Bitch said whaaaat?

„Du bist der letzte lebende Erbe des Helden Shannara und jetzt geh los und rette die Welt!“ – so reißt der Druide Allanon den jungen Shea aus seinem ruhigen Leben. Yeah. Klingt doch nach einem epischen Abenteuer, bei dem entweder viele Leute sterben oder zu unsterblichen Helden werden, oder?

Eigentlich könnte Shea Ohmsford auch als Junge mit großen Segelohren durchgehen. Nur laufen seine deutlich spitzer zu – denn er ist ein Halbelf. Sein Leben nimmt eine unvorhergesehene Wende, als ein dunkel gekleideter, unfreundlicher Mann das Gasthaus der Ohmsfords betritt und Shea zu sprechen wünscht. Er ist Allanon, seines Zeichens der letzte Druide in de vier Ländern und eröffnet ihm kurzerhand, dass er der letzte lebende Nachfahre des legendären Helden Shannara ist – und ihm damit das wahrscheinlich größte Abenteuer seines Lebens ins Haus steht.
Brona, ein ehemaliger Druide, wurde einst zu einem bösartigen Hexenmeister. Jetzt hat er lange genug geruht und schickt sich an, die vier Länder unter seine Kontrolle zu bringen. Seine Armee umfasst tausende Wesen, die er gegen die Grenzfestung von Callahorn schleudern wird. Die Legion dort wurde aber erst kürzlich von dem wahnsinnigen König aufgelöst … Und so kämpfen Shea, sein Bruder Flick und die Mitglieder ihrer kleinen Truppe nicht nur darum, die anderen Königreiche zu einem schlagkräftigen Bündnis zusammen zu schweißen, sondern auch darum, das legendäre Schwert von Shannara zu finden. Denn nur Shea kann es führen und damit den Hexenmeister letztendlich aufhalten und besiegen!

Die Kritik

Grundsätzlich sollte man in die Rahmenfaktoren und das eigentliche Buch unterscheiden. Kleiner Funfact: Auf der Rückseite des Buchs wird der Name des Hauptcharakters „Shae“ geschrieben und im Buch durchgängig „Shea“. Leider fällt das Schluderige öfters auf. So finden sich Sätze wie „Er sorgte für Entsatz“ oder fehlen Satzzeichen. Das das in all den Jahren, in denen das Buch schon veröffentlicht ist, nie aufgefallen ist?

Für alle, die sich fragen, warum nicht der erste, sondern der zweite Band zur Serie gemacht wurde: Es gibt grundsätzlich kleinere Ähnlichkeiten mit dem Herrn der Ringe. Das hat weniger was mit Elfen und Zauberern zu tun. Vielmehr mit der Reisegesellschaft, die aus verschiedenen Rassen besteht und zum Beispiel an einem gewissen Punkt auch ein dunkles Reich unter Bergen durchqueren muss. Daher hat es sich vermutlich deshalb nicht als TV-Serie angeboten.

Stichwort „Rassen“: Was den durchschnittlichen deutschen Leser irritieren wird, ist die Häufung des Worts „Rasse“ im Text. Gemeint damit sind natürlich Elfen, Menschen und Gnome und Zwerge und Trolle und … Aber spätestens wenn es um die großen Rassenkriege geht, fühlt man sich unwohl. Mit dem Lesevergnügen kommt das schon in Berührung, also beeinträchtigt es etwas. Sollte ein Verlag darauf Rücksicht nehmen? Sind wir, respektive ich einfach nur zu empfindlich? Gibt es einen anderen Ausdruck, den man ohne weiteres hätte nutzen können? Die Antwort darauf muss jeder für sich selbst finden. Ich habe letztendlich bewusst darüber hinweggelesen.

Zum Buch selbst: Total super! Das Szenario basiert letztendlich auf einer Dystopie: Ein Atomkrieg hat die Welt in Schutt und Asche gelegt. Rund 3000 Jahre später hat sich eine „neue“ Artenvielfalt entwickelt: An der Spitze der Nahrungskette stehen die Elfen, die Menschen stehen ziemlich weit unten. Der Druide Allanon verrät immer wieder mal was, wie es dem Leben nach diesem Krieg ergangen ist und so erklärt der Autor seine komplette Welt auf eine sehr stimmige und natürliche Art. Die Handlung dauert recht lang – 670 Seiten in dieser Ausgabe. Mal eben nebenher lesen ist damit nicht, denn sonst verpasst man das eine oder andere wichtige Detail.

Damit es nicht zu übersichtlich [;)] wird, schickt Terry Brooks seine Charaktere auch mal separat durch die vier Länder (inspiriert durch Irland?) und sorgt so für etwas Abwechslung. Das Ende kommt ein bissche so wie es erwartet wird und ein bisschen anders. Besonders gelungen ist die Erklärung, warum nur das Schwert von Shannara den bösen Druiden möglicherweise (!) vernichten kann. Was man sich hier für das eigene Leben ableiten kann, ist eine der größeren Wahrheiten, die wirklich viel für den einzelnen Leser bedeuten kann: Was ist real, was bildet man sich nur so fest ein, bis man es für real hält? Ausführlicher kann ich es an dieser Stelle leider nicht diskutieren, ohne das Ende zu sehr zu spoilern. Meldet euch, wenn ihr an der Stelle seid und Redebedarf dazu habt 🙂

Das Fazit: Bei der Umsetzung hapert es etwas, die Geschichte selbst ist famos!

Bettina Riedel (academicworld.net)

Terry Brooks. Die Shannara Chroniken – Das Schwert der Elfen.
Blanvalet. 9,99 Euro.

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