Borgia oder: Bei Papsts Zuhause

Nachdem die 1. Staffel – trotz fast gleich lautender Serienkonkurrenz im Privatfernsehen – reichlich Zuschauer fand, stand schnell fest, dass „Borgia“ fortgesetzt wird. Also weiter wie gehabt: Sex, Mord und Intrigen im Vatikan-Klan. Seit 11. Oktober auch auf DVD und Blu-ray für zuhause.

Borgia oder: Bei Papsts Zuhause
Als Frau unter Priestern? Alltag für die Papsttochter. © Studiocanal

Erstens kommt es anders …

Mit der Wahl zum Papst, so dachte Rodrigo Borgia (John Doman), wäre er am großen Ziel. Wie er aber schon am Ende von Staffel 1 feststellen musst, war das ein großer Irrtum. Politische und religiöse Konflikte zu Hauf machen ihm das Leben schwer und weil das noch nicht reicht, kommen gleich noch allerlei Scherereien mit dem – mittlerweile ja legitimierten und somit durchaus auf ihn abstrahlenden – Nachwuchs dazu. Cesare (Mark Ryder) kann und will sich einfach nicht mit einer kirchlichen Karriere anfreunden. Also hängt man sie eben zusammen mit dem Kardinalsamt kurzerhand an den Nagel. Was nicht heißt, dass ihn anschließend das Leben als Ehemann oder Heerführer mehr ausfüllt. Er scheint hier als Vorbote unserer heutigen, immer alles wollenden und doch schnell jegliches Interesse verlierenden Zeit zu sein.

Seine Schwester macht es dem Herrn Papa allerdings auch nicht leichter. Die schöne Lucrezia (Isolda Dychauk). Noch immer ist sie eigentlich als potenziell zu verheiratende Papsttochter ein Trumpf im Spiel der Mächte. Allerdings unternimmt sie ungefähr alles, was denkbar ist, um sich für eben diese Rolle zu diskreditieren: die ein oder andere geheime Liaison, eine Schwangerschaft außerhalb der Ehe, Einmischung in die Politik, religiös-fanatische Phasen …  

Kein Wunder, dass das Kirchenoberhaupt als Ausgleich – und ein Stückweit natürlich auch aus Verzweiflung über den neuerlichen Verlust eines Sohnes – seine Launen an der Kirche auslässt. Da werden im (Drogen-)Wahn schon einmal aus Versehen ein paar Lakaien erstochen. 

… und zweitens als man denkt!

Im Gegensatz zu den erfolgreichen Vorbildern wie Rom und Die Tudors kommt dem ganzen Geschehen hier in Staffel 2 auch noch der letzte Hauch von Humor abhanden. Viel zu ernst und tiefgründig kommt man hier daher, wenn man nicht gerade mordet oder nackte Haut zeigt. Da ist der Zuseher mittlerweile einfach anderes gewohnt. Optisch opulent ist das alles durchaus – man sieht die angelegten Finanzmittel – aber die Motivation der Charaktere oder die Dialoge hätten häufig gerne noch etwas stärker ausgearbeitet sein dürfen. 

Borgia oder: Bei Papsts Zuhause

Insgesamt wird in Staffel 2 aber das Panorama größer. Die Renaissance-Größen Leonardo da Vinci, Nicolò Machiavelli und Michelangelo Buonarroti finden Eingang in das Geschehen. Die historischen Fakten bilden dabei aber nur einen groben Rahmen für die Story. In der Regel wird zugunsten der Unterhaltung, nicht der Wahrheit entschieden. Nachhaltig im Gedächtnis bleibt wohl vor allem der Patriarch – John Doman als Papst Alexander VI. Die Quoten sind im Vergleich zum Auftakt deutlich weniger imposant ausgefallen – was die 2. Hälfte der neuen Folgen  prompt aus der Hauptsendezeit gekegelt hat, trotzdem dürfen wir wohl mit einer 3. Staffel rechnen.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Borgia, Staffel 2

Regie: Diverse
Darsteller: John Doman, Mark Ryder, Isolda Dychauk

BORGIA Staffel 2 ab dem 11. Oktober im Director’s Cut auf DVD und Blu-ray sowie als Video on Demand

Im Verleih von Studiocanal

 

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