Die Macht der Träume

Im ersten Band der Muchachas-Trilogie kommen viele unterschiedliche Frauen („Muchachas“) zu Wort, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Sie alle gewähren dem Leser Einblicke in ihre Leben und ziehen ihn mit ihren mal mehr, mal weniger tragischen, aber immer interessanten Schicksalen in ihren Bann.

Band 1: Tanz in den Tag

Leonie wird bereits seit Jahren von ihrem Ehemann Ray misshandelt, bis sie eines Tages halb tot geprügelt im Krankenhaus aufwacht und endlich einzusehen scheint, dass sie sich von ihm fernhalten muss, wenn sie überleben will. Doch das ist gar nicht so leicht, denn Ray ist nicht bereit, ihre Entscheidung zu akzeptieren…

Stella, die eine schlimme Kindheit hatte und von ihrem Vater sexuell missbraucht wurde, lebt gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn Tom in ständiger Angst. Auch ihren Freund Adrian muss sie geheim halten, um sowohl sich als auch ihn zu schützen. Dennoch gibt sie nicht auf und kämpft jeden Tag aufs Neue gegen ihr scheinbar vorgezeichnetes Schicksal an…

Während Leonie um ihr Leben bangt, welches sie im Krankenhaus liegend noch einmal Revue passieren lässt, hat Stella sich vorgenommen ihrem Familiengeheimnis auf die Spur zu kommen und die seit Jahren bestehende Mauer des Schweigens endlich zu durchbrechen. Und auch Julie, Josephine, Zoe, Hortense und einige andere nehmen uns mit auf eine Reise durch ihr Leben und erzählen uns von ihren kleineren bis großen Problemen.

Jede dieser Frauen mag eine andere Vorstellung von dem perfekten Leben haben und jede kämpft auf ihre eigene Art für ihr ganz persönliches Glück und gegen die Schatten der Vergangenheit. Doch eines haben sie alle gemeinsam: Jede von ihnen ist eine starke Frau, die früher oder später ihr Leben selbst in die Hand nimmt und anfängt ihren Träumen ein Stück näher zu kommen. Nach und nach werden schließlich die Zusammenhänge der einzelnen Schicksale deutlich und die verschiedenen Handlungen und Beziehungen werden miteinander verflochten.

Band 2: Kopfüber ins Leben

Die angehende New Yorker Modedesignerin Hortense hat eigentlich alles, was es braucht, um in der Modebranche erfolgreich zu sein. Sie ist jung, bildschön, talentiert und ehrgeizig. Das Einzige, was ihr fehlt, ist eine zündende und revolutionäre Idee für ihre erste eigene Kollektion. Voller Eifer macht Hortense sich an die Arbeit und findet schließlich sogar einen Investor, der ihr helfen möchte ihr eigenes Modehaus zu gründen. Einziger Haken: Es soll in Paris sein – fernab von ihrem Freund Gary. Wie wird Hortense sich entscheiden? Und warum scheint Gary gar nicht allzu betrübt darüber zu sein? Vielleicht liegt es an der geheimnisvollen Calypso, mit der der begabte Musikstudent seit einigen Wochen an einem gemeinsamen Musikprojekt arbeitet. Gary und Calypso verbringen viel Zeit miteinander. Hortense sieht er kaum noch und wenn, dann streiten sie nur. Zu Calypso jedoch fühlt er sich magisch hingezogen. Und ihr geht es genauso. Sie fühlt sich wohl in seiner Nähe, so lebendig, so frei, wie schon lange nicht mehr, und wünscht sich dieses Gefühl würde nie mehr vorüber gehen. Denn Calypso verbirgt ein schlimmes Schicksal… 

Und auch Hortenses Mutter Josephine hat es nicht leicht: Nicht genug damit, dass ihre beste Freundin Shirley und ihr Freund Philippe sich in letzter Zeit so komisch verhalten, wird sie auch noch von einem unbekannten Stalker eingeschüchtert. Josephine beschließt den Dingen auf den Grund zu gehen und erfährt haarsträubende Details, die vielleicht besser im Verborgenen geblieben wären…

Die Kritik

Nachdem ich vor einigen Jahren bereits Katherine Pancols erste Bestseller-Trilogie (Die gelben Augen der Krokodile, Der langsame Walzer der Schildkröten, Montags sind die Eichhörnchen traurig) gelesen hatte, konnte ich es kaum erwarten, endlich mit ihrer neuen dreiteiligen Romanreihe Muchachas zu beginnen. 

