Die Mobber aus dem Netz

Cybermobbing ist im Grunde kein neues Phänomen, es verbindet vielmehr das „herkömmliche“ Arbeitsplatz- oder Schulhofmobbing mit der digitalisierten Welt des Internets. Ein Beitrag von Dr. Stephan Witteler und Myriam Drumm.

Die Mobber aus dem Netz
© Tim Reckmann/pixelio.de

Es gilt als Cybermobbing, wenn der Betroffene über einen längeren Zeitraum unter Nutzung von Socialmedia-Diensten, SMS oder Chats absichtlich und systematisch schikaniert und gequält wird (vgl. auch die Studie des Bündnis gegen Cybermobbing und ARAG: „Mobbing und Cybermobbing bei Erwachsenen – eine empirische Bestandsaufnahme in Deutschland“, März 2014; AJ-Praxis: „Bloßgestellt im Netz. Ein Planspiel zur Prävention von Cyber-Mobbing“, 2012). Über die Betroffenen werden Gerüchte anonym in sozialen Netzwerken oder Chatdiensten verbreitet oder auch echte oder gefälschte Fotos und Videos gegen den Willen der Betroffenen online gestellt. Dies führt nicht selten zu einer starken psychischen Belastung und Isolation des Betroffenen und ist alles andere als ein Kavaliersdelikt. 

Kein reines Jugendproblem

Wer annimmt dieses Phänomen betreffe nur Jugendliche und Heranwachsende, irrt. Richtig ist zwar, dass Studien zufolge nahezu jeder dritte Jugendliche oder junge Erwachsene bereits Opfer von Cyber-Mobbing geworden ist. Doch betrifft dieses Phänomen längst nicht mehr nur Schüler. 

In der aktuellsten Studie des Bündnisses gegen Cybermobbing und der ARAG SE „Mobbing und Cybermobbing bei Erwachsenen – eine empirische Bestandsaufnahme in Deutschland“ vom März 2014, gaben zudem 8,1 Prozent der befragten Erwachsenen an selbst von Cybermobbing betroffen geworden zu sein. 22 % haben diese Situation als neutrale Beobachter und 14 % als Unterstützer miterlebt. 1 % gab gar an, als Täter schon in Cybermobbing involviert gewesen zu sein. 

Auch Unternehmen sind zunehmend mit Cybermobbing konfrontiert. Sei es in deren Funktion als Arbeitgeber und der damit einhergehenden Fürsorgepflicht für dessen Arbeitnehmer oder als mögliche Opfer von Schmähkritik in Bewertungsportalen. 

Was tun?

Um den Tätern möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten, sollte man als Nutzer von Socialmedia-Plattformen und Chats zunächst sensibel mit eigenem Bildmaterial oder Videos umgehen. Befürchtet ein Betroffener, dass sich unangebrachtes Bildmaterial oder Schmähkritik über ihn im Netz befindet, kann es hilfreich sein sich einmal selbst zu googeln und zu schauen was im eigenen Namen in den Suchmaschinen zu finden ist. 

Ist man dann tatsächlich Opfer geworden, ist es wichtig einige Verhaltensweisen zu berücksichtigen und seine strafrechtlichen Möglichkeiten zu kennen. 

Die rechtliche Seite

Wichtig ist zunächst, dass der Betroffene nicht auf das Cybermobbing reagiert. Der direkte Kontakt bzw. Austausch mit dem Mobber ist hier dringend zu vermeiden. Schnell wird anderenfalls das Opfer zum Täter und der Konflikt wird noch weiter angefacht. Cybermobbing darf aber auch nicht einfach toleriert werden. Betroffene dürfen und müssen selbst aktiv werden. Der Mobber sollte zunächst dem Anbieter des Socialmedia-Dienstes gemeldet werden. Wichtig ist darüber hinaus die zeitgenaue Dokumentation und Speicherung von Beweismaterial (Screenshots, Protokolle, Speicherung von E-Mails und SMS). Bei fortdauernder Belästigung sollten zudem juristische Schritte wie Strafanträge bei der Polizei oder das Durchsetzen von Unterlassens- oder Schadensersatzansprüchen (so etwa LG Kiel, Urteil vom 27.  April 2006 – 4 O 251/05) in Erwägung gezogen werden. Auch musste Google auf juristischen Druck in jüngster Vergangenheit bereits Ergebnisse in den Ergebnislisten löschen (so etwa BGH, Urteil vom 14. Mai 2013 – VI ZR 269/12).

Ob Opfer bereits durch die strafrechtlichen Vorschriften (Beleidigung § 185 StGB, Nötigung § 240 StGB, Nachstellung § 238 StGB etc.) abgesichert sind, ist nach wie vor stark umstritten. So ist etwa eine Anpassung im Koalitionsvertrag 2013 von CDU, CSU und SPD vorgesehen und die Justizministerkonferenz will die geltenden Vorschriften auf Tauglichkeit prüfen. Dem entgegen warnt etwa der Deutsche Anwaltsverein (DAV) davor das Problem Cybermobbing durch weitere Straftatbestände lösen zu wollen, beträfen diese doch nach wie vor hauptsächlich Jugendliche und Heranwachsende, die teils noch nicht einmal strafmündig seien (gemäß § 19 StGB ist dies erst ab 14 Jahren der Fall). 

Worüber Einigkeit besteht ist jedoch, dass das Strafrecht nicht alle gesellschaftlichen Konflikte zu lösen vermag und dies auch nicht anstreben sollte. Es sind vielmehr Schulen und Unternehmen aufgefordert, sich nicht nur klar von Cybermobbing zu distanzieren, sondern vielmehr aktiv dagegen anzugehen (z.B. Netiquette, spezielle Ansprechpartner und Schulungen) um das Problem durch Aufklärung an der Wurzel zu packen.


Die Mobber aus dem Netz
Dr. Stephan Witteler

Dr. Stephan Witteler ist seit Anfang 2011 Equity Partner im Frankfurter Büro der Wirtschaftssozietät Heuking Kühn Lüer Wojtek. Der Beratungsschwerpunkt seines Teams liegt im Bereich des IT- und Telekommunikationsrechts sowie im Gesellschaftsrecht. Herr Dr. Witteler berät Unternehmen und Einrichtungen der Öffentlichen Hand seit Jahren zu Compliance-Vorgaben. Zudem ist er als Aufsichtsratsvorsitzender der Asklepios Klinikkette regelmäßig mit Compliance-Vorgaben befasst. Aus der IT-Branche kommend, bilden Asset- und Lizenzmanagement, Daten- und Geheimschutz sowie IT-Sicherheit besondere Schwerpunkte in seiner Compliance-Beratung.

Die Mobber aus dem Netz
Myriam Drumm

Myriam Drumm ist seit 2013 als Rechtsanwältin zugelassen und Associate im Frankfurter Büro der Wirtschaftssozietät Heuking Kühn Lüer Wojtek. Ihre Tätigkeitsschwerpunkte liegen im Bereich des Projektmanagements in Großprojekten im IT- und Telekommunikations- und  Vergaberecht und der Beratung im Wirtschaftsstrafrecht. 

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