Der blinde Rächer von Hells Kitchen

Matt Murdock ist Anwalt. Gerade hat er mit seinem College-Freund eine Kanzlei mitten in Hells Kitchen gegründet, wo sie beide auch aufgewachsen sind. Doch manchmal stellt die (bestochene) Justiz das Recht der Reichen über das der Armen – und Matt sieht keine andere Möglichkeit, als im Namen der Gerechtigkeit im Schatten der Nacht einzugreifen (großer Endfeind inklusive).

Am Anfang sind es einzelne Vorfälle, doch dann wird die Situation in Hells Kitchen immer brenzliger: Das Verbrechen hat sich organisiert … Alle Bilder: © 2016 Marvel & ABC Studios

Foggy Nelson ist ein intelligenter, aber auch etwas gemütlicher Typ, der Matt schon im College kennengelernt hat. Zusammen lassen sie sich nach dem Studium in Hells Kitchen nieder, um vorzugsweise für die unterdrückten Armen ihr Recht zu erkämpfen. Recht schnell werden sie aber in die Machenschaften eines kriminellen Drahtziehers gezogen, der Hells Kitchen am liebsten komplett reformieren würde. Sein Name: Wilson Fisk. Doch während es richtig schwer wird, dem Typ rechtlich etwas nachzuweisen, macht sich Matt in der Dunkelheit der Nacht auf, um den Mann samt seiner verbrecherischern Organisation zu bekämpfen: Als schwarz verkleideter Rächer mit Maske (weil sowieso blind und moderne Gesichtserkennung et cetera). Seine Kampfkünste werden bald legendär, doch auch dieser Held kommt nicht ohne Schrammen oder Verletzungen davon. Und *schwupps* lernt er die attraktive Ärztin von nebenan kennen, die mit seinen Rachegelüsten allerdings nicht wirklich viel anfangen kann …

 

Die Kritik

Von einer Kollegin, die sich mit Kampfsport auskennt, kam direkt das Feedback, dass die Szenen sehr gut sind! Einerseits, weil in einem engen Gang – entgegen der normalen Superhelden-Filme – einfach auch ein Profi nur mäßig Erfolg haben kann. Denn auch unser blinder Rächer steckt ordentlich ein! Andererseits finde ich, dass auch die oft vorkommenden Kampfszenen zumindest abwechslungsreich gestaltet sind: Vom Gang aufs Dach auf den Boden in die Luft – auch für nicht Kampfsport-Begeisterte sehr nett zu betrachten ohne zu langweilen.

Schön ist auch, dass der eigentliche Werdegang von Daredevil beleuchtet wird – denn entgegen der Coverabbildung dauert es noch etwas, bis er den schicken rot-schwarzen Anzug mit den Hörnern durch die Weltgeschichte trägt – und bis er zu seinem Spitznamen kommt.

Es gibt deutliche Unterschiede zu bisherigen MARVEL-Helden im Universum: Daredevil bewegt sich ganz bewusst in einer moralischen Grauzone und im juristischen Abseits. Das Thema “Folter, um an Informationen zu kommen” ist quasi dauerpräsent und gibt dem Protagonisten einen leichten Schlagschatten. Vielleicht schafft er es deswegen nicht in den großen, strahlenden Heldenhimmel mit Captain America und Iron Man. Letzterer ist auch nicht immer einwandfrei in seinem Verhalten – aber bietet zumindest eine starke, individuelle Persönlichkeit. Diese findet man bei Daredevil etwas weniger, sodass er im Vergleich zu den restlichen Marvel-Helden etwas blass wirkt. Natürlich ist er auch in einem menschlichen Umfeld eingebettet und rennt nicht mit anderen Superhelden durch die Welt. Trotzdem wirkt er sehr wenig emotional, sehr abgeschottet, sodass der Zuschauer nicht sofort eine persönliche Bindung aufbaut.

Der Antagonist ist sehr kreativ eingebettet und hält sich selbst für lange Zeit für den Guten in der Geschichte – auch das ist ein interessanter Aspekt und beleuchtet, wie er letztendlich zum absoluten Feindbild werden kann/soll/muss. Hierfür gibt es also wieder einen Pluspunkt.

Fazit: Kein echter Marvel-Fan wird sich von dieser Serie fernhalten lassen. Wer nicht auf Marvel steht, muss diese TV-Gelegenheit allerdings nicht unbedingt wahrnehmen.


Bettina Riedel (academicworld.net)

DAREDEVIL, Staffel 1

Darsteller: Charlie Cox, Deborah Ann Woll, Elden Henson, Vincent D’Onofrio, Rosario Dawson

Ab dem 27. Oktober im Vertrieb von Marvel/ Disney als BD und DVD im Handel erhältlich!

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