Der Blick der Toten

Es gibt eine Vielzahl an aktuellen Büchern, darunter aber leider nur wenige, für die es sich lohnt, eine Nacht zum Lesen zu opfern. “Totenblick”, das aktuelle Werk des deutschen Autors Markus Heitz, hat sich dieses Privileg verdient. Den ersten Ausflug des Autors raus aus der Welt der Fantasy hinein in die düsteren Weiten des Thrillers kann man mehr als gelungen nennen.

Ein wahnsinniger Mörder treibt in Leipzig sein Unwesen. Er ermordet seine scheinbar wahllos ausgesuchten Opfer nicht nur, sondern arrangiert mit ihnen Gemälde nach, die alle eines gemeinsam haben: Sie drehen sich um das Thema Tod.

Die SoKo um Hauptkommissar Peter Rhode tappt im Dunkeln und sieht sich sehr bald mit dem Problem konfrontiert, dass sich die eigenen Reihen der Ermittler lichten – jene, die am Tatort in die Augen der Verstorbenen blickten und den Totenblick” auf sich zogen, sterben durch scheinbare Unfälle. Als sich diese häufen wird klar, dass sie ebenfalls nur auf das Konto des Bildermörders gehen können – oder steckt doch ein Fluch dahinter? Und was schlummert in der Vergangenheit des charismatischen Personal Trainers Ares Leon Löwenstein, der ungewollt immer tiefer in die Ereignisse hineingezogen wird?

Nah an der Realität, spannend und fesselnd – Dank überzeugender Figuren

Der erste Thriller des Autors glänzt durch einen straffen Spannungsbogen, der den Leser gleich von Anfang an mitnimmt und auf eine rasante Jagd quer durch Leipzig schickt. Besonders Bewohner und Liebhaber der “heimlichen Hauptstadt Sachsens” kommen hier auf ihre Kosten. Heitz benennt bekannte Schauplätze präzise und hält sich in den Beschreibungen stark an real vorhandene Details und Lokalitäten, sodass Kenner schnell ein deutliches Bild der Schauplätze vor Augen haben. Leipzig-Unkenntliche dagegen dürften sich etwas schwerer tun, da die Gegenden häufig benannt, aber nicht bis ins Detail beschrieben werden.

Die Grausamkeit des Killers und die spürbar wachsende Verzweiflung der Ermittler fesseln spätestens nach dem ersten Drittel des Buches vollständig und machen ein Weglegen des Buches schwer. Überzeugende Protagonisten sind vor allem der ADHS-geplagte Kommissar Peter Rhode und der Personal Trainer Ares Leon Löwenstein mit seinem Hang zum Theater und finsterer Rocker-Vergangenheit. Beide treiben die Story spürbar voran.

Leider gibt es nach dem plötzlichen und unschönen Ableben von Rhode einen leichten Bruch in der Personalbesetzung, als sich Löwenstein ausgerechnet mit dem bis dahin blassen und wenig produktiven Kommissar Lackmann, einem alkoholkranken Kollegen Rhodes, verbündet und den Mörder letztendlich in einem spektakulären Showdown stellt, der auf Grund der Kürze und der rabiaten Action ein wenig an Glaubwürdigkeit einbüßt.

Auch Fans des Übersinnlichen kommen auf ihre Kosten

Fans der Dark-Fantasy-Bücher von Markus Heitz kommen durch eine Gastrolle auf ihre Kosten. So tauchen im Verlauf des Buches mehrmals der Bestatter und Thanatologe Konstantin Korff aus “Oneiros – Tödlicher Fluch” auf und  trägt sogar entscheidend zum Verlauf der Ermittlungen und (in einem alternativen Epilog dargelegt) dem letztendlichen Ausgang bei. Wer Dank “Oneiros” Korffs Fähigkeiten kennt, wird hier mit einem Schmunzeln feststellen, dass es bei Heitz eben doch nicht ganz ohne das Übersinnliche geht.

Fazit

“Totenblick” ist ein Buch, das alle Register des Genres zieht, ohne dabei eingestaubt zu wirken. Der künstlerische Einfallsreichtum der Mordschauplätze und die spürbare Liebe zu Leipzig sowie ein überzeugender Stab an Protagonisten sorgen dafür, dass man dieses Buch nicht nur einmal liest.


Ramona Karl (Academicworld-Userin)

Markus Heitz. Totenblick.
Droemer Knaur. 9,99 Euro

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