Pancol hat einen wirklich unverwechselbaren Schreibstil, sodass es einfach großen Spaß macht, ihre Bücher zu lesen und schwerfällt, sie wieder zur Seite zu legen. Sie schreibt sehr detailreich, aber dabei niemals langweilig. In ihrem Buch „Tanz in den Tag“ lässt Katherine Pancol viele unterschiedliche Figuren entstehen, mit jeweils ganz eigenen Charakteren und einzigartigen Schicksalen, die letztendlich aber doch alle irgendwie miteinander zusammenhängen. Ihr Talent, diese einzelnen Personen derart realistisch darzustellen und mit viel Gefühl zum Leben zu erwecken, führt dazu, dass sie einem sogleich sympathisch werden und einen auch nach dem Lesen noch lange nicht loslassen.

Das Auf und Ab des Lebens

Auch der zweite Roman von Katherine Pancols neuer Trilogie ist wunderbar sensibel und geistreich geschrieben und bereitet ein großes Lesevergnügen. Zwar handelt die Geschichte der Muchachas-Reihe von sehr vielen verschiedenen Frauen und auch einigen Männern, dennoch lässt sich erkennen, dass jeder der drei Romane jeweils ein paar Charaktere herausgreift und schwerpunktmäßig thematisiert. Während also im ersten Teil („Tanz in den Tag“) hauptsächlich Stella, Leonie und Ray zu Wort kommen, sind es in diesem, zweiten Buch vor allem Hortense, Gary und Calypso mit der jeweils zugehörigen Familie. Diesen Aufbau finde ich sehr gelungen, da ich – wie ich zugeben muss – am Anfang einige Bedenken hatte, was die vielen unterschiedlichen Protagonisten betrifft. Entgegen meiner Befürchtungen ist die Geschichte sehr gut strukturiert und überhaupt nicht verwirrend. Außerdem hat die Autorin ein Talent für schöne Worte. Pancol versteht es, aus Buchstaben nicht einfach nur Sätze zu bilden, sondern beinahe schon poetische Kunstwerke zu kreieren, mit denen sie – dabei immer noch leserfreundlich und verständlich – über das Auf und Ab des Lebens berichtet.

Tiefgreifender, als das Cover es vermuten lässt

Hinter den irreführenden, fluffig-fröhlich anmutenden Covern mit ihren bunten Blumen und den unbeschwert erscheinenden Titeln „Tanz in den Tag“ und „Kopfüber ins Leben“ verstecken sich berührende Romane, die viel tiefgreifender und ernster sind, als anfangs erwartet. Was durchaus positiv zu verstehen ist, denn Pancol tischt ihren Lesern in diesen Büchern keine Märchen mit scheinbar perfekten Menschen auf, sondern erzählt Geschichten, die mitten aus dem Leben gegriffen sind und eine wichtige Botschaft an alle Muchachas dieser Welt vermitteln sollen; dass man sich nämlich allen Widrigkeiten zum Trotz nicht unterkriegen lassen darf und sich seinem Schicksal stellen muss, um glücklich zu werden.

Fazit: Definitiv Bücher, die Spaß machen, aber auch nachdenklich stimmen und vor allem aber Mut machen, für sich und seine Träume zu kämpfen. Sie lesen sich sehr kurzweilig und machen süchtig nach mehr. Bis der dritte und letzte Teil von Pancols Roman-Trilogie erscheint, muss man sich jedoch leider noch bis zum 9. Mai gedulden.

Tabea Hornung (academicworld.net)

Katherine Pancol. Muchachas – Tanz in den Tag.
Katherine Pancol. Muchachas – Kopfüber ins Leben.

Carl´s books. Jeweils 14,99 Euro. 

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