Das Ende naht

“Zwölf Wasser – zu den Anfängen” ist der erste Teil eines großen Fantsy-Epos. Und er macht Lust auf mehr. Wir dürfen gespannt sein.

Die Undae – Frauen, die Veränderungen des Wassers hören und in ihm lesen können – vermelden, dass wichtige Quellen versiegen werden. Quellen, die nicht nur für ausreichend Wasser sorgen, sonder die auch für die guten Eigenschaften der Menschen verantwortlich sind. Ihr Verlust würde den Rückgang der Menschlichkeit nach sich ziehen, was katastrophale Folgen hätte. Zusammen mit den hohen Frauen, machen sich mutige Soldaten auf den Weg, um die Quellen zu besuchen und eine Katastrophe abzuwenden. Währenddessen ist auch Falkner Babu mit seinem Vogel in der Welt unterwegs…

Schleppender Beginn

Der Klappentext verspricht eine spannende Handlung, in deren Zentrum die Rettung der Quellen zu stehen scheint. Leider verhält es sich mit dem tatsächlichen Inhalt des Buches etwas anders. Die Undae selbst tauchen erst nach 150 Seiten auf und die Suche nach den Wasserstellen beginnt noch viel später. Stattdessen schildern die ersten 150 Seiten das Schicksal des jungen Babu, der durch den Erhalt eines Falkeneis zum Falkner wird und gezwungen ist, seine Heimat zu verlassen. Babu ist zwar ein interessanter Charakter, da sich aber zunächst keinerlei Beziehung zur erwarteten Handlung um die Quellen finden lässt, wirken die seitenlangen Erläuterungen etwas fehl am Platz, zumal es danach fast 300 Seiten dauern wird, bis Babu wieder auftaucht.

Viele Details

Überhaupt hat Greiff einen sehr weitschweifenden Erzählstil. Er erklärt viele Gedanken und Geschehnisse sehr ausführlich, wodurch es teilweise etwas langatmig wirkt. Gleichzeitig beschreibt er Orte und Personen sehr anschaulich und bildhaft, die eigentliche Handlung ließe sich allerdings auf wenigen Seiten zusammenfassen. Dies behält er bis zum Schluss bei. Mit der Zeit gewöhnt man sich an seinen Stil und die Geschichte wird immer spannender. Schade ist, dass im Verlauf des Buches sehr viele Handlungsstränge angefangen sowie Ziele und Aufträge gesetzt werden, davon aber im Grunde nichts zu Ende geführt wird. Nach spätestens 400 Seiten wird klar, dass eigentlich keiner der Handlungsstränge abgeschlossen wird. Dementsprechend offen ist das Ende dann auch – klar, Band 2 und 3 sind ja bereits im Einband für 2013 und 2014 angekündigt.

Eingeschränkter Lesefluss

Der Anhang bietet eine Karte, mit deren Hilfe man einen Überblick über die verschiedenen Regionen und die Reisewege erhalten kann, was durchaus hilfreich ist. Als weniger nützlich empfand ich den restlichen Anhang. Personenregister sowie kleinen Erläuterungen zu Zeitrechnung und Währungen geben zwar zu einigen Begriffen Aufschluss, aber insgesamt fiel es mir etwas zu knapp aus, da ich besonders am Anfang Schwierigkeiten hatte, mich in Greiffs komplexer Welt mit ihren vielen fremden Begriffen zurechtzufinden. Ebenso war es zu Beginn schwierig, die Länder und ihre Geschichte zu verstehen. Die späteren Erklärungen der Vergangenheit fielen dann aber wieder sehr ausführlich aus. Mehrere aufeinanderfolgende, mit vielen kleinen Details gespickte Rückblicke unterbrechen die inzwischen spannende Handlung und damit auch den Lesefluss immer wieder.

Vieles bleibt offen

Die Geschichte hat auf jeden Fall Potenzial. Wenn man sich erst einmal in den Erzählstil und die teils wulstige Sprache eingefunden hat, wird “Zwölf Wasser – Zu den Anfängen” ein fesselndes Buch, wobei das Lesevergnügen durch das sehr offene Ende wieder etwas geschmälert wird. Eine etwas gekürzte Gesamtveröffentlichung hätte mir besser gefallen, schon allein, weil es nun sehr lange dauern wird, bis der letzte Band erscheinen wird. Viel Zeit, um die Massen von Details, die Greiff in seiner Geschichte verwirbt, wieder zu vergessen.

Fazit: Die vielen offenen Fragen machen auf jeden Fall neugierig. Ich möchte nun schon gern wissen, wie es mit dem Protagonisten und den lebensnotwendigen Quellen weitergehen wird.

Anja Zenker, academicworld-userin

E. L. Greiff. Zwölf Wasser – Zu den Anfängen
16,90 Euro. dtv premium

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