Das tragische Ende eines Helden

Helden müssen keine Superkräfte haben, denn manchmal kommen sie ganz unscheinbar daher: Als Mensch aus Fleisch und Blut, mit Ängsten und Schwächen. In der Miniserie SHOW ME A HERO stellt sich Oscar Isaac den versteckten Rassisten in sich selbst und die seiner eigenen Stadt …

Der Blick spricht Bände: Ein Moment im Gerichtssaal wird das Leben von Nick für immer verändern … Alle Bilder: HBO.

Eigentlich sind seit den größten Menschenrechtsauseinandersetzungen in Amerika viele Jahre vergangen. Die westliche Gesellschaft bezeichnet sich im Jahr 1987 gerne als weltoffen und tolerant – doch es gibt sie noch, die Rassisten und menschenverachtenden Mitbürger. Das Bundesgerichtshof in den USA verabschiedert folgendes Urteil: Es müssen in der kleinen Stadt Yonkers Sozialwohnungen gebaut werden. Für die kleine Stadt Yonkers im Bundesstaat New York heißt es: In den Vierteln, wo die wohlhabende weiße Mittelschicht in einer kleinen perfekten Welt residiert. Die fühlt sich dadurch plötzlich doch wieder bedroht – und die versteckten Rassisten tauchen auf. „Ich bin ja nicht rassistisch oder menschenverachtend, aber…“ wird quasi der neue Slogan – die ganze Stadt wird gespalten. Das Amt des Bürgermeisters ist zu einer Zielscheibe geworden, die die Person (Nick Wasicsko, gespielt von Oscar Isaac) auf diesem Thron immer näher zu seinem tragischen Ende führt. Der hatte selbst gegen den Wohnungsbau gestimmt und muss sich nun gegen seinem Wahlkampfversprechen dem Urteil beugen. Die Stadtverwaltung wird lahmgelegt, weil Strafzahlungen für das Nichtbefolgen des Urteils mit jedem Tag immer höher werden – für Yonkers nicht finanzierbar. Die Kreise dieser Wirkung zioehen sich immer weiter, bis immer weniger Menschen ihr Gehalt bekommen und die gesamte Stadt Bankrupt geht. Anhand der Schicksale gewählter Beamter, Bürokraten, Aktivisten und Yonkers/New York analysiert die sechsteilige HBO-Miniserie Heimat, Rassismus und Gemeinwesen heute bedeuten.

Ein weißer Populist umringt von anderen Weißen – so schaut der amerikanische Traum aber nicht aus …

Die Kritik

Nicht jeder Held kommt mit einem Supermann-Cape um den Schultern und Laserblick daher. Umso stärker müssen diese sich anstrengen, um tatsächlich auch Held zu werden. Oscar Isaac verkörpert so einen durchschnittlichen Helden in „Show me a hero“. Natürlich kommt der Serientitel von Fitzgerald Aussage „Show me a hero and I’ll write you a tragedy“. Das allein ist schon ein großer Fingerzeig, in welche Richtung sich die Miniserie mit 6 Episoden entwickelt: Viele Probleme, unglückliche Emotionen, Morddrohungen und im Sand verlaufene Karrieren. Die Serie basiert auf realen Begebnissen, die zuvor im 1999 erschienen Buch thematisiert wurden.

Es ist keine Serie, die wahnsinnig episch ist und auch die Action hält sich etwas in Grenzen. Schon allein optisch ist es eine vergleichsweise dunkle Serie, die sich auf die menschlichen Abgründe konzentriert: Hass gegen Hoffnung, Ablehnung gegen Offenheit. Die Tragik erschließt sich aus dem, was die Menschheit sein sollte, was sie niemals sein wird und dann wäre da natürlich die Frage: Was würden wir tun? Gerade in Deutschland ist die Situation eine brandaktuelle: Wenn Flüchtlingsheime gebaut und direkt von der bevölkerung angezündet werden, entsprechen sich hier Serie und Realität auf geradezu unheimliche Art. Mit der populistischen Art von Nick fühlt man sich bisweilen auch an einen gewissen Herrn Trump erinnert. Nicht zuletzt deswegen ist die Serie ein absoluter Tipp!

Der andere Grund ist die Performance von Oscar Isaac – seine Figur ist denkbar kompliziert, denn weder hat er Bock auf das Ganze, noch will er gegen sein eigenes Lager arbeiten. Oder eben Strafe zahlen, bis seine Stadt im finanziellen Ruin versinkt. Diese Gratwanderung meistert er mit Bravour und bringt so zwischen die manchmal an eine Dokumentation erinnernden Szenen mehr Spiel und Spaß. Eine ersten Serie mit ernstem Charakter. die mehr als nur Unterhaltung bieten möchte und das auch bewirkt. Bunte Feierabendunterhaltung ist es nicht und das sollte man sich vorher schon bewusst machen.

Die offen gebliebene Frage heißt: Warum wurde der Titel so gewählt? Nick als Hauptperson ist definitiv kein Held …

Fazit: Innerhalb der Abgrenzung „ernste Serie“ eine empfehlenswerte Show.

Bettina Riedel (academicworld.net)

SHOW ME A HERO
6 Episoden
Darsteller: Oscar Isaac, Peter Riegert, Natalie Paul

Seit dem 25. August auf DVD und BD im Vertrieb von HBO für euer Heimkino erhältlich!

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