Auf der Suche nach der Wahrheit (1)

Ein kurzer Augenblick, ein dummer Zufall, und das ganze Leben steht Kopf. Wie reagiert man, wenn auf einmal nichts mehr ist, wie es mal war? Das ganze Leben eine einzige Lüge? Alles, woran man sein Leben lang geglaubt und festgehalten hat, wird plötzlich infrage gestellt. Genau so ergeht es Rachel, der Hauptperson dieses Buches.

Die junge Rachel Woodley erzieht im Frankreich der 20er Jahre als Gouvernante die Kinder einer reichen Familie. Damit verdient sie den Lebensunterhalt für sich und ihre alleinlebende Mutter, die in einem Cottage im englischen Netherwell wohnt. Bis sie eines Tages ein Telegramm erreicht: Ihre Mutter ist an der Influenza erkrankt, wodurch Rachel zu einer schnellstmöglichen Heimkehr gezwungen ist. Von der verständnislosen Chefin daraufhin gekündigt, macht sich Rachel dennoch sofort auf den langen Weg von Brillac nach Netherwell.

Doch sie kommt zu spät: Ihre Mutter ist der Krankheit erlegen. Beim Ausräumen des Hauses stößt Rachel auf ein mysteriöses Foto aus einer alten Zeitung. Es zeigt einen Mann, welcher eine verblüffende Ähnlichkeit mit ihrem Vater hat, der jedoch angeblich vor vielen Jahren bereits ums Leben kam. Der Mann auf dem Bild ist Graf Ardmore – ein angesehener Adliger der englischen Society – der mit Ehefrau und Tochter Olivia vor der Kamera posiert. Rachel ist verwirrt und kann nicht glauben, was sie da sieht. Ein unheimlicher Verdacht keimt in ihr auf: Ist es möglich, dass ihr Vater noch lebt?

Mit dem festen Entschluss, diesem Geheimnis auf den Grund zu gehen und das Rätsel um ihren Vater zu lösen, macht Rachel sich auf den Weg nach London. Durch die Hilfe von Simon, einem Bekannten mit adliger Herkunft und guten Kontakten, schleust sie sich in die Londoner High Society ein. Simon stellt sie seinen adligen Freunden und Bekannten als seine lang verreiste Cousine Miss Vera Merton vor. Schön gekleidet und frisiert lässt sie sich fortan auf den Events des Hochadels blicken und freundet sich, um ihre Glaubwürdigkeit zu unterstreichen, mit Olivias Cousine an. Getarnt als Vera gerät Rachel immer häufiger in verzwickte Situationen. Sie sieht sich mit widersprüchlichen Gefühlen konfrontiert und begegnet nach und nach ihrer Halbschwester Olivia und anderen Familienmitgliedern, die nichts von ihrer Existenz ahnen. Zum Showdown kommt es schließlich, als Rachel ihrem Vater endlich gegenübersteht…

Die Kritik

Bestsellerautorin Lauren Willig hat mit „Die fremde Schwester“ ein durchaus gelungenes Buch geschrieben. Nicht wirklich anspruchsvoll, aber – bis auf die Rechtschreibfehler, die doch hin und wieder ins Auge stechen – angenehm zu lesen, lädt es zum Träumen ein und bietet mit einer Mischung aus großen Gefühlen, zauberhafter Kulisse und historischem Hintergrund eine wunderbare Urlaubs- oder Bettlektüre.

Hauptperson Rachel ist anschaulich und sympathisch beschrieben, sodass man sich gut und gerne in sie hineinversetzen und mit ihr mitfühlen kann. Auf ihrem langen und emotionalen Weg hin zur Wahrheit habe ich sie das gesamte Buch hindurch sehr gespannt begleitet. Vor lauter Spannung, wie es weitergeht und wie das „Rätsel ihres Lebens“ denn nun ausgehen mag, fällt es schwer das Buch aus der Hand zu legen, weshalb ich es so ziemlich in einem Rutsch durchgelesen habe.
 
Fazit: Für alle, die entspannte und entspannende Geschichten mögen, ist Lauren Willigs neuer Roman „Die fremde Schwester“ also sehr zu empfehlen. Wer jedoch eher auf Action oder gehaltvollere Bücher steht, sollte dann doch lieber die Finger davon lassen…

Tabea Hornung (academicworld.net)

Lauren Willig. Die fremde Schwester.
Wunderlich. 16,99 Euro.

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