Die Geheimnisse unserer Nächsten

Er lebt den amerikanischen Traum – glaubt Adam zumindests. Bis ein Fremder ihn auf einem Parkplatz anspricht und ein Geheimnis seiner Frau enthüllt – die daraufhin spurlos verschwindet …

Adam ist Anwalt. Seine Frau Corinne ist eine der Hübschen und Intelligenten. Ihre zwei Söhne sind nicht auf den Kopf gefallen, sportlich und sympathisch. Das gemeinsame Haus steht in einer schmucken Nachbarschaft – kurz gesagt: Sie leben den amerikanischen Traum. Der zerplatzt wie eine Seifenblase, als ein Fremder nachts auf einem Parkplatz anspricht. Ob er denn wisse, was seine Frau getrieben habe? Es hätte nichts mit Fremdgehen zu tun, aber sie habe ihn extrem belogen und getäuscht. Der Beweis ließe sich in der Kreditkartenabrechnung finden – und er hat recht. Vor zwei Jahren hatte Corinne ihm eine Schwangerschaft vorgetäuscht. Warum nur?! Als Adam sie mit seinem Wissen konfrontiert, verschwindet sie spurlos … Bald tauchen Gerüchte über Veruntreuung von Geldern auf und irgendwann auch die erste Leiche!

Die Kritik

Das Buch gehört eher zu den ruhigen Krimis, denn es erst nach etwa der ersten Hälfte der Seiten taucht die bereits angesprochene, erste Leiche auf. Wer einen möglichst harten und blutigen Krimi sucht, ist hier falsch. Die Hauptperson setzt sich vielmehr ständig mit der Fragen nach dem warum, was überhaupt los ist und wie es weitergehen soll auseinander. Nebenher sucht er nach jedem Krümel an Information, die er finden kann. Diesen Weg beschreibt der Autor sehr glaubwürdig. Denn weder ist Adam Polizist noch ist er ein IT-Nerd. Es braucht also seinen Sohn, der ihm was über Tracking-Apps erzählt – das nur als Beispiel. Herausgekommen ist ein echt cooler Krimi, in dem sowohl moderne Technik- als auch klassische Krimielemente zu einer angenehmen Symbiose verschmelzen. Und keine Sorge: Irgendwann bekommt auch Adam Unterstützung von anderen Personen!

Der Autor nimmt sich die Zeit, seine Fäden kunstvoll zu spinnen, bevor er sie mit immer höherer Geschwindigkeit zusammen zieht – und aus Opfern Täter und Tätern Opfer macht. Was mir sehr gut gefallen hat ist, dass die Hauptperson ein Anwalt ist – und ganz ohne die Arroganz, Anzüge und Klugscheißerei auskommt, mit der seine Zunft normalerweise Verwendung in Krimis findet. 

Das Ende ist schnell, hart und überraschend. Es erinnert den Leser daran, dass jeder Mensch in seiner eigenen Realität lebt. Und was wir von unseren Nachbarn wissen, ist zumeist genau das, was sie uns wissen lassen. 

Ebenfalls gelungen ist die Übersetzung. Es gibt in dem ganzen Buch keinen Satz, bei dem ich das englische Original in plumpen Deutsch gelesen habe. Super!

Bettina Riedel (academicworld.net)

Harlan Coben. Ich schweige für dich.
Goldmann Verlag. 14,99 Euro.

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