Die Magie von Glühwürmchen

Ein Junge, seine Schwester, zwei Mamas und ein abwesender, weil nicht erwachsener Papa – Victors Leben läuft im Moment etwas anders als geplant. Für ihn ist das aber vollkommen okay so – und im Sommerurlaub hilft ihm die Magie der Glühwürmchen sogar dabei, ein altes Familienrätsel zu lösen.

Viktor Beauregard ist ein neunjähriger Junge, der zusammen mit seiner Schwester Alicia und seinen beiden Mamas in den Urlaub nach Cap Martin fährt. Dort trifft er nicht nur seine erste Liebe, sondern auch die Zwillinge Tom und Nathan. Sie sind ein bisschen seltsam, aber das ist Victor auch, daher fühlt er sich bei ihnen ganz wohl. Zusammen erkunden sie die verlassenen Villen am Strand und tauschen über ein geheimes Botensystem gekritzelte Nachrichten miteinander aus. Bis er herausfindet, dass die beiden eigentlich vor Jahren schon gestorben sind. Das ist nicht das einzige Rätsel, das sie ihm aufgeben: Was haben sie mit seinem Vater zu tun, der sich seit seiner Jugend weigert, nach Cap Martin in den Urlaub zu fahren? Genau dort starb übrigens auch seine Schwester Felicité, doch darüber redet man in seiner Familie nicht …

Die Kritik

Ein Mann erlebt in seiner Jugend ein Unglück, das ihn nachhaltig prägen wird. Die Konsequenzen ziehen sich sogar in seine spätere Ehe und das Familienleben. Ein sehr ernstes Thema, das man als Autor durchaus komplex aufbereiten kann. Doch bei Gilles Paris ist es ein neunjähriger Junge, dessen Vater dieser Mann ist. Er erzählt von einem Sommer, den er erlebt hat und wie sich aus einem simplen Treffen von Kindern eine Geschichte entwickelt, die dem Vater dabei helfen wird, seine persönliche Horrorstory zu verarbeiten.

Der Blickwinkel ist entsprechend kindlich, geradezu naiv die Art, das Leben wahrzunehmen. Gleichzeitig auch zum Schießen komisch, wenn Sprichworte oder gängige Ausdrücke nur allzu wörtlich interpretiert werden. Dazu passt der Nachname des Charakters natürlich wunderbar und ist ein Beispiel dafür, wie stimmig hier alles ist. Von den Schauplätzchen zu den Charakteren zur eigentlichen Handlung: Es gibt keine Ecke oder Kante, sodass man das Buch auch bequem an einem einzigen Feierabend durchlesen kann.

Das Buch ist kein klassischer Roman, sondern eine bunte Mischung, wie man sie immer öfter findet: Was als Urlaubsbericht beginnt, bekommt bald etwas tiefere psychologische Bedeutung und sogar mystische/ fantastische Elemente – denn die Zwillinge sind nachweislich verstorben, aber die Briefzettelchen bildet sich weder Victor, noch seine anderen Freunde sich ein. Zu diesem Aspekt gibt es auch keine Auflösung, was ehrlich gesagt sehr entspannend ist. Denn statt kompliziert konstruierter Lösungswege läuft das alles unter „ist halt so“ und das passt besser zusammen, als künstliche Aufklärung.

Fazit: Sehr fix zu lesen, kurzweilig, äußerst zauberhaft und charmant verfasst! Kein Buch, das die Weltanschauung revolutioniert, aber ein tolles Buch für den eigenen Urlaub.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Der Glühwürmchensommer. Paris Gilles.
Berlin Verlag. 8,99 Euro.

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