Diamanten, die Hochfinanz und Mord im Pool

Manch einer hält den Beruf des Ermittlers oder Privatdetektivs vielleicht für einen wenig stilvollen – Martin Suters “Allmen und der rosa Diamant” überzeugt den Leser spielend vom Gegenteil.

Den maßgeschneiderten Nobelzwirn am Körper, die Füße in handgefertigtem Schuhwerk, sitzt Johann Friedrich von Allmen auf der spärlichen und unbequemen Pritsche im Hinterraum einer Unterkunft für illegale Einwanderer aus Südamerika. Ruhelos tigert er umher, eingesperrt in einer ärmlichen Umgebung, wie er sie trotz immenser Geldprobleme und -schwierigkeiten bisher stets vermeiden konnte. Schließlich ist der Anschein von Luxus, Kultiviertheit und Reichtum ihm heilig.

The Art of Tracing Art

Kunst ist Allmens Leben und zugleich sein Verhängnis. Durch den Fall der Libellenschalen hat sich daraus auch eine Art Lebenserwerb entwickelt. Das größte Problem ist aber für ihn und seinen Diener/Geschäftspartner Carlos in der Regel nicht der gerade aktuelle Fall, sondern Allmens Hang zum kostspieligen Lebenswandel. Nachdem Martin Suter mit “Allmen und die Libellen” vor allem die Charaktere eingeführt hat, nimmt nun die Krimihandlung etwas mehr Raum ein. Dennoch ist auch dieser “Allmen” mehr Milieustudie und Gesellschaftsroman als Krimi, obwohl dunkle Finanzmachenschaften und ein Mord aufgedeckt werden müssen.

Die finanzielle Lage des Lebemanns ist wieder einmal kurz vor katastrophal, als ihm ein besonders lukrativer Fall angetragen wird: Allmen International soll den verschollenen rosa Diamanten wiederbeschafften. Oder zumindest den Kerl finden, der weiß wo das gute Stück ist. Weil Allmen Allmen ist, wird der Großteil des Vorschusses gleich großzügig wieder in den Wirtschaftskreislauf zurück gebracht.

Zwischen Entwicklung und Stillstand

Im zweiten Band um Allmen und Carlos kommt, obwohl abermals ein schmales Bändchen vor dem Leser liegt, neben dem Handlungsfortgang natürlich auch die Entwicklung der Protagonisten nicht zu kurz. Vor allem “Handlanger” Carlos emanzipiert sich ein gutes Stück von seinem “Dienstherrn” und gewinnt an eigenem Profil dazu. Was das Verhältnis zwischen den beiden so gegensätzlichen Charakteren bereichert. Allmen, obwohl etwas engagierter und mit Situationen jenseits seines gehobenen Stils konfrontiert – etwa unter den illegalen Südamerikanern, wo die beiden Zuflucht suchen – bleibt stets Snob. Und das aus Überzeugung.

Der schnelle Lesegenuss für zwischendurch: stilistisch blitzsauber, nicht ohne Charme, aber spannungstechnisch noch ausbaufähig.

(Gisela Stummer, academicworld.net)

 

219 Seiten

Diogenes Verlag (2011)

18,90 Euro

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