktere aus dem Buch flach: Der harte Anführer der Freilegion beispielsweise, die auch in den Kämpfen in der Serie nicht auftauchen. Es sterben andere Charaktere als im Buch, die Wege auf der beschwerlichen Reise führen zu anderen Umwegen – wirklich, es ist, als wären Buch und Serie so gut wie unabhängig voneinander. Insofern reicht es für „Fans“ nicht, nur eines davon zu kennen.

Irgendwie ist es auch interessant zu sehen, wie offenbar ein anderes Team aus Erzählern die Geschichte genommen hat und auf die Moderne angepasst. Nicht vergessen, das Buch stammt aus den 80ern! In der Serie sind die weiblichen Charaktere um ein Vielfaches stärker, selbstbewusster und weniger Opfer. Sie übernehmen eher eine Führungsrolle, anstatt dass Will im Mittelpunkt steht. Dafür arbeitet der Autor im Buch deutlicher heraus, mit welchen inneren Zweifeln seine Leute kämpfen müssen. Wie auch bei heutigen jungen Leute gibt es die gleichen Probleme – außer, man muss mal eben fix die Welt retten. In der Serie brilliert übrigens James Remar als das Zigeuner-Oberhaupt Cephalos, dessen Rolle im Vergleich zum Buch zu Recht stark ausgeweitet wurde.

In der Serie kommt viel schöner heraus, dass es keine absolut fantastische Welt ist, in die der Erzähler uns entführt. Es ist unsere Welt, nur durch zwei Große Kriege zerstört und außerdem rund 4.000 Jahre in der Zukunft. Klingt nach SciFy und Hochtechnologie? Weit gefehlt. Umso ansprechender die Bilder sogenannter „lost places“, in denen man die ehemalige Herrschaft der Menschen noch deutlicher erkennt: Von markanten Gebäuden zu Hubschrauberwracks und einer ehemaligen High School – sehr interessant umgesetzt.

Das Fazit: Eine Geschichte auf zwei vollkommen unterschiedliche Art erzählt. Ideal wäre allerdings eine Mischung aus beiden. Müsste ich mich entscheiden, dann würde meine Wahl sogar als eingefleischte Buchliebhaberin auf die Serie fallen – nicht zuletzt wegen des phantastischen Soundtracks.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Terry Brooks. Die Shannara Chroniken – Elfensteine.
Blanvalet. 9,99 Euro.
Auf DVD und BluRay seit dem 7. April im Vertrieb von Concorde fürs Heimkino erhältlich.

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