Die Shakespeare Morde

Theaterregisseurin begibt sich bei der Suche nach Shakespeares Geheimnis in Gefahr

Als die junge Theaterregisseurin Kate Shelton in London eines Tages überraschend Besuch ihrer ehemaligen Professorin Rosalind Howard erhält, ahnt sie noch nicht, dass dieser Besuch weit reichende Folgen für ihre Zukunft haben wird. Rosalind schenkt ihr eine kleine Schachtel, ein “Abenteuer und Geheimnis” wie sie sagt – doch mehr will sie Kate vorerst nicht verraten.

Keine 4 Stunden später ist Rosalind tot, ermordet auf die gleiche Weise wie Hamlets Vater in Shakespeares Drama, an dessen Proben Kate zur Zeit arbeitet. Zufall? Schließlich war Rosalind als Koryphäe auf dem Gebiet der Shakespeare-Forschung bekannt.

Verängstigt macht sich Kate an die Nachforschungen. Sie reist nach Harvard, wo Rosalind ihr Büro hatte. Dort stößt sie schon bald auf Anhaltspunkte, die auf die Existenz eines Manuskripts hindeuten, dessen Fund die Forschung in Atem halten würde: Ein längst verschollen geglaubtes Shakespeare-Drama!

Als dann das Büro von Rosalind in Flammen aufgeht, wird schnell klar – Kate ist auf eine heiße Spur gestoßen und sie ist nicht die einzige, die von dieser weiß. Doch während Kate ein wissenschaftliches Interesse an der Entdeckung des Dramas hat, scheint jemand mit allen Mitteln verhindern zu wollen, dass es jemals gefunden wird.

Eine spannende Jagd quer durch Europa und Amerika beginnt auf der Suche nach dem verschwundenen Shakespeare-Drama und nach der Frage: Wer war Shakespeare wirklich? Ein begnadeter Schriftsteller, der trotz ärmlicher Verhältnisse in vielerlei Hinsicht gebildet und mit höfischen Regeln vertraut war? Oder gar der Graf von Oxford, der seine literarische Vorliebe aus gesellschaftspolitischen Gründen lieber hinter einem Pseudonym verbarg? Steht hinter den Pseudonym Shakespeare vielleicht sogar ein ganzes Konglomerat aus Förderern, Literaturliebhabern und Freunden, deren Fäden bis ins heutige Jahrhundert reichen?

Und über allem schwebt die Frage: Wer hat ein so großes Interesse daran zu verhindern, dass die Wahrheit über Shakespeare jemals ans Licht kommt, dass er hierfür über Leichen geht?

Die Gattung “Thriller” unter die das Buch eingestuft wird, mag verwirren, denn unter einem Thriller stellt man sich vielleicht etwas anderes vor. Aber ein kurzweiliges Vergnügen mit Spannungspotential ist es allemal. Besonders da die vielfältigen Theorien über Shakespeare im Buch sich durchaus der aktuellen Shakespeare-Forschung bedienen, die für sich allein schon spannend ist, ist doch bis heute nicht eindeutig geklärt, wer Shakespeare war.

Einige stilistische Patzer muss man auf den ersten Seiten über sich ergehen lassen. So kommt die Heldin schneller zu dem Schluss, dass es zwischen dem Mord an Rosalind und dem Brand in Harvard einen Zusammenhang geben muss als der Leser selbst, obwohl sie vermeintlich ebensoviel weiß. Auch wirken einige Dialoge hölzern und vorhersehbar. Entweder ist dies der Übersetzung geschuldet oder man muss es der Autorin nachsehen, dass sie die Handlung schnell auf den eigentlichen Plot lenken und vorantreiben wollte.

Daneben gibt es im Buch aber auch einige liebevolle Details, die über die kleinen Patzer hinwegtrösten. Der Einband des Buches ist ganz dem Inhalt entsprechend alten Büchern mit Ledereinband nachempfunden. Und im Text selber findet man – ganz wie es sich für gute Verschwörungstheorie-Schmöker gehört – natürlich auch jede Menge Zitate aus Shakespeares Dramen und Sonetten, um die Theorien zu untermauern.

Für alle, die Verschwörungstheorien in Dan Brown Manier mögen und darüber hinaus noch Interesse an Shakespeare haben, lohnt sich dieses Buch auf jeden Fall.

Jennifer Lee Carrell
Die Shakespeare Morde
464 Seiten

19,90 Euro

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Stand November 2008

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